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Lifestyle | 24.08.2018

Multikulti- Inselparadies: Mauritius

Mauritius feiert heuer 50 Jahre Unabhängigkeit. Die TIROLERIN hat die Traum­insel besucht, um zu testen, ob das Eiland hält, wofür sein Name steht.

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Foto: Martin Duschek

Gerade 54 Quadratkilometer größer als Innsbruck-Land und schon ein eigener Staat: Die kleine Vulkaninsel Mauritius im Indischen Ozean erklärte vor genau 50 Jahren ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Wie kaum ein anderes Reiseziel der Welt steht der Name für Klischees wie Traumstrand, Luxus-Hideaway, Wedding-Paradies und nicht zuletzt für die berühmteste Briefmarke der Welt. Mark Twain schrieb in seinem Weltreise-Tagebuch „Following the Equator“ anno 1886, dass Gott zuerst Mauritius erschaffen hätte und dann, nach dessen Vorbild, das Paradies. Fleißige Touristiker trommeln den markanten Sager, kein Reiseführer, der ihn nicht zitiert. Aber in Wirklichkeit war der große amerikanische Schriftsteller von Mauritius gar nicht so angetan und das Zitat ist vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Zu seiner Zeit präsentierte sich das Inselchen 1.000 Kilometer östlich von Madagaskar noch ziemlich unterentwickelt und chaotisch. Die afrikanischen Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern waren erst wenige Jahrzehnte zuvor freigelassen worden, Horden indischer Gastarbeiter hatten ihre Zelte aufgeschlagen, Chinesen und Araber waren auf die Insel gekommen, um Handel zu treiben, und dazwischen versuchten die Nachfahren der niederländischen und französischen Besatzer, mit den britischen Kolonialherren ihr Auskommen zu finden. 

 

 

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Foto: Martin Duschek

Luxus-Tourismus. Tatsächlich entwickelte sich der High-End-Tourismus erst nach der Unabhängigkeit von Großbritannien, erzählt Ovani Umanee, PR-Chefin der örtlichen Marriott-Gruppe, die auf der Insel mit ihren Häusern „West Inn Turtle Bay“, „St. Regis Mauritius Resort & Spa“ und „Le Meridien Ile Maurice“ gleich über drei Vorzeigebetriebe verfügt. Die Stärke von Mauritius, die es heute zum Traumziel vieler Europäer macht, besteht zweifellos in seinen insgesamt 58 traumhaften Stränden. Im Gegensatz zu anderen Inseln der Region schützt nämlich ein vorgelagertes Korallenriff die Küste vor den wild heranrollenden Wellen des Indischen Ozeans ebenso wie vor seinen gefährlichen Haien. In den unterschiedlichen Auflistungen „Schönste Strände der Welt“ tauchen die feinsandigen, kilometerlangen Lagunen Mauritius’ deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auf. So zum Beispiel der Strand der Halbinsel „Le Morne Brabant“ im Südwesten. Sein markantes Zeichen ist der gleichnamige, 556 Meter hoch aufragende, frei stehende Berg, der wie ein natürlicher Leuchtturm wirkt. Wie überall auf Mauritius gehört auch hier der Strand aus feinem Korallensand der Allgemeinheit und ist frei zugänglich. Erst hinter der idyllischen Palmenkette verbirgt sich die Luxusanlage des St. Regis mit ihrem in authentischem Kolonialstil gehaltenen Haupthaus und den Gästevillen. Hier wird der Gast nach allen Regeln der Kunst verwöhnt, mehr noch, als es das Klischee erhoffen lässt. Dazu gehört unter anderem die tägliche Sonnenuntergangs-Zeremonie des Champagnerköpfens, bei der stets ein Glücklicher vor malerischer Kulisse zum „Chevalier-Sabreur“ geschlagen wird.

 

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Foto: Martin Duschek

Warmer Winter. Im Juli, zu Beginn der verhältnismäßig trockenen, tropischen Winterzeit auf Mauritius, steht die Sonne mittags etwas tiefer im Norden. Trotzdem klettert das Thermometer auf angenehme 30 Grad Celsius. An der Südspitze der Le Morne Brabant steigen dann die bunten Schirme der Kitesurfer in die Luft. Innerhalb
der Lagune üben sich die Anfänger, die Könner wagen sich an die Riffkante, wo selbst an ruhigen Tagen die Wellen sich leicht fünf Meter hoch aufbäumen. „Yes, it’s very dangerous“, warnt Ovani, aber gerade das mache die Halbinsel zu einem Hotspot der internationalen Kitesurfer-Szene

 

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Foto: Martin Duschek

Sprachgewaltig. Im ebenfalls wetterbegünstigten Nordwesten der Insel empfängt uns die quirlige PR-Lady im West Inn Turtle Bay Ressort, einer nicht minder traumhaften Fünf-Sterne-Villenanlage an der gleichnamigen, halbmondförmigen Lagune. Natürlich haben sich die großen Hotels an den schönsten Stränden niedergelassen, aber auch hier gilt: „freier Zugang für alle“. Fröhliche Strandverkäufer preisen neben Andenken-Schnickschnack die typischen bunten Körbe an. Wer bei den handgefertigten, wunderschönen Flechtwerken für ein paar Euro Nein sagt, ist selbst schuld. Die Händler sind angenehm zurückhaltend, plaudern aber gerne über ihre Insel, wenn man ihnen freundlich begegnet. Englisch und Französisch spricht hier neben Morisyen – einer Kreolsprache aus den bereits genannten sowie aus Hindi, Malagasy, Swahili und Chinesisch – jeder.

 

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Foto: Martin Duschek

Multikulti. Wie das Leben außerhalb der Luxuswelten verläuft, erfahren wir auf einer, im Linksverkehr angstschweißtreibenden Radtour. Vorbei an knallbunten hinduistischen Tempelanlagen, schlichten katholischen Kirchen, Moscheen und Buddhastatuen verläuft die Fahrt durchs Landesinnere als echter Multikulti-Trip. Die lang gezogenen Straßendörfer im Norden erinnern mehr an Indien oder Sri Lanka. Tatsächlich stellen indische Einwanderer mit knapp 50 Prozent den größten Teil der maurizischen Bevölkerung. Chaotisch frohes Leben auf der Straße, lautes, geschäftiges Treiben, heruntergekommene Fassaden – die Szene wirkt ein bisschen, wie sie Mark Twain wohl schon erlebt hat.

 

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Foto: Martin Duschek

Gegensätze. Den durchaus erfrischenden Gegensatz aus authentischem Inselleben und touristischem Elfenbeinturm erlebt der Gast am eindrücklichsten in der Hauptstadt Port Louis. Am Zentralmarkt geht es indisch-afrikanisch turbulent zu. Obst und Gemüse türmen sich in eigenen Markthallen, eine Halle weiter wird Halãl-gerecht geschlachtet. Die noble Waterfront im Hafen dagegen birgt Einkaufstempel, Restaurants und das Casino, geschaffen für hohe Ansprüche westlicher Touristen. Am Ende des Boulevards der Fußgängerzone versteckt sich ein Museum – gewidmet einem einzigen Ding, einem kleinen, blauen, gezackten Stückchen Papier.