Loading…
Du befindest dich hier: Home | Beauty

Beauty | 08.05.2018

Never Aging Story!

Pünktlich zum Beginn der warmen Jahreszeit haben wir Ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger zum Gespräch über das leidige Thema Altern getroffen und uns erklären lassen, was übermäßiger Sonnengenuss damit zu tun hat.

Bild shutterstock_674032441.jpg
(© Shutterstock)

Ein dunkler, mediterraner Teint ist für viele das A und O während der Sommerzeit. Um der Schönheit willen zur beliebten südländischen Bräune zu gelangen, gibt es nur eine Möglichkeit: sonnen, sonnen, sonnen! Dass ein sommerlicher Hautton in den meisten Fällen jedoch nur temporär zu unserem guten Aussehen beiträgt, weiß Ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger. Die  Fachärztin für Dermatologie und Venerologie hat mit uns über Altern und langfristige Auswirkungen von unbedachtem Sonnenbaden gesprochen und bestätigt: Bräunen ohne Sonnenschutz schadet sowohl unserer Schönheit als auch unserer Gesundheit.  

TIROLERIN: Heute haben immer mehr Frauen Angst vor dem Altern. Können Sie diese Entwicklung aus dermatologischer Sicht bestätigen?
Dr. Gudrun Ratzinger: Ich glaube, „Angst vor dem Altern“ hängt stark mit dem Umstand zusammen, dass die heutige Lebenserwartung generell höher ist als noch vor ein paar Jahren. Damit verbunden sind auch Alterserscheinungen. Natürlich hat eine 80-Jährige mehr Falten als eine Frau in ihren Mitsechzigern. Das liegt auf der Hand. Trotzdem ist das Äußere für viele Menschen, nicht nur Frauen, sehr wichtig für das Wohlbefinden. Unsere Gesellschaft sollte sich vom Wunsch nach Jahrzehnte andauernder Jugend loslösen – immerhin ist es das primäre Ziel, gesund alt zu werden. Der ästhetische Aspekt ist zweitrangig.

Wie entstehen Falten überhaupt?
Sonnenanbeter hören das nicht gerne, aber UV-Licht ist der wohl größte Alterungsfaktor. Es schädigt vor allem die kollagenen und elastischen Fasern in den tieferen Hautschichten, wodurch die Haut an Spannkraft verliert. Mit der Zeit entwickeln sich deswegen kleine Furchen und im späteren Verlauf Fältchen. Jedoch spielen auch andere Faktoren wie der eigene Lebensstil eine Rolle. Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum, langfristiger Schlafmangel – wer zu wenig auf seine Gesundheit achtet, altert in der Regel auch schneller.

Gibt es einen Zeitpunkt, an dem Altern beginnt?
Es ist schwierig, hier einen konkreten Zeitpunkt zu bestimmen. Tatsächlich summiert sich die UV-Strahlung, der wir uns über Jahre aussetzen, an der Haut – die Gesamtdosis ist im Endeffekt entscheidend. Allein aus diesem Grund ist Sonnenschutz bereits ab dem Kindesalter essenziell! Primär stehen beim regelmäßigen Eincremen zwar gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, aber auch ästhetisch gesehen profitieren wir als Erwachsene davon, wenn uns unsere Eltern von Geburt an vor der Sonne schützen.

Spielen Gene eine Rolle bei individuellen Alterungsprozessen?                                                                                                                                                                                                  Grundsätzlich spielen Gene eine große Rolle, ja. Ein Faktor, der jedoch gerade in Bezug auf Hautalterungsprozesse wichtig erscheint, ist der individuelle Hauttyp. Dieser bestimmt, wie empfindlich unser Körper auf UV-Strahlen reagiert. Grundsätzlich gilt: Je dunkler die Haut, desto weniger kann UV-Licht in tiefere Hautschichten eindringen. „Mediterrane Typen“ sind also von Natur aus besser gegen die Sonne gewappnet als Menschen mit hellem Haar und blasser Haut.

