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Lifestyle | 16.07.2018

Teslin River – der sanfte Wilde

Dass eine Reise durch die ungezähmte Wildnis im Norden Kanadas nicht nur eine Sache für unverbesserliche Naturburschen ist, bewies die Tirolerin Petra Kodera bei einer abenteuerlichen Kanutour.

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Foto: Siegfried Weger

Es gibt nicht viele Gegenden auf unserer global vernetzten Welt, wo man sie noch finden kann: intakte Natur und die große Freiheit. Der Yukon, bis 2003 Yukon-Territorium genannt, zählt dazu. Er umfasst ein Gebiet fast achtmal so groß wie Österreich. Einwohnerzahl: 38.000 Menschen – drei Viertel davon leben in der Hauptstadt Whitehorse. Die anderen haben sich meist entlang des Alaska Highway angesiedelt. Wer wohnt in dieser rauen Gegend? Natürlich First Nations und im Norden Inuit-Völker. Und dann gibt es noch Trapper und Bergarbeiter. Hauptsächlich Goldsucher. Bei uns kennt man sie aus diversen TV-Reality-Serien.

 

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Foto: Siegfried Weger

Aber es gibt sie wirklich. Oft sind es Familienbetriebe, die mit großem technischen Aufwand und enormer Zähigkeit das gelbe Metall schürfen. Und davon gibt es noch jede Menge. Obwohl der große Goldrausch schon über hundert Jahre zurückliegt, ist Gold nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig – wichtiger als etwa der Tourismus, der sich hauptsächlich auf die kurze Sommersaison beschränkt. Moderne Maschinen, effizientere Verfahren und der gestiegene Goldpreis machten es rentabel, die Goldfelder erneut zu durchwühlen.

 

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Foto: Siegfried Weger

Yukon – der Name vermittelt noch immer das herbe Gefühl der Freiheit und des Abenteuers, bei dem man sich den Nordwind ins Gesicht wehen lassen kann. Es ist ein Land, das süchtig macht. Die Freunde Ferdinand, Michael und der Autor litten wieder einmal unter Entzugserscheinungen. Also – auf in den Norden! Zwei Kanus brauchen aber vier Paddler. Petra Kodera meldete sich begeistert als vierter „Mann“. Kanadaerfahrung? Jede Menge. Immerhin besaß die Familie Kodera über 25 Jahre lang ein Haus in Nova Scotia. Aber Wildniserfahrung und Paddelerfahrung? Keine. Dafür brachte Petra jede Menge gute Laune, Zähigkeit und Furchtlosigkeit mit. Es wurde also ein Fluss gesucht, der durch eine unberührte Landschaft strömt, aber keine nennenswerten Stromschnellen aufweist. Die Wahl fiel auf den Teslin River, einen Seitenfluss des Yukon. Der sanfte Wilde erwies sich als Volltreffer. Wunderbare Wochen auf dem Fluss bei strahlendem Wetter erlaubten ein stressfreies Abtauchen und Eintauchen in den Rhythmus der Natur.

 

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Foto: Siegfried Weger

Aber es wurde nicht nur gepaddelt. Es wurde gefischt und durch unwegsame Wälder auf namenlose Gipfel gewandert, um am Abend todmüde am Lagerfeuer endlos über Gott und die Welt plaudern zu können. Und Petra bestand schließlich noch beide Abschlussprüfungen ohne Probleme. Zum einen waren dann auf dem Hauptstrom, dem Yukon, doch noch die eigentlich harmlosen Five Finger Rapids zu bewältigen. Bei hohem Wasser ging es dabei recht kippelig zur Sache. Und zum anderen bekam Petra einen ganz persönlichen Abschiedsbesuch von einem mächtigen Schwarzbären.

 

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Foto: Siegfried Weger

Als Draufgabe folgten spannende Tage in den Tombstone-Bergen im Norden von Dawson City. Allein die Fahrt auf dem Dempster Highway ist ein Erlebnis. Sie führt 736 Kilometer durch die Weiten der Tundra nach Norden bis Inuvik. Im Tombstone-Park gibt es ausgedehnte Wandermöglichkeiten. Und mit etwas Glück kann man Grizzlys und Karibus sehen. Und sie hatten Glück – und das Gefühl, wenigstens für einige Wochen das „pure Leben“ eines Henry Thoreau geführt zu haben.