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Lifestyle | 11.06.2018

Zwischen Dschungel & Wolkenkratzern

Spätestens seit den berüchtigten „Panama Papers“ ist der mittelamerikanische Staat ins öffentliche Bewusstsein gerückt und man fragt sich unweigerlich, was die schmale Landbrücke zwischen Costa Rica und Kolumbien außer dem berühmten Panamakanal noch zu bieten hat.

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Foto: Werner Thiele

Die bereits 1519 gegründete Stadt war ein blühender Warenumschlagplatz auf dem „Camino Real“ – dem Königsweg –, auf dem Schätze aller Art, vor allem Silber und andere Rohmaterialien, nach Spanien gebracht wurden. Die Stadt wurde mit ihren Reichtümern daher mehrmals in seiner wechselvollen Geschichte ein Opfer von Piraten und Plünderern. Der walisische Freibeuter Henry Morgan (wohl so eine Art grausamer Version von Captain Jack Sparrow) brannte die Stadt im Jahre 1671 gänzlich nieder, woraufhin die überlebende Bevölkerung die Stadt weiter westlich in strategisch günstigerer Lage wiederaufbaute.

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Foto: Werner Thiele

Heute ist dieses historische Stadtviertel von Panama City als „Casco Viejo“ bekannt und die gepflasterten Straßen, malerischen Kolonialbauten, eleganten Villen und modernen Straßencafés laden zum Bummeln und Verweilen ein – wäre da nicht die brütende tropische Hitze und das feucht-heiße Klima. Den Stadtbummel in die Abendstunden zu verlegen, hat daher durchaus seinen Reiz – allerdings ist trotz Polizeipräsenz Kriminalität ein Thema und man meidet als Tourist besser einige Straßen der Gegend nach Einbruch der Dunkelheit. Schöner zu besichtigen und zu fotografieren sind die „Plaza de la Independencia“ und die barocke „Catedral Metropolitana“ ohnehin bei Tageslicht. In den kleinen Geschäften lässt sich auch der berühmte „Panama-Hut“ erstehen, doch seien Sie nicht enttäuscht: Der Name ist irreführend, denn die bekannte Kopfbedeckung stammt ursprünglich aus Ecuador.

 

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Foto: Werner Thiele

Eine leichte Meeresbrise (und bei stürmischem Wetter eine nicht mehr so leichte) weht dem tapferen Spaziergänger an der „Plaza de Francia“ um die Nase. Der Platz an der Spitze einer kleinen Halbinsel wird von einem Obelisken beherrscht und ist, wie der Name schon sagt, Frankreich gewidmet. Von hier bietet sich ein kontrastreicher Blick auf die Stahlbetonbauten der großen hier ansässigen Banken und der Wolkenkratzer-reichen Skyline von Panama City. Der Kontrast zwischen malerischen Kolonialbauten und modernen Hightech-Gebäuden könnte kaum größer sein.

 

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Foto: Werner Thiele

Gesehen haben muss man auch die grob gemauerten Ruinen von „Panama Viejo“, einer ursprünglich präkolumbianischen Begräbnisstätte, an der 1519 das alte Panama gegründet wurde. Gemauerte Reste lassen die Geschichte für ein paar Minuten in der Hitze des Tages auferstehen. Am besten erhalten ist die „Iglesia de las Monjas de la Concepción“ – der Glockenturm der Kirche des Dominikanerinnenordens steht noch. An der Ostseite des Areals kann man die Stufen zu einer Aussichtsplattform in der „Catedral de Nuestra Señora de la Asunción“ erklimmen. Der 27 Meter hohe Kirchturm steht noch, der Rest der Kathedrale ist jedoch längst verschwunden.

 

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Foto: Werner Thiele

Was in Panama keinesfalls fehlen darf, ist ein Besuch des Panamakanals. Panama City am nächsten gelegen sind die Miraflores-Schleusen, die vom Stadtzentrum aus in etwa 30 Minuten erreichbar sind. Hier können Besucher von drei Aussichtsplattformen aus das Spektakel verfolgen, wenn mächtige Containerschiffe mithilfe kleiner Lokomotiven an Stahlseilen in die engen Schleusen manövriert werden. Der 1914 feierlich eröffnete Panamakanal stellt eine Ingenieurs-Meisterleistung dar und geizt nicht mit Superlativen. Im Jahre 2016 wurden die Schleusen erweitert, sodass nun auch supergroße Containerschiffe passieren können. Wer sich den etwa 10-tägigen Weg um Kap Hoorn also ersparen möchte, kann dies für einen sechsstelligen Dollarbetrag und gegen Voranmeldung tun.

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Foto: Werner Thiele

Nicht wenige Schiffe liegen im Meer vor den Kanaleinfahrten in Warteposition. Der 80 Kilometer lange Kanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und macht sich dabei den im Innenland liegenden „Lago Gatún“ zunutze. Es herrscht strenge Einbahnregelung für jeweils zwölf Stunden, und für die Passage müssen selbst die erfahrensten Kapitäne ihre Schiffe den Lotsen anvertrauen. Das Meisterwerk der Technik mit seinen drei großen Schleusensystemen forderte jedoch schon große Opfer: Mehr als 28.000 Arbeiter kamen während der Bauarbeiten, größtenteils durch Malaria und Gelbfieber sowie bei Unfällen, ums Leben.

 

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Foto: Werner Thiele

Heute stammen offiziell 40 Prozent des Staatseinkommens aus dem außergewöhnlichen Wasserweg. Inoffiziell sind es weit mehr, denn es profitieren auch viele Dienstleister vom Kanal. Kuriosität am Rande? Die bisher höchste Gebühr für eine Passage bezahlte das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ mit über 375.000 US-Dollar. Am wenigsten bezahlte im Jahr 1928 Richard Halliburton – ihm wurden umgerechnet 36 Cent für die zehn Tage berechnet, die er benötigte, um den Kanal zu durchschwimmen. Da bleibt man dann doch lieber auf der Besucherplattform stehen, beäugt die riesigen Containerschiffe aus der Vogelperspektive und winkt den Lotsen und Schleusenarbeitern einmal elegant mit dem Panama-Hut zu.