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Fashion | 16.08.2019

Provokant, pink, powervoll

Ganz im Zeichen des globalen Aktivismus ist die Spring/Summer-Kollektion 2020 von rebekka ruétz eine feminine Revolte. Wir haben die Power-Frau zum Gespräch getroffen.

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Foto: Jenny Haimerl

Extravagante Kreationen, geprägt von Materialmix, bestärkenden Motiven und bekräftigenden Slogans, haben sich zum Markenzeichen der Designerin Rebekka Ruetz entwickelt. Mit vollem Erfolg hat sie auf der Berliner Fashion Week im Juli ihre Spring/Summer-Kollektion 2020 präsentiert und die Outfits beim großen FotoShooting im Kaufhaus Tyrol ablichten lassen. Im Interview mit der TIROLERIN sprach die Modeschöpferin über Fashion, Feminismus und Frauenpower.

TIROLERIN: Lange Zeit nannten Sie die Metropolen der Welt Ihr Zuhause. Heute sind Sie zurück in Ihrer Heimat. Was waren die Gründe für Ihr Comeback?

Rebekka Ruetz: Die Entscheidung zu meiner Selbstständigkeit kam eigentlich über Nacht. Ich war damals in London und habe für den Tiroler Designer Peter Pilotto gearbeitet. Meine erste Überlegung, wo ich die Zelte für meinen Firmenhauptsitz aufschlagen kann, war auch London. Aber ich hatte eigentlich genug von Großstadt und den vielen Menschen und habe mich nach Lebensqualität gesehnt. Und wo findet man mehr Lebensqualität als in Tirol? So kam es, dass ich wieder zurück nach Hause gekommen bin.

 

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Pink, Pink, Pink.  Das neonpinke Kleid mit Glockenärmeln  und asymmetrischer Form wird mit  einem weiten weinroten Hosenrock  kombiniert. Dazu kommen die neon-  pinken Sneakers von Skechers  und  Schmuck in Goldoptik von Bijou Brigitte.  (Foto: Linda Leitner)

Gab es einen speziellen Grund, warum Sie Ihren Flagship-Store im Kaufhaus Tirol eröffnet haben?

Eigentlich startete das Projekt als Pop-up-Store. Ich wollte den direkten Kontakt zu meinen Endkunden intensivieren. Im Kaufhaus Tyrol waren Räumlichkeiten gegeben, und als ich mir diese angeschaut habe, hat es sich sofort nach meinem Shop angefühlt.

Ihre Spring/Summer-Kollektion 2020 steht unter dem Motto „Pussy Power“. Welche Botschaft möchten Sie vermitteln?

Meine Kollektion ist eine kleine feminine Revolte, weil ich finde, dass die Rolle der Frau noch ein wenig überdacht gehört. Gerade das Thema Bodyshaming merke ich im Store stark. Egal, wie toll die Frau ist, jede klagt über Problemzonen. Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir damit aufhören und lernen, uns zu akzeptieren und uns zu lieben, so wie wir sind. Darum liefen für mich auf der diesjährigen Berliner Fashion Week auch unter anderem Frauen ohne typische Model-Maße. Die Botschaft der Selbstliebe möchte ich mit den Statements auf den T-Shirts der Welt verklickern. 
Zudem habe ich die Farbe Pink aufgegriffen. Man muss wissen, Pink ist normalerweise nicht meine Farbe, aber hier habe ich sie sehr passend gefunden, weil sie sehr feminin, ja sogar mädchenhaft ist. Es wird Zeit, dass Pink erwachsen wird.

 

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Provokant. Der neongelbe Faltenrock wird mit einem senfgelben Body kombiniert. Passend zum Look: der neongelbe Gürtel, Sneakers von Skechers sowie der schwarze Schmuck von Bijou Brigitte. (Foto: Linda Leitner)

Wie läuft ein Kollektions-Zyklus ab?

Den Start läutet die Stoffmesse ein. Ich besuche immer die Munich Fabric Start. Dort sind alle meine Stoffhändler versammelt und es gibt eine Trendvorschau. Zu dem Zeitpunkt habe ich schon eine grobe Idee, was ich gerne machen würde. Zusätzlich zum Messebesuch informiere ich mich bei Trendforschern und -büchern. Ich orientiere mich zwar schon an den Trends, aber es wird dann immer meine eigene Interpretation. Eigentlich laufen viele Schritte parallel ab und weniger der Reihe nach. Der erste Schritt ist die Entwicklung der Musterschnitte, die über einen längeren Zeitraum läuft. Gleichzeitig wird das Design immer mehr festgelegt. Irgendwann kommt der Tag, an dem die einzelnen Designs fixiert und die Schnitte angepasst werden. Sobald die Stoffe angekommen und geordnet sind und ich weiß, welches Stück aus welchem Material entstehen soll, beginnt schon die erste Produktion. Und dann ist es meistens schon kurz vor der Fashion Week und Zeit, die Kollektion zu shooten.

Wie ist Ihre Kollektion bei der diesjährigen Berliner Fashion Week angekommen?

