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Beauty | 10.02.2020

Secrets of Beauty

Wir sind dem Geheimnis guten Aussehens auf den Grund gegangen und haben die gängigsten Beauty-Standards der Geschichte genauer unter die Lupe genommen.

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Anfang des 16. Jahrhunderts erschuf Leonardo DaVinci sein weltberühmtes Ölgemälde „Mona Lisa“, ein Bildnis der Florentinerin Lisa del Giocondo. Lange Zeit stellte die unscheinbare Dame ein Schönheitsideal dar und ging mit ihrem Lächeln in die Geschichte ein. (Foto: Shutterstock)

Knapp 2.400 Jahre ist es her, als erstmals die Vorstellung der perfekten westlichen Frau geprägt wurde. Damals waren es die alten Griechen und Römer, die äußerliche Perfektion definierten. Bis heute beweisen Schönheitsideale ihre stetige Wandlungsfähigkeit.

Beauty from the inside out. In der klassischen Antike war Schönheit bereits in aller Munde. In Platons Dialog „Symposium“ erkennt die junge Diotima den Kern äußerlicher Reize darin, „von Jugend an damit zu beginnen sich den schönen Körpern zuzuwenden“. Wer nun glaubt, Sokrates’ Schüler habe sich in seinen Schriften der Oberflächlichkeit verschrieben, irrt. Platon führt seine weibliche Protagonistin zur Einsicht, dass Schönheit nicht nur auf physischen Merkmalen basiert. Tatsächlich, so Diotimas Schluss, solle man „die Schönheit der Seele weit höher achten als die der körperlichen Formen“. Zwar gab es im antiken Rom und Griechenland bereits konkrete mathematische Formeln, die perfekte Proportionen und Gesichtszüge beschrieben, damals konnte jedoch selbst das schönste Gesicht nicht überzeugen, wenn einer Person Charaktereigenschaften wie Güte, Mut und Ehrlichkeit fehlten.

Ovids Geheimnisse der Schönheit. Obwohl Natürlichkeit im Altertum großgeschrieben wurde, schworen bereits die Damen der griechischen und römischen Antike auf Make-up. Während in Griechenland Puder, Rouge und Kajal primär unter Kurtisanen und Prostituierten zum Einsatz kamen, erfreuten sich Schönheitsartikel in Rom weit größerer Beliebtheit. Der Dichter Ovid verfasste im ersten Jahrhundert sogar eine Schrift mit gängigen Beauty-Tipps und Anleitungen für DIY-Make-up. Frauen der oberen Schichten folgten Ovids Anweisungen und stellten Kosmetika nach den Formeln des Dichters in den eigenen vier Wänden her. Die beliebtesten Produkte unter Ovids Beauty-Helfern: Haarfarbe, um graue Haare zu verdecken, eine altertümliche Form von Anti-Aging-Creme und künstliche Augenbrauen, die aus Tierpelzen hergestellt wurden.

 

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Mit der „Geburt der Venus“ bildete Sandro Botticelli eine Göttin nach der Beschreibung klassischer griechischer Meisterwerke ab. Das großformatige Gemälde entspricht nicht nur einer mythischen Vorstellung, sondern re- präsentiert auch das antike Schönheitsideal im Attischen Raum – mit perfekt proportionierten Gesichtszügen und langem blondem Haar. (Foto: Shutterstock)

Noble Blässe. In starkem Kontrast zu den Schönheitsidealen des Altertums stehen die gelebten physischen Reize des Mittelalters. Eine „noble Blässe“ musste man haben, wollte man in der Zeit der großen Könige zu den Schönsten des Landes gehören. Weiße unberührte Haut galt im Mittelalter sowohl als Schönheitsideal als auch als Statussymbol: Wer es sich leisten konnte, harte Arbeiten im Freien zu scheuen, erfüllte das Wunsch-bild des mittelalterlichen Zeitgeists. Zudem waren eine hohe Stirn, eine schmale Nase und ein kleiner Mund begehrte Merkmale des weiblichen Idealtypus im Mittelalter. Am Burschikosen orientierten sich Frauen allerdings in Hinblick auf ihre Figur: Das damalige Wunschbild entsprach einem schlaksigen Körperbau mit schlanken männlichen Zügen und kleinen Brüsten. Zeigte eine Frau zu viel Dekolletée, wurde sie einer niedrigen Herkunft zugeschrieben. In Spanien ging man sogar so weit, Mädchen ab dem sechsten Lebensjahr Bleiplatten auf den Oberkörper zu legen, um das Brustwachstum einzuschränken.

Alles für die Schönheit. Wie bereits im Früh- und Hochmittelalter folgte man auch in der Renaissance dem Ideal blasser Haut. Zwar stellten die geistigen Vorreiter der Epoche mittelalterliche Ansichten auf einen strengen Prüfstand, ein porzellanfarbener Teint galt allerdings nach wie vor als Schönheitsmerkmal. Die Damen der damaligen Zeit waren derart versessen auf eine elfenbeinähnliche Gesichtsfarbe, dass sie damit begannen, Tinkturen aus Bleiweiß und Quecksilber aufzutragen. Schon in der Renaissance warnten Wissenschaftler vor der gesundheitsschädlichen Wirkung der Mixtur. Ganz nach dem Motto „Wer schön sein will, muss leiden“ ließen sich die meisten Frauen aber nicht davon abhalten, das Schwermetallgemisch einzusetzen.

 

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Schon die Philosophen des alten Griechenlands beschäftigten sich mit Fragen der Schönheit. Gelehrte wie Sokrates und Platon stellten konkrete Formeln auf, nach denen sie Schönheitstandards zu definieren versuchten. Einig waren sich die Denker darüber, dass Schönheit nicht nur von außen, sondern auch von innen kommt. Eine Haltung, die bis heute in unserer Gesellschaft verankert ist. (Foto: Shutterstock)

Mehr ist mehr. Anders als in den vorangehenden Jahrhunderten waren weibliche Rundungen in der Renaissance ein gern gesehenes Merkmal an Frauen. Breite Hüften und eine üppige Oberweite waren nicht nur erlaubt, sondern willkommen – ein Schönheitsideal, das sich bald über ganz Europa verbreitet hatte und mit kurzen Pausen bis ins 20. Jahrhundert reichen sollte. Unperfekt ehrlich portätierten auch die großen Künstler der Renaissance ihre Angebeteten. Ob DaVincis Mona Lisa oder Raffaels Madonnenbildnisse – die Maler des Spätmittelalters zeigten Schönheit in ihrer rauesten Form. Weniger monumental als die griechischen Ikonen, dafür greifbarer und menschlicher. Die weiblichen Porträtvorlagen der Renaissance lassen sich beinahe mit dem modernen Image des „Mädchens von nebenan“ vergleichen.

Barocke Lebensart. Üppig ging es auch im Barock weiter. Die ausschweifende Lebensweise, die an europäischen Adelshöfen der damaligen Zeit Vorreiter war, äußerte sich bald in korpulenten Körperformen. Überschüssige Kilos in der Öffentlichkeit zu zeigen, galt im Barock allerdings als absolutes No-Go. Stattdessen zwängten sich Frauen im 17. Jahrhundert in hautenge Korsagen und prägten damit das berühmte Image der „Wespentaille“. Gepaart mit klassisch pompösen Perücken und rot geschminkten Wangen hält sich das Bild der barocken Paradefrau à la Marie Antoinette bis heute.

 

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Norma Jeane Mortenson, besser bekannt als Marilyn Monroe, definierte Schönheitsideale in der Mitte des 20. Jahrhunderts neu. Mit ihr brach eine Ära an, in der Weiblichkeit zum neuen Beauty-Standard erklärt wurde. Bis heute gilt sie als Ikone, die mit ihrem Look in die Geschichte einging und nach wie vor von Männern und Frauen gleichermaßen verehrt wird. (Foto: Shutterstock)

