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Lifestyle | 19.11.2018

Auf Streifzug

Wir waren mit Fremdenführerin Monika Unterholzner in der Innsbrucker Altstadt unterwegs.

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ZUM ANFASSEN. Monika Unterholzner kennt und liebt Innsbruck. (Fotos: Martin Vandory)

Wir treffen Monika Unterholzner an einem sonnigen Nachmittag beim Eingang in die Innsbrucker Altstadt. Bereits im Alter von 17 Jahren legte die Tochter der Glockengießerei Graßmayr  ihre Prüfung als Fremdenführerin ab und arbeitet in der Tourismusbranche. Nachdem ihre vier Kinder alt genug waren, machte sie sich selbstständig und bietet heute Führungen, auch bei Jubiläen, Tagungen oder Firmenevents, an.  Uns möchte die gebürtige Innsbruckerin kleine und bemerkenswerte Details der Altstadt zeigen, die wir in der Hektik des Alltags manchmal nicht wahrnehmen.

Offene Geheimnisse. „Geschichte hat mich schon von jeher interessiert. Die Wurzeln unserer Familie können bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden und am Familientisch wurde immer viel über Geschichte gesprochen und überliefertes Wissen weitergegeben“, erzählt Unterholzner. Ihr großes Interesse für Menschen und Zusammenhänge ist auch heute noch ihr Antrieb und sie kommt gern mit anderen ins Gespräch und tauscht sich aus. Das sei auch ihr Geheimnis, warum sie über so viele Plätze und Details Bescheid wisse.

Farbenfroher Kreuzungspunkt. Bevor wir starten, erklärt uns Unterholzner, dass Innsbruck schon früh als bedeutende Stadt galt, ein Grund dafür sei die Lage: „Wir liegen im Herzen Europas und seit Jahrtausenden wollen die Menschen von Nord nach Süd, also über Innsbruck zum Brenner, oder von Ost nach West, also durch das Inntal. Wir waren die strategische Wegkreuzung.“ Auch Kaiser kamen auf dem Weg zu ihrer Krönung in Rom durch Innsbruck. Bei Hochwasser oder Unwettern war die Überfahrt mit der Fähre ein gefährliches Unterfangen oder sogar unmöglich. Die Grafen von Andechs ließen die Innbrücke errichten – wer queren und in die Stadt wollte, musste sich an bestimmte Regeln halten. So musste Zoll gezahlt werden, und für Händler galt das Ballenrecht. Das bedeutet, dass jeder Händler, der durch Innsbruck reiste, hier auch seine Waren zum Verkauf anbieten musste. Mit dem Ballenrecht lassen sich auch die bunten Farben der Häuser erklären: Da viele Händler der deutschen Sprache nicht mächtig waren, bemalte man die Häuser je nach Zunft: Brauereien waren gelb, Bäckereien blau und Metzgereien rot.

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BESTENS ERHALTEN. Beim Hotel Weißes Kreuz sieht man eine Darstellung des Kaiserreichs.

Zusammenhänge. Während wir durch die Gassen gehen, erzählt uns Unterholzner, was es für sie besonders macht, wenn sie durch die Stadt führt:„Ich versuche immer herauszufinden, was die Leute wirklich interessiert, und natürlich auch, was sie bereits wissen. Mein Fokus liegt darauf, wie Innsbruck entstanden ist, und ich möchte die vielen kleinen Winkel, die man oft gar nicht bemerkt, zeigen. Ich will, dass auch ein Einheimischer denkt: Wow, jetzt verstehe ich meine Stadt.“

Über unseren Köpfen. Beim Hotel Weißes Kreuz bleiben wir stehen. Unterhalb der Bögen findet sich eine besonders gut erhaltene Darstellung des Kaiserreichs unter Kaiser Maximilian: Zu sehen sind ein doppelköpfiger Adler mit Kreuz sowie zahlreiche Wappen: in den ersten Reihen links vom Kreuz sind die geistlichen Kurfürsten zu sehen, die den Kaiser gewählt haben, rechts vom Kreuz die weltlichen Kurfürsten. Vier senkrechte Wappen symbolisieren jeweils die Säulen und Stände, auf denen das Reich aufgebaut ist. Richter Zeller ließ das Fresko Kaiser Maximilian zum Dank anbringen – weil ihm die Ehre der hohen Gerichtsbarkeit, also die Erlaubnis, Todesurteile zu verhängen, erteilt wurde.

