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Fashion | 12.09.2022

„Jeden Tag denke ich an Veränderung“

Über eine Visionärin, die den Minimalismus der ersten Stunde prägte und Altbewährtes mit bahnbrechend modernen Ideen verschmolz.

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Foto: Shutterstock

Steckbrief

LABEL:
Prada S.p.A.

CHEFDESIGNER:INNEN:
Miuccia Prada und Raf Simons

FIRMENSITZ:
Mailand

GRÜNDER:
Gebrüder Mario und Martino Prada

GRÜNDUNGSJAHR:
1913 in Mailand, Italien

Royale Angelegenheit

Alles begann im Jahr 1913, als Mario Prada mit seinem Bruder Martino ein Geschäft für luxuriöse Lederwaren in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II eröffnete. Die „Fratelli Prada“ legten bei ihren Produkten von Beginn an großen Wert auf hochwertige Handwerkskunst sowie eine erlesene Materialauswahl. Das imponierte sogar der italienischen Königsfamilie, welche die Gebrüder nur wenige Jahre nach der Firmengründung zum offiziellen Hoflieferanten ernannte. Von da an durften sie das Wappen des Hauses Savoyen sowie das Seilknotenmuster in ihrem Firmenlogo verwenden – beide Merkmale sind noch heute auf den Produkten zu finden.

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Foto: Shutterstock

Quereinsteigerin

Nach Mario Pradas Tod 1958 übernahm seine Tochter Luisa die Geschäftsleitung, 1978 folgte ihr mit Miuccia Prada die Enkelin des Firmengründers nach. Die promovierte Politologin und studierte Pantomimin strebte ursprünglich eine Schauspielkarriere an – legte diese jedoch ad acta, um das Familienerbe weiterzuführen. Mit ihrer kreativen Leidenschaft und unfehlbarem Stilbewusstsein trieb sie die Neuerfindung des Unternehmens Fratelli Prada wesentlich voran und machte es innerhalb kurzer Zeit zu einem der führenden und einflussreichsten Haute-Couture-Häuser.

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Foto: Shutterstock

Funktionalität trifft Design

1979 präsentierte Miuccia Prada ihre erste Kollektion an Taschen und Rucksäcken aus Pocone – einem wasserfesten Nylon, das sich in der Verarbeitung zwar als handwerkliche Herausforderung erwies, dank seiner Funktionalität und Schönheit aber maßgeblich zum ersten kommerziellen Triumph des Labels beitrug. So gelang es der Italienerin, den groben Industriestoff erstmals in den Luxusstand zu erheben – die charakteristische schwarze Henkeltasche mit dem unverkennbaren dreieckigen Metalllogo war schon bald so beliebt, dass weltweit Imitate auftauchten. Mitte der Achtziger nahm Prada Schuhe ins Warensortiment auf – und schaffte es auch hier, schönes Design mit funktionalen Aspekten zu vereinen: In ihren Entwürfen experimentierte sie etwa mit profilierten Gummisohlen, Netzstoff, perforiertem Leder sowie anderen synthetischen Materialien, die nie zuvor im Luxussegment verwendet wurden.

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Foto: Shutterstock

Sehnsucht nach Einfachheit

Ende der Achtzigerjahre folgten Miuccia Pradas erste Prêt-à-porter-Kollektionen. Die minimalistischen, klaren Schnitte widersprachen deutlich den ausladenden Formen und dem offensiven Modeverständnis der Zeit, was ihrer Attraktivität jedoch nur zuträglich war: Nach einem Jahrzehnt der Exzesse mit Schulterpolstern, Neonfarben und grellen Logos stellte sich eine Sehnsucht nach Einfachheit und Purismus ein. Von ihrer künstlerischen Neigung beeinflusst, zeigten Pradas Entwürfe aber oftmals auch Illustrationen oder Pop-Art-Einflüsse. Dazu gesellten sich dicke Brillengläser und nahezu altbackene Stoffe und Schnitte im Retro-Stil – der ikonische Bad-Taste-Look wurde unter dem Begriff „Prada Ugly“ bekannt. 1993 wurde die Nebenlinie Miu Miu (Kurzform von „Miuccia“) mit Konfektionskleidung, Schuhen sowie Accessoires für Männer lanciert, 1997 folgte Prada Sport (mit dem unverkennbaren roten Streifen) und 2000 die erste offizielle Prada-Brillenkollektion.

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