Ich werde gerade als kleine Feministin gefeiert, wobei ich mich gar nicht als solche sehe. Wie gesagt, ich wollte eine Botschaft in die Welt schicken, um zu sagen: „Ein bisschen mehr Selbstliebe ist angesagt und wir sind super, so wie wir sind!“ Dass ich damit gerade am Puls der Zeit bin, hat das positive Feedback sicherlich noch verstärkt.

 

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Selbstbewusst. Das hellblaue Kleid im Neckholder-Look mit langer Schleppe strahlt in Kombination mit einem neongelben Hüftgürtel, einem senfgelben Body, den neongelben Sneakers von Skechers und Schmuck von Bijou Brigitte. (Foto: Linda Leitner)

Sarah Eppacher alias Liebreizend und Theresa Ruetz, Miss Tirol 2018, liefen für Sie dieses Jahr in Berlin. Setzen Sie bewusst auf Tirolerinnen als Models?

Es war eigentlich Zufall. Mit Sarah habe ich schon mehrmals zusammengearbeitet und sie ist auch schon öfters für mich gelaufen. Sarah ist in meinen Augen eine coole Frau mit einer tollen Attitude und ich fand, dass sie der passende Typ für die Kollektion war. Theresa ist auf mich zugekommen und hat einfach mal angefragt, ob wir gemeinsam was machen könnten. Da ich noch nie mit jemandem aus dem Bereich Schönheitswettbewerb zusammengearbeitet hatte, wollte ich das mal ausprobieren, und es hat super geklappt. Ein ganz besonderes Model möchte ich hier gerne noch hervorheben: Cindy Klink. Cindy hört so gut wie nichts und gebärdet in Gebärdensprache Rockkonzerte. Sie ist ein cooles Mädel und erobert von Deutschland aus gerade die Welt. Das finde ich ziemlich beeindruckend und aus diesem Grund habe ich sie gefragt, ob sie für mich laufen möchte. Sie war sehr aufgeregt, ist dann aber wie alle anderen sehr cool in ihren Outfits über den Laufsteg geschritten.

Sie trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kiss My Ass“. Warum haben Sie sich für dieses Statement-Shirt entschieden?

Es war schwarz, ganz einfach. (lacht) An diesem Tag trage ich am liebsten Schwarz und so fiel die Wahl auf dieses Statement-Shirt. Die Message war auch gar nicht meinem Publikum gegenüber gedacht, sondern der Welt da draußen. Wenn die Welt einem sagen möchte, man passt nicht in eine gewisse Form, dann sagt man einfach zurück: „Kiss My Ass.“

Warum haben Sie sich für das Kaufhaus Tyrol als Location für Ihr Foto-Shooting entschieden?

Ich war im Shop und hatte gerade Schicht. Auf dem Weg durchs Haus habe ich zur Decke geschaut und mir gedacht: „Das wäre total cool, wenn die Models von der Decke hängen würden.“ Gesagt, getan. Ich habe mit dem Kaufhaus-Team gesprochen und es war sehr angetan von der Idee.

 

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Sportlich. Die neongrüne Kombi besteht aus einer asymmetrischen Sweat-Jacke,  einer leger geschnittenen Bermuda und einem Faltenrock, der vorne offen geschnitten ist. Dazu werden neongelbe Skechers kombiniert.  (Foto: Linda Leitner)

Könnten Sie uns einen Blick hinter die Kulissen des Shootings gewähren?

Gestartet hat der Shooting-Tag um acht Uhr in der Früh. Mein Shop war für diesen Tag Schminkstudio und Garderobe in einem. Make-up-Artistin Lisa Pendl hat dann auch gleich begonnen, die Models zu schminken. Das waren dieses Mal die Bloggerin Sarah Eppacher sowie meine beiden Power-Girls und Models Helena und Camilla. Als die Mädels gestylt waren, ging es für Fotografin Linda Leitner an die Arbeit. Begonnen haben wir mit meiner Decken-Idee. Dafür haben wir uns die Unterstützung eines Fassadenkletterers geholt. Ganz so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte, war es dann leider nicht, aber es hat schlussendlich dann geklappt und die Mädels konnten, mit Klettergurt ausgestattet, hochgezogen werden. Ich habe speziell Teile entworfen, die lang nach unten hängen, um das ganze cool in Szene zu setzen. Danach sind wir mit dem Team durch das Haus bis hinauf auf das Dach gewandert – ich weiß nicht, wie viele Kilometer wir an diesem Tag abgespult haben. Nach jedem Outfit mussten wir wieder runter in meinen Shop, umziehen, pudern und dann wieder hoch zum nächsten Set. Rund 30 Outfits später und um 18 Uhr abends waren wir dann fertig.

Gibt es eine Ruhephase oder starten Sie gleich mit der nächsten Kollektion?

Es geht in einem Schwung weiter. Bei uns steht jetzt die mediale Nachbearbeitung der Fashion Week an. Gleichzeitig läuft bereits die Produktion der Herbst/Winter-Kollektion, damit diese bis August fertig ist. Eine Woche Urlaub habe ich erst im September.