Glänzende Vergangenheit. Über Kaiser Maximilian weiß Monika Unterholzner generell viel zu erzählen: „Er kam nach Innsbruck, weil er die  Intrigen in Burgund satthatte und weil er die gute strategische Lage, das Silber in Schwaz und die Möglichkeit zur Bergjagd schätzte“, erzählte Unterholzner. Kaiser Maximilian war es auch, der viel in der Stadt umsetzte: Er holte die wichtigsten Verwaltungsbehörden nach Innsbruck und legte die große Rüstsammlung im Zeughaus an. Mit dem Goldenen Dachl wollte Maximilian zeigen, welch reicher und mächtiger Herrscher hier lebt. Was man auf den ersten Blick nicht sieht: Direkt unter dem Goldenen Dachl sind kleine Figuren angebracht – oft in fragwürdigen Posen. Rundherum zeigen Bilder Kaiser Maximilian, so zum Beispiel mit zwei seiner Ehefrauen. Eine davon,  Maria von Burgund, starb bereits im zarten Alter von 22 Jahren, über ihren Tod soll er nie hinweggekommen sein.


Das Goldene Dachl – Voller Geschichten.
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Am Goldenen Dachl ist Kaiser Maximilian gleich mit zwei seiner Ehefrauen abgebildet.
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Klare Worte. Unter dem Goldenen Dachl zeigen Figuren, was Kaiser Maximilian von seinen Kritikern hielt.
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Hoch oben. Monika Unterholzner selbst schätzt an Innsbruck die vielen kleinen Winkel, die den Charme der Stadt ausmachen. Ihr Lieblingsplatz liegt aber nicht in der Altstadt, sondern über den Dächern von Innsbruck, beim Rauschbrunnen und auf der Seegrube.
„Schön, wenn man die vielen Häuser von oben sieht, die Stadt mit ihren vielen Geschichten“, schwärmt Unterholzner.

Gute Reise. Unser nächster Weg führt uns zum Café Munding. Dort ist groß, direkt an der Hausmauer und eigentlich kaum zu übersehen, ein Bild des heiligen Christophorus. „Bilder des heiligen Christophorus sieht man meist dort, wo man für eine gute Reise betete – an großen Plätzen, Kreuzungen. Das Café Munding passierte man auf dem Weg zur Spitalskirche – man betete für eine gesunde Rückkehr, aber auch für eine gute Reise ins Jenseits“, erklärt uns unsere Stadtführerin.

Spuren der Vergangenheit. Unterwegs macht uns Unterholzner  immer wieder auf Teile der ehemaligen Stadtmauern aufmerksam, die heute mit Gebäuden verschmolzen sind. Die Stadt wuchs so schnell, dass die Menschen direkt an die Mauern anbauten und sogar Fenster durchbrechen durften. Immer wieder schmunzeln besonders Einheimische darüber, dass ihnen am Markt- und Burggraben erst jetzt bewusst wird, dass die Auslagen der Geschäfte eigentlich Durchbrüche der Altstadtmauer sind und ihnen gezeigt wird, wo die alten Mauern nicht verputzt, sondern sichtbar sind. Die Stadttore ließ Kaiserin Maria-Theresia abreißen – aus den Steinen wurde die Triumphpforte gebaut.


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HINAUFGESCHAUT. Der heilige Christophorus ist an der Fassade des Café Munding zu sehen.

Für immer dahin. Eines der bedeutendsten Wahrzeichen ist allerdings heute nicht mehr erhalten. Der einstige Wappenturm wurde von Kaiser Maximilian errichtet. Er wurde damals bei der Barockisierung der alten gotischen Hofburg ummantelt und so unwiederbringlich zerstört. Einzig ein Bild, das im Durchgang von der Altstadt zur Schwarzmanderkirche zu sehen ist, erinnert noch daran.

Historisch und doch jung geblieben. Die reiche Geschichte ist aber nicht das Einzige, das Monika Unterholzner an der Tiroler Landeshauptstadt so schätzt. „Innsbruck hat eine sehr hohe Lebensqualität. Wir können am Vormittag auf den Berg und am Abend ins Theater. Auch die vielen Studenten verleihen uns ein einzigartiges Flair.“ Über Ideen der jungen Generation amüsiert sich die Innsbruckerin übrigens köstlich: „Die Statuen hinter der Ottoburg werden oft mit Weinflasche ausgestattet und in der Kiebachgasse sieht man eine Angel mit Fisch vom Dach baumeln – das passt zu unserer jungen Stadt, wo nicht grobwillig zerstört wird, sondern die Jugend lebt.“

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JUNG TRIFFT ALT. Die Statuen bei der Ottoburg werden oft für humorvolle Ideen von Studenten zweckentfremdet.