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Lifestyle | 11.06.2017

1001 Nacht des 21. Jahrhunderts

„Groß, größer, größenwahnsinnig“ scheint das inoffizielle Motto der arabischen Metropole Dubai zu sein. Hier fährt die Polizei Lamborghini, Swimmingpools werden gekühlt statt beheizt und die Superreichen übernachten im weltweit einzigen Sieben-Sterne-Hotel, dem Burj al Arab.

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Fotos: Werner Thiele

Ungläubig bestaunt man als Tourist die eindrucksvollen Stahlbetongiganten, die quasi direkt aus dem Wüstensand in den Himmel ragen. Dubai präsentiert sich hochmodern und man erhält auf dem Weg vom Flughafen in Richtung Strand von Jumeirah einen ersten Eindruck über die beinahe ungebremste Bauwut des Landes, die nicht einmal die Wirtschaftskrise von 2009 nachhaltig stoppen konnte. Gerne verdreht man sich den Nacken, um einen ersten Blick auf Burj Khalifa zu erhalten, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt, das die vielen anderen Hochhäuser ringsum geradezu zu Zwergen degradiert. Ein zweites Mal reckt man den Hals, um im Vorbeifahren einen Blick auf Burj al Arab zu erhaschen, das Luxushotel in Form eines Segels, das auf einer kleinen, eigens aufgeschütteten Insel an der Küste im Stadteil Jumeirah errichtet wurde. Wir übernachten nicht viel weniger elegant (aber deutlich preiswerter) auf einem dritten Wahrzeichen von Dubai, „The Palm“. Die palmenförmige, künstliche Inselanlage beeindruckt durch ihre Architektur, wurde aber auch vielfach kritisiert, nicht zuletzt wegen Schwierigkeiten angesichts mangelnder Wasserzirkulation im Bereich der „Palmenblätter“ der Inselkonstruktion und entsprechender Verschlechterung der Wasserqualität. Am äußersten Ende der riesigen Inselanlage, auf dem sichelförmigen „Halbmond“, ragen die zahllosen Stockwerke des Gebäudekomplexes „Atlantis The Palm“ mit dem charakteristischen Riesenfenster in der Mitte in den Himmel. Zum Hotel gehört auch ein Wasserpark mit zahlreichen Attraktionen, darunter ein Megaturm mit einer Wasserrutsche, die leider völlig zu Recht den Namen „Leap of Faith“ (zu deutsch so viel wie „Vertrauensvorschuss“) trägt. Man rast (um nicht zu sagen „fällt“) in einer fast senkrechten Rutschbahn aus neun Stockwerken Höhe ungebremst in die Tiefe und schießt am Ende der Rutsche durch einen Glastunnel in ein von Haien und Rochen bevölkertes Wasserbecken. Der Angstschrei bleibt einem da beinahe im Halse stecken und mit zittrigen Gliedern, aber heldenhaft geschwellter Brust krabbelt man geschüttelt, aber nicht gerührt aus dem Auffangbecken.

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Land der Superlative. Als Tourist steht man vor einer schwierigen Frage, wenn man nach Dubai möchte, denn hier gibt es nur zwei Alternativen: hohe Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius zu akzeptieren und wenig  für Hotel- und Flug zu zahlen oder hohe Preise für Unterkunft und Anreise in Kauf zu nehmen und zu kreislaufschonenden 25 Grad Lufttemperatur im hiesigen Winter nach Dubai reisen. Dreimal dürfen Sie raten, wofür ich mich entschieden habe ... Nur so viel: Hier werden Swimmingpools nicht beheizt, sondern gekühlt. Und auf den glühend heißen Steinen auf dem Weg von einer Wassersport-Attraktion zur anderen muss man ohne Neopren-Patschen seine Leidensfähigkeit als Hobby-Fakir unter Beweis stellen.  Und nur so erklärt sich, dass selbst der kulturinteressierteste und shopping-abgeneigteste Tourist früher oder später in der Mutter aller Kaufhäuser, in der Dubai Mall, landet, um das Geld zu verprassen, das man sich zugunsten von „Nebensaison“-Reiseangeboten gespart hat. Hier kann man bei frischen 18 Grad Celsius wieder tief Luft holen nach einem erstaunlich strapaziösen Morgenspaziergang rund um die „Dubai Fountain“ Springbrunnenanlage am Fuße des Burj Khalifa. Jetzt stolpert man mit glühenden Füßen durch das mehr als eine Million Quadratmeter große Einkaufszentrum. Bei entsprechend großer Brieftasche kann man hier beinahe grenzenlos in über 1.200 Geschäften seiner Shopping-Lust frönen. Und plötzlich steht man hier mitten in Dubai vor dem hauseigenen Eislaufplatz. Irgendwo zwischen dem Reebok- und Adidas-Store haben die Betreiber tatsächlich eine Eisfläche installiert, auf der die Söhne und Töchter der Wüste ihre Eislaufkünste verfeinern können.

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Orientalisches Märchen. Nach so viel modernem Kaufrausch führt der Weg in die „Altstadt“ von Dubai mit seinen Gold- und Gewürz-Souks, den traditionellen Märkten. Hier erahnt man noch einen Hauch von altem, orientalischem Flair mit seinen vielfältigen, fremdartigen Gerüchen, den wuselnden Menschenmassen und den feilschenden Kaufleuten. Der Stadtteil heißt „Deira“ und liegt jenseits des „Dubai Creeks“, jenes falschen Flussdeltas, das jahrhundertelang den Bewohnern seiner Ufer als natürlicher, geschützter Hafen diente. Auch heute noch kann man hier an den Kaianlagen alte Dhaus aus Holz bewundern. Was auf unserer Liste der Sehenswürdigkeiten natürlich nicht fehlen darf, ist ein Besuch des Burj Khalifa, dem mit 828 Metern höchsten Gebäude der Welt. Bis zur nicht öffentlich zugänglichen Gebäudespitze wären es 11.300 Stufen nach oben oder umgerechnet etwa gut eineinhalb bis zwei Stunden Aufstiegszeit. Da ist man dann doch froh um die Hightech-Lifte, die die Besucher schweißsparend nach oben transportieren. Doch Vorsicht: Anstellen inklusive, die Zeiten sind geblockt und die Sonnenuntergangstickets sind besonders beliebt! Idealerweise hat man sein Ticket bereits vor Anreise online gebucht. Gigantisch. Dubai wäre nicht Dubai, wenn nicht schon wieder zahllose grandiose und teilweise größenwahnsinnige Bauvorhaben in Planung wären. Dazu gehören die in Bau befindlichen „Royal Atlantis Residences“ auf der Inselgruppe „The Palm“ – ein gigantomanischer Gebäudekomplex mit Privatwohnungen, neben dem sich das „Atlantis“-Hotel daneben wie ein Zwerg ausmacht, wenn man den Modellen der Architekten Glauben schenkt. Kopfschüttelnd fragt man sich, wer die zweifelsohne horrenden Preise für die Luxuswohnungen zu bezahlen gedenkt, Schreckensschreie von der „Leap of Faith“-Wasserrutsche im Preis inbegriffen, die der Wind wohl vom Wasserpark zu den betuchten Wohnungskäufern hinübertragen wird. Und das könnte dem gigantomanischen Bauwerk beinahe einen sympathischen Touch verleihen.

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