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Lifestyle | 22.07.2018

10 Sekunden schwerelos

Endlich! Nach langer Zeit haben wir uns wieder an eine neue TIROLERIN-Challenge herangewagt: Gemeinsam mit Bungy Pitztal ging es für unsere Redakteurin Sarah auf die Benni-Raich-Brücke. Und von dort aus nur mehr nach unten.

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Alles easy. Vor dem Sprung war Sarah noch guter Dinge. (Foto: Denis Agić)

Ich zähle jetzt von drei abwärts und rufe Bungee. Dann springst du! Körper angespannt, Hände nach vorne – als würdest du, Kopf voraus, ins Wasser eintauchen.“ Ich schaue Paul mit großen Augen an. Der Bungee-Guide hat scheinbar klare Vorstellungen davon, wie mein Sprung abzulaufen hat. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, wie um Himmels Willen ich mich zu dieser Aktion hinreißen lassen konnte. Das ist doch lebensmüde! Mein Blick schwenkt von Paul zu meinen Knöcheln, an denen ein Seil befestigt ist, zum Abgrund, der sich unter meinen Füßen aufmacht. Eine traumhafte Kulisse umgibt mich. Grün, soweit das Auge reicht, ein sanft dahinplätschernder Bach, umringt von einer knapp 100 Meter hohen Schlucht, das Panorama des Pitztals im Hintergrund. Beinahe kitschig.

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Foto: Denis Agić

Kein Zurück. Ich versuche, den Anblick, der sich mir bietet, zu genießen. Mich zu konzentrieren. Durchzuatmen. Es gelingt mir nicht. Beinahe bin ich selbst ein wenig verblüfft, wie nervös ich plötzlich bin. Immerhin stehe ich nicht vor meiner ersten TIROLERIN-Challenge. Man möchte meinen, dass Bungee-Jumpen nach dem Fallschirmsprung, zu dem ich vor knapp einem Jahr angetreten bin, keine große Sache mehr ist. Ist es doch, wie ich am eigenen Leib erfahren muss. Das hier ist etwas vollkommen anderes. Aktiver. Ohne Tandem-Partner hinter mir, der mich aus einem Flugzeug schubst. Diesmal muss ich aus eigenen Stücken springen. „Bereit?“, reißt mich Paul mit seiner Frage aus den Gedanken. „Nein“, möchte ich antworten. Stattdessen nicke ich. Kaum merklich, vielleicht fällt es ihm dann nicht auf. Vielleicht verschafft mir das noch ein paar Sekunden länger auf der sicheren Plattform der Benni-Raich-Brücke. „Na dann.“ Der Bungee-Guide strahlt eine tiefe innere Ruhe aus. Er weiß, was er tut. Das hilft. Mein Herz pocht trotzdem laut genug, um alle anderen Geräusche der Umgebung wie aus weiter Ferne klingen zu lassen. „Drei!“ Ich kann das nicht, mir ist schlecht, ich will das nicht. „Zwei!“ Das geht zu schnell. Was tue ich denn hier? Ich bleib’ einfach stehen. „Eins!“ Oder ich reiß’ mich zusammen? Ja, reiß dich zusammen! Du willst das. „Bungee!“ – Die Welt steht still. Für ein paar Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Ich gehe in die Knie, Hände nach oben ausgestreckt, Zehenspitzen am Abgrund. Mein Körper agiert im Autopilot, während sich mein Kopf immer noch gegen den Sprung wehrt. Mit Wucht stoßen sich meine Beine nach vorne ab. Ich halte die Luft an, vergesse zu atmen und – falle. Erst mit Schwung nach vorne, dann geradewegs bergab. Nach ein paar Metern merke ich, dass mir noch immer der Atem stockt. Ich öffne den Mund, um Luft zu holen, und beginne gleichzeitig zu schreien. Ohne es zu wollen, aus voller Kehle. Statt tausender Gedanken jagt mir nun kein einziger mehr durch den Kopf. Es ist, als hätte mein Verstand aufgehört zu funktionieren – als Rache dafür, dass ich nicht auf ihn gehört habe, als er mir verboten hat, abzuspringen.

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DREI, ZWEI, EINS ...Bungee! Bungee-Guide Paul gab letzte Anweisungen. (Foto: Denis Agić)

Meine anderen Sinne scheinen dafür plötzlich umso schärfer – wie in Zeitlupe spielt sich ein Szenario vor mir ab, in dem ich die Hauptrolle spiele. Dann: Erleichterung: Ein sanfter Druck fesselt meine Knöchel. Das Seil gibt Widerstand. Ehe ich mich versehe, befinde ich mich nur mehr ein paar Meter über dem erbarmungslos wirkenden Boden der Schlucht – nur um just im selben Moment von der Elastizität des Bungee-Seils zurück in die Höhe gezogen zu werden. Das Spiel wiederholt sich: Auf und ab, ich falle und fliege wieder zurück nach oben. „Du bist ein menschliches Jojo“, denke ich und fange gleichzeitig an, laut zu lachen. Ein Gefühl des Glücks, das ich in dieser Form bis dato selten erleben durfte, breitet sich in mir aus. Ich spüre, wie meine Mundwinkel nach oben ziehen und sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitet, das einzig und allein von gelegentlichem Gekicher unterbrochen wird. Wow. Wow, wow, wow! Unglaublich. „Gut hast du das gemacht!“, ruft mir schließlich eine Stimme unter mir zu. Ich blicke hinab und sehe Christine, Chefin von Bungy Pitzal und Wirtin des  dazugehörigen Bungy-Stüberls. Sie streckt mir eine Stange entgegen, an der ich mich festhalte, und zieht mich allmählich zum Boden, wo ich auf einer dicken Matte zum Liegen komme. Land unter meinen Füßen! Erleichterung macht sich breit. Ich springe auf, komme zum Stand und fühle mich lebendiger denn je!

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DREI, ZWEI, EINS ...Bungee! Bungee-Guide Paul gab letzte Anweisungen. (Foto: Denis Agić)

Rundum-Paket für Abenteurer

Nach meinem Erlebnis brachte mich Chefin Christine wieder zurück zum Bungy-Stüberl, das in traumhafter Lage am Fuß der Benni-Raich-Brücke liegt. Hier können sich nicht nur Springer stärken – auch Wanderer und Schaulustige finden im gemütlichen Lokal den perfekten Spot zum Ausspannen und Abschalten. Christine, die als Wirtin auch gleichzeitig selbst hinter dem Herd des Bungy-Stüberls steht, ließ es sich nicht nehmen, unser Team nach der Challenge ausgiebig zu verköstigen. Bei unvergleichbarem Panorama hatten wir so die Gelegenheit, den Sprung noch einmal Revue passieren zu lassen und die großartige Küche der Pitztalerin zu genießen. Angesichts der Kochkünste von Christine waren wir über den regen Betrieb des Stüberls nicht verwundert. Zahlreiche Besucher kehrten während unseres Aufenthalts dort ein, um die gastfreundliche Art der Wirtin und ihres Teams zu genießen. Auch kleine Gäste kamen dabei auf ihre Kosten: Der zum Stüberl gehörige Spielplatz bietet Spaß und Abwechslung für Bungee-Helden von morgen.

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STARKES TEAM. Chefin Christine empfängt gemeinsam mit Bungee-Guide und Kellner Paul Adrenalinjunkies, Abenteuerlustige und Genießer zwischen Mai und Oktober bei Bungy Pitztal und im dazugehörigen Bungy-Stüberl. Täglicher Sprungbetrieb nach Voranmeldung unter 0650 / 63 65 133