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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 21.02.2017

Wie hat Sie das nur erraten?

Wer kennt das nicht? Man hat eine kleine Notlüge gebraucht und schon ist sie publik.

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Foto: Shutterstock

Es ist wie verhext, als ob es einem in die Stirn eingemeißelt wäre, dass man geflunkert hat. Dann gibt es aber auch meistens den „Guten Freund“, der Gott und die Welt anlügt und dem jeder glaubt. Na, ja ich habe ihm zu mindestens geglaubt. Wie kann das sein, dass er mit Allem durchkommt und ich bei der kleinsten Flunkerei auffalle?

 

Ganz so ist es ja nicht.

Auch der, in meinen Augen, geübte Lügner fällt bei seinen Bekannten auf. Jeder denkt sich seinen Teil und schweigt dann oft, weil es einfach zu anstrengend ist ihn jeder Lüge zu entlarven. Die Lüge fällt Menschen auf, die einen besonders gut kennen, da genügt eine Geste, ein besonderer Gesichtsausdruck, ein etwas anderes Verhalten.

 

Eine kleine Geschichte aus der Praxis:

Ein Klient erklärte mir, dass er gegenüber seiner Frau ab und zu etwas flunkerte um sich besser aussehen zu lassen. Sein Schwager war Pilot, sein Schwiegervater Unternehmer und sein Bruder war bei der Bundeswehr im Auslandseinsatz. Er war Buchhalter in einer kleinen Firma hier in Tirol. Er erzählte seiner Frau ab und zu, dass er wieder einen Geldtransfer eines Kunden aufgedeckt habe, den der nicht machen hätte dürfen usw. Was ich aber wunderte, war, dass seine Frau fast immer erkannte, dass er da wohl etwas zu viel Phantasie walten ließ. Sie sagte es ihm nicht gleich, sondern erst nach ein paar Tagen, wenn sich seine Phantasie wieder beruhigt hatte.

Ihm war das dann immer furchtbar peinlich und er begann zu erkennen, dass er gegenüber seiner Frau solche „Spielchen“ gar nicht brauche. Sie liebte ihn, so wie er war. Sie wollte nie einen Unternehmer oder Piloten. Der Erste arbeitet zu viel und der Zweite wäre nie zu Hause. Sie kannte das ja aus ihrer Familie. Er war aber doch neugierig, wie sie jedes Mal erkannte, dass er log. Laut ihrer Aussage war das ganz einfach. Immer wenn er ihr so ein Märchen erzählte machte er zwischen den Sätzen eine kleine Kunstpause. Vermutlich wollte er sich vergewissern, dass der Satz auch geglaubt wurde.

So geht es vielen von uns. Wir wissen, wenn das Gegenüber etwas zu viel phantasiert und auch wir selbst fügen ab und zu etwas zu den Geschichten dazu, die wir so zum Besten geben. Kleine Flunkereien tun auch nicht weh. Schwierig wird es, wenn der, der lügt das auch selbst glaubt. Dann braucht der Mensch Hilfe.

Dieses ganze Vorgehen ist nichts für Menschen mit schlechtem Gedächtnis. Man muss sich merken, was man das so von sich gegeben hat und das kann ganz schön anstrengend werden. Ich gebe meinen Klienten immer den Gedanken mit: Viele Menschen sind deshalb ehrlich, weil es ihnen einfach zu anstrengend ist sich ihre eigenen Lügen zu merken.

 

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben. Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.