Einmal nicht eingecremt und schon einen Sonnenbrand – wie leidet unsere Haut unter UV-bedingten Verletzungen?
Jeder Sonnenbrand bleibt in unserem Hautgedächtnis. Das soll allerdings nicht heißen, dass wir uns penibel von der Sonne fernhalten
müssen. „Die Dosis macht das Gift“, hat schon Paracelsus gesagt. Durch Sonnenschutzmaßnahmen und Meidung der Mittagszeit kann man die Sonne auch genießen. Außerdem brauchen wir natürliches Licht zur Bildung von Vitamin D und für unsere psychische Gesundheit.

Bild shutterstock_566874796.jpg
(© Shutterstock)

 

Welche Körperpartien brauchen besonderen Schutz vor der Sonneneinstrahlung?
Insbesonders das Gesicht, der Hals und das Dekolleté, weil diese Regionen am meisten exponiert sind. Hier empfiehlt es sich, zusätzlich zur Verwendung von Sonnencreme auch einen Hut zu tragen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Sonnenbaden und Hautkrebs?
Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen weißem Hautkrebs und Sonnenbestrahlung über das gesamte Leben. Außerdem besteht eine Verbindung zwischen Sonnenbränden und Melanomentstehung.

Glauben Sie, dass es an öffentlichem Bewusstsein rund um die Gefahren des Sonnenbadens mangelt?
In den letzten Jahren hat es durch zielgerichtete Aufklärung eine deutliche Zunahme des Bewusstseins gegeben. Zum Beispiel initiierte die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie gemeinsam mit der Österreichischen Krebshilfe die Aktion „Sonne ohne Reue“, die heuer im Übrigen ihren 30. Geburtstag feiert. Maßnahmen wie diese klären über eigene Fehl-
einschätzungen zum Thema auf und fördern die öffentliche Wahrnehmung zu „Sonne und Gesundheit“ – sie erfüllen also einen wichtigen Zweck.

Wie stehen Sie zum Kosmetik-Boom rund um Allheilmittel gegen Altern?
Ich denke, dass viele Menschen nicht den idealen Ansprechpartner konsultieren, wenn sie dem individuellen Alterungsprozess entgegenzuwirken versuchen. Die kosmetische Dermatologie ist Teil des Faches Dermatologie und Venerologie. Der Weg zu kompetenter Beratung führt deswegen mit Sicherheit über den Hautarzt – dieser kann vor allem auch zwischen nützlichen und schädlichen Maßnahmen sehr gut unterscheiden.

Was sollte man bei Anti-Aging-Produkten beachten? Sind diese überhaupt sinnvoll?
Auch hier gibt es keine allgemeingültige Antwort. Individuelle Beratung und Therapie stehen im Vordergrund. Wichtig ist, die Meinung eines Experten einzuholen, um richtige Maßnahmen auszuwählen und Schäden zu vermeiden.

Kann man es mit der Pflege auch übertreiben?
Ja, auch das ist möglich. Zu viel Wasserkontakt kann zu übermäßiger Hauttrockenheit führen. Das kann in weiterer Folge Juckreiz und Ekzeme verursachen. Zu viel Cremes und Salben können besonders im Gesicht durch chronische Durchfeuchtung einen Barrieredefekt herbeiführen, der auch mit Entzündungen, Rötungen und der Ausbildung von Papeln und Pusteln einhergehen kann.

Wie bedenklich sind kosmetische Eingriffe zur optischen Verjüngung der Haut?
Es gibt spezifische Nebenwirkungen, die sich von Maßnahme zu Maßnahme unterscheiden. Auch hier ist die Aufklärung durch einen Arzt äußerst wichtig. Grundsätzlich sollte jeder kosmetische Eingriff sehr gut überlegt sein, immerhin kann dadurch unter Umständen sogar der Ausdruck des Gesichtes etwas verändert werden.

Was würden Sie Lesern für die bevorstehende Sommerzeit raten?
Ich würde sagen Genuss mit Maß und Ziel! So wie immer im Leben!

Bild ©GudrunRatzinger63q.jpg
Ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger ist Leiterin der Ambulanz für Psoriasis und Photodermatologie an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Innsbruck. (© Hofer)