Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 07.09.2018

Küchenliebe im Eigenheim

Kochen bedeutet gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie genauso wie Freizeitbeschäftigung und Genuss. Kein Wunder, dass die Küche als zentraler Raum eines jeden Zuhauses nun eine gesellschaftliche Renaissance erfährt.

Bild shutterstock_639507952.jpg
© Shutterstock

Mit der Entdeckung des Feuers ging auch die Entstehung der Küche als gesonderter Raum einher. Was mit Lehmöfen, Malsteinen und offenen Feuerstellen im frühen 9. Jahrhundert vor Christus begann, hat sich mittlerweile zu einem zentralen Ort der Geselligkeit und zum Mittelpunkt des täglichen Lebens etabliert. Die Küche ist längst nicht mehr nur ein Raum, in dem Hausfrauen das Essen für die Familie zubereiten. Als Zentrum der Wohnung erfüllt sie unzählige Kriterien, die sich im Laufe der Zeit immer wieder an historische wie gesellschaftliche Gegebenheiten angepasst haben.

 

Bild shutterstock_684583606.jpg
© Shutterstock

Historisches Herzstück. Konzept, Funktion und Gestaltung der Küche entwickelten sich über Jahrhunderte. Als räumliche Gegebenheit für die Zubereitung von Speisen ist sie jedoch stets eine unabdingbare Notwendigkeit geblieben. Im antiken Griechenland sowie im alten Rom erfreuten sich offene Großküchen großer Beliebtheit. Das Konzept der privaten Küche im Eigenheim, wie wir es heute verstehen, entstand im Mittelalter. Zu dieser
Zeit war es aber nur der Aristokratie vorbehalten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Küche dann zum Mittelpunkt eines jeden bürgerlichen Haushaltes.

Frau am Herd. Seit jeher wurde die Küche als sozialer Raum verstanden. Das Personal der Adeligen im Mittelalter hielt sich in der Küche auf, da dies der einzige Raum für die Belegschaft war, der beheizt wurde. Die Frauen kochten und unterhielten sich und verbrachten so den Großteil ihres Tages in der Küche. Mit der zunehmenden Industrialisierung mussten jedoch auch Mütter und Ehefrauen einer Arbeit außerhalb des Hauses nachgehen, um die Familie finanziell unterstützen zu können. Somit verlor sich die kommunikative Bedeutung des gemeinsamen Kochens vorerst.

 

Bild shutterstock_556495069.jpg
© Shutterstock

Küchen-Renaissance. Die moderne Küche erobert ihren Rang als sozialen Mittelpunkt zurück. Sie ist ein wichtiger Schnittpunkt, nicht nur ein Ort für die Nahrungsaufnahme. Kommunikation, Information ebenso wie Unterhaltung machen sie zur familiären Anlaufstelle im Eigenheim. Der römische Architekt Vitruv verstand bereits im 1. Jahrhundert vor Christus das Feuer als maßgebliches Element für die Konstitution einer Gesellschaft. Auch der moderne Küchenblock, an dem mehrere Personen gleichzeitig arbeiten können, erinnert an die ursprüngliche Feuerstelle, an der gemeinsam gelacht, geredet und gefeiert wurde. 

Gemeinsam genießen. Die Ansprüche an das Design der Küche sind einerseits Funktionalität, ebenso aber eine gewisse Gemütlichkeit gepaart mit viel Platz für Freunde und Familie. Das Konzept der Wohnküche wird dabei immer beliebter. In keinem anderen Raum kreuzen sich täglich so viele Wege von Familienmitgliedern oder Mitbewohnern wie hier. Ob morgens für einen schnellen Kaffee oder die Entgegennahme der angerichteten Jause, beim gemeinsamen Mittagessen oder auf der Suche nach einem Snack zwischendurch: Die Küche ist das Herzstück eines jeden Zuhauses. Kein Wunder, dass sich dieser Raum an gesellschaftliche Veränderungen anpassen und sich immer wieder neu erfinden muss.

 

Bild shutterstock_389061844.jpg
© Shutterstock

Genuss und Ernährung. Das Kochen selbst wird mittlerweile aber nicht mehr nur als Notwendigkeit betrachtet. Immer mehr Menschen erfreuen sich am Ausprobieren neuer Rezepte und an der Auseinandersetzung mit diversen Essgewohnheiten. Schließlich wird unsere Ernährung mittlerweile als eine eigenständige wissenschaftliche Fachrichtung verstanden. Viele lernen durch die leichte Zugänglichkeit zu Rezepten im Netz erst kochen und toben sich kulinarisch aus. Die Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen und Geschmäckern wirkt sich meist auch positiv auf das eigene Körpergefühl aus.

#foodporn. Aber nicht nur der Genuss, auch die Darstellung der eigenen kulinarischen Präferenzen steht in der Rangliste der Gründe für die neue Küchen-Ära ganz oben. Nicht ganz unschuldig an dem erneuten Aufleben ihrer Bedeutung sind dabei soziale Medien wie Instagram und diverse Foodblogs. Das öffentliche Posten von Gerichten und Getränken fungiert oft als Mittel zur Darstellung persönlicher Werte und individueller Vorlieben. Ebenso wird damit die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppierungen nach außen kommuniziert. Die Gestaltung der Küche und des gedeckten Tisches war immer schon Reflexion und Ausdruck eines bestimmten Zeitgeistes.

 

Bild shutterstock_793913143.jpg
© Shutterstock

Health goals. Die aktuelle moderne Dienstleistungsgesellschaft offenbart sich als „To-go“-Mentalität. Immer öfter essen wir unterwegs, haben kaum Zeit für einen Bissen zwischendurch. Dem entgegen steht der immer lauter vernehmbare Wunsch nach Zeit für sich selbst und die eigene Gesundheit. Die moderne Küche zeigt sich hier als Gegenentwicklung zum schnellen, allseits flexiblen Geist unserer Zeit. So wird der Gedanke der Entschleunigung auf einen Raum projiziert, dessen Notwendigkeit vom Menschen früh erkannt und in vergangenen Zeiten dementsprechend zelebriert wurde. Es scheint, als sehnen wir uns nach frischen, liebevoll zubereiteten Speisen in netter Gesellschaft. Die Freude am Essen und an gemeinsamer Zeit mit Freunden und Familie ist dabei ein zusätzlicher Gewinn für das persönliche Wohlbefinden.