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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 30.08.2018

Die Roboter-Invasion im Garten

Wie mich Henry, James & Alexa mit ihrem unbändigen Freiheitsdrang in die Flucht schlugen.

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"Moment mal, wer wildert hier kühn in meinem Revier?"

Wie war Euer Sommer? Also, meiner begann sehr vielversprechend. Der muskelstarke Mann an meiner Seite verkündete nämlich glaubhaft: Heuer bringe ich den Garten auf Vordermann! Während ich also die Gartengeräte putze (soll ja keiner sagen, man achte das Werkzeug nicht), wurden wir zur täglichen Lieblingsadresse diverser Paketdienste. Blumentöpfe in vielerlei Größen mit digitalem Sensor. Aufschrift: Überprüfen Sie per Handy das Wohlergehen Ihrer Pflanzen! Schluss also mit meiner allabendlichen, meditativen Gieß-Zeremonie.

Zuerst kamen Henry & James

Das nächste Paket war dann ziemlich schwer. Ein Rasenroboter. Wir tauften ihn Henry. Nachdem Henry meine zarten Blumenpolster unter den Bäumen dem Erdboden gleichgemacht hatte, begann die Auslegung von Hunderten Metern verstärkten Schleifendrahtes. Klar, auch Roboter brauchen Grenzen! Noch gewichtiger war dann die Lieferung von James. Unser Poolroboter. Ein Bio-Poolroboter wohlgemerkt, der alle Hindernisse überwindet und auch feinste Ablagerungen im Naturpool mühelos entfernt – wenn man ihn nur nicht durch eventuelles Schwimmen stört. Während sich nun Henry und James Garten und Pool teilten, sich unsere Hunde frustriert ins Haus verzogen, weil keiner der beiden arbeitswütigen Mitbewohner ihren Spielaufforderungen folgen wollte, richtete ich mir am steilen Hang zum Bach hin ein Plätzchen ein. Etwas ungemütlich, aber immerhin entdigitalisiert. Und ziemlich einsam, denn der Mann, der den Garten auf Vordermann (mit Betonung auf MANN!) bringen wollte, war ausschließlich mit dem Feintuning verschiedener Programmierungsmodelle zur Optimierung seines Automower beschäftigt. 

… und dann kam Alexa

Ein klärendes Gespräch schien mir unausweichlich. Doch bevor ich noch meine Argumente überlegte, kam sie: Alexa! Ihr wisst schon, die mit der unvergleichlichen Stimme, die genau weiß, wie das Wetter wird, was du heute kochen sollst und welche Abendgestaltung für dich optimal ist. Zum Gespräch kam es nicht mehr. Ich schrieb einen Zettel. „Fahre irgendwohin – ohne Navi.“ Zuvor aber bestellte ich noch einen Container. Für den Vorgarten. In dem verstaute ich alle freistehenden Möbel, denn auch meine Bestellung wurde angeliefert: die Pflanzeninnovation der Zukunft! Blumentöpfe mit Sonnensensoren, die sich mit ihren spinnenförmigen Beinen selbstständig den sonnigsten Platz für ihr optimales Gedeihen suchen. Was die nur brauchen, ist Bewegungsfreiheit. Später, als ich den Apennin überquert hatte und oberhalb von Lucca die Serpentinen zu meinem Lieblingskloster Dell’Angelo hinauffahre, musste ich schmunzelnd an Alexa denken. Was die wohl heute am Speiseplan hat? Wenn sie wirklich intelligent ist, empfiehlt sie dem hinten gelassenen „Vordermann“ im rasant wachsenden Dschungel (Hilfe, wer holt Alexa da eigentlich raus?) Fingerfood – weil Tisch und Stühle ja noch im Container lagern. 

Ich bin zurück, alles ist gut. Henry, James und Alexa teilen sich nun einen stallartigen Anbau hinter dem Salettl. Ich schwimme, mähe, erfreue mich am Duft des geschnittenen Grases und gieße hingebungsvoll meine Blumen. Und Mann freut sich wieder über kreatives Essen samt spontaner Abendgestaltung.

Liebe Leserinnen und Leser, genießt unsere Septemberausgabe mit vielen spannenden Themen tatkräftiger Menschen. Viktória Kery-Erdélyi hat eine wunderbare Geschichte über ganz besondere Niederösterreicherinnen, die sich mit all ihrer Herzenskraft ihrem Ehrenamt verschrieben haben, recherchiert, und ich kann Euch versichern – sie wird königlich! 

Einen bunten, zauberhafte Herbst,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin