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People | 05.12.2016

Wir sagen uns immer: Wir schaffen das!

Sabine Oberhauser kämpft. Nun schon zum zweiten Mal. Gegen den Krebs, der wiederkam. Diesmal ist es schwerer, härter. Aber sie gibt nicht auf. Der Talk.

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Kämpferin. Ministerin Sabine Oberhauser wurde bei der look! Women of the Year-Gala als „Frau des Jahres“ geehrt. © Schedl

Die Tage sind durchwachsen. Und das ist ein Euphemismus an dieser Stelle. Denn manche sind mehr als nur bescheiden. Tapfer und doch mit schwacher Stimme sagt Sabine Oberhauser: „Ich laboriere eigentlich weniger an der Chemotherapie als an den Nachwirkungen der letzten zwei Operationen innerhalb von drei Monaten. Der Darmverschluss, den ich hatte, macht mir zu schaffen.“ Die Folge: „Verdauungsprobleme, Übelkeit, Durchfall. Einfach diese körperliche Schwäche.“ Aber die Ministerin hat ein Credo: „Ich will den Kampf teilen und nicht das Leid.“

Frau des Jahres. Denn für diesen beispiellosen Kampf gegen den Krebs, der in 18 Monaten zwei Mal zugeschlagen hat, zollen ihr die Österreicher Respekt und Hochachtung. Sabine  Oberhauser wurde dafür bei den look! Women of the Year Awards als Frau des Jahres ausgezeichnet. Warum? Ganz einfach: weil sie den Menschen da draußen Mut macht. Weil sie den schlimmen Krebs enttabuisiert. Weil sie, wie sie es eben selbst sagt: „den Kampf teilen möchte – und nicht das
Leid“. Und weil sie alle Betroffenen ermutigt, sich nicht zu verstecken. Wir müssen darüber reden. Nicht hinter verschlossenen Türen. Der Talk.

look: Darf ich fragen, wie es Ihnen aktuell geht?


Sabine Oberhauser: Es ist schwer, aber es wird Stück für Stück besser. Im November war ich ja für ein paar Stunden im Plenum, und so etwas ist total schön für mich. Das Plenum ist für mich ja wie ein Zuhause. Ich habe von dort so viel – über alle parteiideologischen Grenzen hinweg – Unterstützung und so viele Zusprüche bekommen, dass ich mich wirklich, wirklich gefreut habe, sie alle wiederzusehen. Es war aber furchtbar nervenaufreibend für mich, weil ich so angespannt
war. Ich schaffe diese Gehstrecken noch nicht so gut.

 

Aber was übrig geblieben ist, ist das Bild einer strahlenden Sabine Oberhauser. Wie schaffen Sie das?


Ich versuche einfach tageweise, stundenweise meine Sachen zu machen. Mein Büro kommt zu mir und wir machen die Sitzungen am Küchentisch.

 

Keine Angst, dass Sie sich – auch mitten in der Chemotherapie – überfordern?


Ich habe ein paar gute Freundinnen inklusive meinem Büro und der Sabine Leidinger, die mir schon sagen: „Jetzt reicht’s!“. Und manchmal zeigt es mir auch einfach der Körper, dass es nicht mehr geht. Da ist der Geist zwar willig, aber das Fleisch schwächelt (lacht). Dann höre ich auf und denke einfach: Morgen ist auch noch ein Tag.

 

Sie sind bei der Women of the Year-Gala in der Königskategorie ausgezeichnet worden: als „Frau des Jahres“. Was bedeutet das für Sie?

 

Ich freue mich natürlich total. Weil dieser Preis auch ein sichtbares Zeichen dafür ist, dass ich es – trotz aller Widrigkeiten – richtig mache. Und überhaupt ist ein Preis von Frauen für Frauen wichtig. Die Männer dekorieren sich meistens mit guten Jobs oder mit anderen Dingen. Und Frauen sagt man immer nach, sie können einander gar nicht. Und da sieht man, dass das anz das Gegenteil ist. Dass Frauen sehr wohl darauf schauen, was sie anderen Frauen zugutekommen lassen. Und es tut doch einfach gut, wenn man gelobt wird.

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Größte Stütze und Lebensliebe. Wenn Sabine Oberhauser der Mut verlässt, ist es ihr Mann, der Radiologe Gerold, der sie wieder aufrichtet. © Starpix

Darf ich Sie nach Ihren Plänen für die nächste Zeit fragen?


Ich möchte versuchen, wieder Termine wahrzunehmen, je nach Tagesverfassung. Es ist eben ein echtes Auf und Ab. Aber ich probiere alles, weil es für mich so wichtig ist, meine Arbeit zu machen und rauszukommen.


Darf ich fragen, wie lange Sie sich noch der Chemotherapie unterziehen müssen?


Das kann man noch nicht sagen. Sicher bis Ende des Jahres oder länger. Aber ich laboriere weniger an der Chemotherapie als an den Nachwirkungen der zwei Operationen innerhalb von nur drei Monaten. Ich leide unter Übelkeit und Durchfällen. Ich muss einfach schauen, dass ich körperlich zu Kräften komme.

 

Wenn es mal nicht so gut ist und Sie der Mut verlässt, Sie verzweifelt sind, was sicher vorkommt – wie kommen Sie wieder raus?


Das geht, weil ich einen treuen Ehemann an meiner Seite habe, der mir immer – auch wenn ich es nicht hören will – sagt: „Wir schaffen das“. Das ist, glaube ich, der meistgesagte Satz bei uns zu Hause.

 

Apropos zu Hause: Weihnachten steht vor der Tür. Wie wird denn traditionell bei den Oberhausers gefeiert?


Seitdem meine Tochter Franziska  in Amerika war, wird bei uns zu Weihnachten auf der Terrasse ein Truthahn gegrillt. Dann gibt es Bescherung. Die ganze Familie ist zusammen. Auch meine zweite Tochter und meine Mutter feiern mit. Und wir tragen alle kitschige Weihnachtspullover. Dieses Jahr freuen wir uns natürlich auf die strahlenden Augen meines Enkelkindes Emil. Es ist sein erstes Weihnachtsfest.

Text: Alexandra Stroh

Mitarbeit: Kathrin Gottsbachner

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