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Beauty | 23.02.2018

"Schönheit muss mehr sein“

Size Zero? Ziemlich veraltet! Wir haben uns mit dem deutschen Curvy-Model Fine Bauer zum Gespräch über Figur, Schönheit und die Liebe zu sich selbst getroffen.

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Fotos Alexandra Gor, Oliver Rudolph

Wer Fine Bauer sieht, erkennt sofort: Die 27-jährige Deutsche ist eine Strahlefrau. Das langjährige Model fühlt sich sichtlich wohl in ihrem Körper. Und das, obwohl – oder gerade weil – sie nicht Größe 34 trägt. Mit uns hat die hübsche Blondine, die schon für Top-Vertreiber wie Zalando vor der Kamera stand und von der deutschen Agentur Modelwerk unter Vertrag genommen wurde, über ihre Karriere, ihre Wünsche und ihre Perspektive auf Schönheit gesprochen.

TIROLERIN: Wie kamen Sie dazu, als Curvy-Model zu arbeiten?
Fine Bauer: Ich war immer schon größer und „kurviger“ als die anderen Mädchen in meiner Klasse. Nicht unbedingt übergewichtig, aber körperlich anders entwickelt. Das hat mir jahrelang stark zu schaffen gemacht. Ich wollte immer so dünn sein wie andere in meinem Alter und habe deswegen mit 17 durch ungesunde Diäten rapide an Gewicht verloren. Zu diesem Zeitpunkt hat mich ein professioneller Fotograf in einem Club entdeckt und mich in einer Münchener Model-agentur unter Vertrag genommen. Als dünnes Model. Trotz eines Gewichts von 57 Kilo bei einer Größe von 1,77 Metern war ich immer noch zu kurvig. Schließlich sah ich selbst ein, dass ich unter Essproblemen litt, und entschloss mich, wieder zuzunehmen. Eine Frankfurter Agentur, die über ein Plus-Size-Board verfügt, nahm mich in der Folge unter Vertrag.

Bei Frauen mit Kurven hat sich in der Modeszene ein neues Selbstbewusstsein entwickelt! Würden Sie diesem Statement zustimmen?
Ich arbeite seit acht Jahren hauptberuflich als Curvy-Model. In diesem Zeitraum haben sich Ausdrücke wie „Big-Size-“ oder „Plus-Size-Model“ zuattraktiveren Bezeichnungen wie Curvy-Model entwickelt. Außerdem haben viele Modelabels neben den Hauptkollektionen mit gängigen Konfektionen Kollektionen für große Größen auf den Markt gebracht. Durch diese Entwicklungen haben Frauen die Möglichkeit, sich individueller anzuziehen, Selbstbewusstsein aufzubauen und einen eigenen Stil zu schaffen. Social Media sind hier meiner Meinung nach auch ein sehr wichtiger Faktor: Dank einer stetig wachsenden Community trauen sich viele Frauen mehr und zeigen, was sie draufhaben!


Glauben Sie, dass der Curvy-Trend anhält?
Vorweg eine Gegenfrage: was bedeutet Curvy? In meinem Umfeld wird ständig darüber diskutiert.
Ist Curvy die Definition einer Frau wie Kim Kardashian mit flachem Bauch und wohlgeformteren Rundungen oder einfach alles ab Konfektionsgröße 44? Es ist sehr schwierig, ein gesundes Maß für den weiblichen Körper zu finden, dem die Mehrheit zustimmt, ohne die Worte „ungesund“ oder „übergewichtig“ zu verwenden. Für trifft „Curvy“ auf eine Frau mit gesunden Proportionen zu, die auf ihren Körper achtet, ihn pflegt, Sport treibt, sich aber auch etwas gönnt! Eine gute Balance also.
Die ganze Entwicklung möchte ich deswegen auch ungern als Trend bezeichnen. Trends verschwinden früher oder später wieder! Ich empfinde die Bewegung hin zum kurvenreichen Idealbild einer Frau als eine positive Entwicklung in der Akzeptanz verschiedener Figurtypen. Körper sind so unterschiedlich wie Schönheitsideale. Ob klein oder groß, dick oder dünn! Schönheit muss mehr sein als der One-
Size-Traum, dem viele folgen. Deswegen finde ich es wahnsinnig wichtig, dass gerade junge Frauen in der Selbstfindungsphase viele verschiedene Vorbilder zu sehen bekommen!

 

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Werden sie manchmal für Ihre Rolle als Curvy-Model angefeindet?
Vor vielen Jahren ist mir das ein paarmal passiert, ja. Ich musste mir damals regelmäßig dumme Kommentare von dünnen Kolleginnen anhören. Mittlerweile weiß ich, dass die Damen selbst Schwierigkeiten hatten, ihr Gewicht zu halten, und mich und meinen Teller Pasta vermutlich deswegen nicht so toll in der Model-WG fanden. Mein Selbstbewusstsein ist über die Jahre gewachsen und ich stehe heute zu meinem Körper. Ich denke, das strahle ich auch aus. Allein dieser Umstand genügt, um unangemessenen Aussagen den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Wie definieren Sie Schönheit?
Schönheit ist etwas Individuelles und muss nicht zwangsweise auf Äußerlichkeiten bezogen sein. Natürlich wirkt ein gepflegter, gesunder Körper ästhetisch und attraktiv. Für mich ist es jedoch Ausstrahlung, die einen Menschen schön macht. Ein offener Blick, ein breites Lächeln, vielleicht auch Unsicherheit: verschiedenste Aspekte können Schönheit schaffen. Je natürlicher und authentischer man sich gibt, umso schöner wirkt man, finde ich.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, um im Einklang mit ihrem Körper zu sein?
Tut euch selbst gut und behandelt euren Körper wie einen Tempel! Verzichtet nicht auf Dinge, die ihr mögt, sondern probiert, einen guten Ausgleich zu finden. Hand aufs Herz, wir sind Frauen und haben früher oder später alle dieselben Probleme damit, uns zu finden, zu akzeptieren und idealerweise zu lieben. Um ehrlich zu sein, denke ich, dass dieser Prozess ein Leben lang anhält. Es wird aber einfacher, je mehr man sich mit Freundinnen austauscht und an realen Vorbildern orientiert. Cellulite und Co sind normal! Ich habe auch Phasen, in denen ich mich weniger attraktiv finde. Einmal im Monat ist es immer ganz schlimm, dann mache ich mehr Sport, gönne mir eine XXL-Tafel Schokolade und einen Ingwer-Smoothie und warte darauf, dass ich mich pudelwohl fühle.


Haben Sie manchmal Selbstzweifel beziehungsweise gab es in der Vergangenheit Versuche abzunehmen?  
Selbstzweifel gehört zum Menschsein dazu. Ich durfte über Jahre hinweg positiven Zuspruch erfahren und bin dadurch stark geworden, was meinen Körper angeht. Trotzdem denke ich manchmal auch, dass mehr Sport und eine „eat healthy and clean“-Phase mir nicht schaden könnten.

Sie zählen zu den Menschen, die man heute mit dem Begriff „Influencer“ beschreiben würde. Welche Art von Einfluss streben Sie mit ihrer Rolle als Curvy-Model an?
Ich hoffe, dass ich einen Teil des positiven  Zuspruchs, den ich erfahren durfte, weitergeben kann und für Frauen aller Altersklassen eine Orientierungshilfe darstelle. Instagram und andere soziale Netzwerke können ganz schön am Ego kratzen. Umso wichtiger ist es, viele Facetten zu zeigen und Diversität zu fördern. Wir Frauen müssen uns gegenseitig unterstützen!


Wie sehen Sie die „Body Positivity Movement“?
Ich bin ein riesiger Fan von der „Body Positivity Movement“. Es gibt mittlerweile etliche tolle Projekte, die sich alle mit der Akzeptanz des eigenen Körpers beschäftigen und zeigen, wie facettenreich und schön wir sind, auch ohne Photoshop. Gern mehr davon in alle Richtungen!
Was muss sich für die Zukunft in Sachen Körperwahrnehmung noch ändern?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich die Veränderung von Körperwahrnehmung noch weiter zum Positiven entwickelt und die großen Modelabels und Fashionmagazine Frauen vielseitiger präsentieren. Hollywood darf da gern folgen!

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