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Fashion | 31.08.2018

"Mäntel sind wie Häuser!"

Mit ihrem Label „Coat Couture“ ver- bindet Jungdesignerin Teresa Mair zwei Leidenschaften: Mode und Architektur.

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Foto: Teresa Mair

Charmant, überschaubar, abseits der klassischen Mainstream-Mode: Boutiquen und kleine Labels werden nicht ohne Grund immer beliebter und tummeln sich vermehrt auch in den Gassen Innsbrucks. Ein Store, der dieses Jahr ganz besonders auf sich aufmerksam gemacht hat, ist Teresa Mairs „Coat Couture“ in der Müllerstraße. Wir haben die Jungdesignerin zum Gespräch über Mode, Kreativität und Ideenreichtum getroffen und waren vom alternativen Konzept der Kleidermacherin überrascht.  

 

 

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Foto: Teresa Mair

TIROLERIN: Wie sind Sie zum Modemachen gekommen? War das immer schon ein Ziel von Ihnen?

Teresa Mair: Ich habe die Leidenschaft zum Designen erst relativ spät für mich entdeckt – während meines Architekturstudiums, um genau zu sein. Damals hatte ich wahnsinnig viele Ideen, die ich im Rahmen meiner Ausbildung nicht verwirklichen konnte. Schließlich fing ich damit an, Kleidungsstücke zu entwerfen und umzusetzen. Bildlich gesprochen, gab es zwischen dem Modemachen und mir so etwas wie eine Liebe auf den ersten Bleistiftstrich. Ich wusste sofort, dass Designen das Richtige für mich ist. Mein Architekturstudium an der Aalto University wollte ich aber trotzdem abschließen. Parallel dazu habe ich ein Mode- und Textilkolleg in Wien absolviert. Heute fließen beide Bereiche in meine Arbeit ein – meine Designs und mein konzeptuelles Denken sind sehr von der Architektur geprägt.

Gab es Momente während Ihrer Ausbildung, die Sie besonders beeinflusst  haben?

Ja, in Wien habe ich bei Ferrari Zöchling gearbeitet und konnte ein Teil ihres Labels sein. Ich habe die Höhen und Tiefen einer jungen erfolgreichen Modedesignerin miterlebt. Das hat mir unglaublich bei meiner eigenen Unternehmensgründung geholfen!

Stichwort Unternehmensgründung: Wie kamen Sie zum  Entschluss, Ihren eigenen Store zu eröffnen?

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Mode nicht nur einfach ausgestellt und vertrieben wird. Mein Atelier ist eine Kombination aus Werkstatt, Showroom und Cafèraum, in dem Besucher die Kleidungsstücke, ihre Geschichte und deren Entstehung sehen und spüren können. Aktuell präsentiere ich meine fünfte Kollektion „When we stopped talking“ – ich habe diese anlässlich meiner Ateliers-Eröffnung im April dieses Jahres designt.

 

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Foto: Teresa Mair

Folgen Sie mit ihren Kollektionen und im Speziellen mit „When we stopped talking“ einer für Sie typischen Handschrift?

Ich sehe die Mode, die ich entwerfe, generell als Wegbegleiter mit minimalistisch-mystischen Ansätzen. Allerdings entsteht jede Kollektion aus einem neuen Thema, mit dem ich sehr oft Gesellschaftsformen hinterfrage. In der Folge versuche ich, den Betrachter dazu anzuregen, über diese sozialen Gefüge nachzudenken. So ist jede Kollektion sehr unterschiedlich und folgt rein dem zu transportierenden Gedanken. Verrückte Kleidung zu gestalten, ist nicht schwer, aber abstrakte Ideen auf ein tragbares Kleidungsstück zu reduzieren, in dem man sich wohlfühlt, das sehe ich als eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle.

Ist es diese Grundphilosophie, die Ihr Label letzten Endes ausmacht?

Genau. Das Besondere ist, dass ich am Anfang einer Kollektion nicht unbedingt ein Kleidungsstück als fertiges Element sehe. Es ist eher der Gedanke, die Geschichte oder das Statement, das mich zu einem „Resultat“ bringt. Zudem sind alle meine Designs aus einer Hand – von der Idee über die Produktion bis zum Verkauf entwerfe und produziere ich als Designerin alles persönlich.

 

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Foto: Teresa Mair

Spielen Trends in Ihren Designs dann überhaupt eine Rolle?

Nein, ich folge bei meinen Kollektionen keinen Trendvorgaben. Generell bin ich davon überzeugt, dass Trends sehr kurzlebig und kommerziell sind. Das widerspricht meiner Grundeinstellung zu langlebiger und qualitativ hochwertiger Kleidung. Aber ich glaube, dass man als Designer automatisch Trends aus verschiedenen Saisonen wahrnimmt, die sich dann in die Kollektion reinschleichen.

Gibt es Teile, die Sie besonders gerne designen?

Ja, wie schon bei meinem Labelnamen zu erkennen ist, schenke ich Mänteln ganz besonders viel Zuneigung. Diese Tendenz ist ebenfalls aus der Architektur heraus entstanden. Wie ein Haus bietet auch ein Mantel Schutz und Sicherheit, er ist für mich wie ein kleines, komplexes Gebäude mit vielen Details.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Möchten Sie in Innsbruck bleiben?

Da ich erst gerade wieder aus Helsinki und Wien zurückgekommen bin, plane ich erst mal hier zu bleiben. Alles Weitere nehme ich, wie es kommt – ich lasse mich gerne überraschen, was das Leben noch alles für mich bereithält.