Antikes Spiegelbild. Zurück zu den Wurzeln der Schönheit führte schließlich die Aufklärung, während der man sich auf alte Ideale besann. Der deutsche Archäologe, Bibliothekar und Kunstschriftsteller Johann Winckelmann galt damals als Vorreiter in der historischen Rezension antiker Schönheitsstandards. Nach ausreichender Beschäftigung mit den griechischen Künsten formte er ein Bild der Schönheit, das sich über ganz Europa verbreitete und knapp ein Jahrhundert als Leitfaden physischer Perfektion galt. Eine gerade Nase, eine niedrige Stirn, leicht rote Lippen und langes blondes Haar – Winckelmanns Erkenntnisse über Schönheit trotzten dem barocken Prunk, der die vorhergehenden Jahrhunderte dominiert hatte. „Es lebe die Ursprünglichkeit“ lautete das Mantra des deutschen Aufklärers, der in der Schönheit eines der „großen Geheimnisse der Natur“ sah (siehe „Winckelmanns Geschichte der Kunst des Altertums“).

Be classy. Winckelmanns Auseinandersetzung mit der Antike legte auch den Grundstein für die Epoche des Klassizismus – dem künstlerischen Gegenprogramm des Barocks. Ein Ende dem Prunk, ein Ende dem Überfluss: Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte der Klassizismus die globale Bau- und Schaffensweise und äußerte sich deutlich bescheidener als sein Vorgängerstil. Aus der neuen Lebensweise wurden auch neue Schönheitsideale geboren. Überschüssige Rundungen mit einem Korsett in Form zu bringen, zählte schnell nicht mehr zum „Trend de jour“. Reduziert galt als attraktiv – auch hinsichtlich der Körperformen.

Oh Marilyn! Erst Mitte des 20. Jahrhunderts galten Rundungen wieder als ansehnlich. Nach den beiden Weltkriegen prägten Ikonen wie Marilyn Monroe neue Schönheitsideale. Die Schauspielerin mit Standardgröße 42 stand Zeit ihres Lebens für Weiblichkeit und erotisches Selbstverständnis – Attribute, welche der amerikanischen Traumfrau schnell zu weltweiter Berühmtheit verhelfen sollten. Mit roten Lippen und lockigem Bob verkörperte Monroe das Sinnbild ihrer Zeit und zieht bis heute noch in ihren Bann.

 

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(Foto: Shutterstock)

Twig it! Den äußerlichen Gegenpol zur blonden Monroe bildete die braunhaarige Twiggy. Das britische Model wurde vor allem durch ihr hageres Auftreten bekannt – schlank, flachbusig und maskulin eroberte die Engländerin in kürzester Zeit die Laufstege der Welt und brachte damit einen Trend ins Rollen, der sich bis ins 21. Jahrhundert hartnäckig hielt. Mit ihrem Aussehen setzte Twiggy nicht nur Maßstäbe im Catwalk-Business. Ab den 1970er Jahren setzte plötzlich die ganze Welt auf ausdrucksstarkes Augen-Make-up und einen verruchten, punkigen Twiggy-Look.

Natural beauty. Heute zeigt sich das gängige Schönheitsideal bescheidener. Zurück zur Natürlichkeit, scheint die Devise zu lauten. Reduziertes Make-up, unbehandeltes Haar. Gerade jüngere Generationen machen im Jahr 2020 mit dem Mut zum Nude-Look auf sich aufmerksam. Neben Natürlichkeit sind aber auch sportliche Rundungen im 21. Jahrhundert gefragt, wie der österreichische Soziologe Otto Penz weiß: „Die üppige Weiblichkeit der 50er Jahre und das hagere Idealbild des Jugendstils in den 70ern wurden abgelöst. Heute stützt sich die Vorstellung von Schönheit auf athletische Züge.“ Zudem werde mittlerweile besonders auf eine Akzentuierung der Individualität Wert gelegt, erklärt Penz. Körpermodifikationen wie Tattoos oder Piercings dienen plötzlich ganzen Generationen dazu, die eigene Persönlichkeit nach außen zu tragen. Das Schönheitsideal heute? Eine Kombination aus Individualität, gesundem Aussehen und Natürlichkeit – ein Trend, der sich unserer Meinung nach gerne lange halten darf!