Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 26.04.2017

Wohin mit meinem Geld?

Egal, ob ein Haus am See oder eine Altersvorsorge – für die großen Wünsche müssen wir sparen, aber lohnt sich das noch? Wir haben mit Universitätsprofessor DDr. Jürgen Huber gesprochen.

Bild 1704_T_business_sparen03shutterstock_538414810.jpg
Foto: Shutterstock

Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise oder die prekäre finanzielle Lage von Staaten wie Griechenland haben uns alle verunsichert. Was passiert mit unserem Geld und macht Sparen überhaupt noch Sinn? Wir haben mit Universitätsprofessor DDr. Jürgen Huber, der an der Universität Innsbruck am Institut für Banken und Finanzen lehrt, einen Experten zum Gespräch gebeten.


TIROLERIN: Ich bin zu einer größeren Summe Geld gekommen. Was soll ich jetzt am besten mit dem Geld machen?
Jürgen Huber: Gerade wenn man noch in Miete lebt, empfiehlt sich in ein Eigenheim zu investieren – die ideale Altersvorsorge gerade jetzt, wo unsicher ist, wie es zukünftig um die Pensionen steht. Grundsätzlich sollte man möglichst breit investieren. Jede Bank bietet beispielsweise sogenannte ETF, Exchange Traded Funds, an. Hier sind bis zu tausende Aktien enthalten und man geht kein Einzelrisiko ein. In einzelne Aktien zu investieren kann rasch gefährlich werden, selbst vermeintlich sichere Firmen können rasch abstürzen, das hat man bei VW gesehen. ETF werden an der Börse gehandelt.
Ich kann täglich kaufen und verkaufen. Ich empfehle einen ETF den Weltaktienindex MSCI World, der über tausend der größten Firmen aus Dutzenden Ländern enthält - von Apple über OMV bin zu Zinkminen in Chile.


Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, sein Geld anzulegen. Wie weiß ich, wem ich vertrauen kann?
Banken sind streng reguliert. Sie wissen, dass sie eine Reputation haben, und das ist ihre einzige Währung. Das heißt, österreichischen und europäischen Banken kann man weitgehend vertrauen. Bei unabhängigen Finanzdienstleistern sollte man sich bewusst sein, dass diese meist von Vermittlungsprovisionen leben und daher verkaufen wollen/müssen. Generell sollten wir uns nicht scheuen und selbst Informationen einholen und nachfragen – wir brauchen mündige Bürger, die nicht die gesamte Verantwortung abgeben, denn genau das hat zur großen Finanzkrise 2008 geführt.  

                                                     
Gerade „handfeste“ Anlagen wie Immobilien sind sehr beliebt. Bleibt das auch in Zukunft so?
Immobilien zu kaufen macht nach wie vor Sinn, aber nur dann, wenn ich einige Jahre dort wohnen werde.  Auch die Nebenkosten darf man hier nicht unterschätzen – zehn Prozent und mehr müssen miteinberechnet werden.


Wie sieht es mit alternativen Währungen wie Bitcoin aus?
Davon würde ich stark abraten, hier gibt es eine extreme Schwankungsbreite. Der Kurs ist zwar jetzt stark gestiegen, das liegt aber auch an der Nachfrage: Wird ein Computer von einem Trojaner gesperrt, wird oft verlangt, in Bitcoin zu zahlen. Dies hat den Kurs nach oben getrieben. Als Investment würde ich davon jedenfalls abraten.


Warum sollte man trotz der niedrigen Zinsen ein Sparbuch haben?
Ein Notgroschen für Unvorhergesehenes, zum Beispiel ein Autounfall oder ein Wasserrohrbruch, sollte immer zur Verfügung stehen. Am besten als Sparbuch mit einer Einlage von 10.000 bis 20.000 Euro.


Verfügen die Menschen heute über mehr Geld als vor 50 Jahren?
Natürlich haben wir heute mehr Geld als unsere Eltern oder Großeltern. Vieles ist heute gratis, wie Bildung oder Krankenversicherung. Unsere Großeltern hätten sich nie die materiellen Güter, die Größe des Wohnraums, die Urlaube, aber auch die Freizeit vorstellen können, aber das heißt nicht, dass wir glücklicher sind oder besser mit Geld auskommen. Diese ganzen Konsum- und Freizeitmöglichkeiten sowie die leichte Verfügbarkeit gab es früher nicht – die Möglichkeiten treiben uns. Auch der soziale Vergleich spielt eine wichtige Rolle: Was mein Nachbar hat, brauche ich auch!


Also wird trotz größerem Wohlstand weniger gespart?
Genau. Viele sparen kaum noch, weil sie es kaum können. Sie wollen ein neues Handy, auf Urlaub fahren und auf nichts verzichten. Sparen ist so nicht mehr möglich. Fast die Hälfte der Österreicher hat kein gespartes Vermögen.


Wird Bargeld früher oder später wirklich abgelöst?
Es gibt eine aktive Diskussion, und einige Akteure wünschen sich eine bargeldlose Welt - nicht zuletzt Zentralbanken und Geheimdienste. Der Hintergrund: Elektronischen Zahlungen sind nachvollziehbar. Allerdings können diese manipuliert werden. Gerade deshalb finde ich Bargeld wichtig: Geld erhält seinen Wert durch Vertrauen, und das entsteht, wenn wir es in der Hand haben.

Bild 1704_T_business_sparen04HUBER-9791.jpg
Jürgen Huber ist Professor an der Universität Innsbruck.
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus