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People | 10.08.2017

"Unsere Aufgabe ist es, Kinder zu fördern"

Thomas Brezina ist der große Geschichtenerzähler in Österreich, der bis heute Kinder mit seinen Figuren und Erzählungen verzaubert. Er wird auch nicht müde, sich weiter Neues auszudenken. Aktuell ist er in Serfaus und macht mit seinen Ideen die Natur mit der Familie neu erlebbar.

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© Serfaus-Fiss-Ladis

Thomas Brezina hat mit seinen Figuren, Büchern und Fernsehsendungen eine ganze Generation in ihrer Kindheit geprägt, ich selbst gehöre mit dazu. Umso größer war das Interesse, den großen österreichischen Kinderbuchautor zu treffen, der auch bis heute nicht müde geworden ist, sich Geschichten zu überlegen und damit Kinder und bald auch Erwachsene zu begeistern. Getroffen haben wir Thomas Brezina in Serfaus, wo er die Abenteuerberge gemeinsam mit Kindern neu eröffnet und zeigt: Mitten in der Natur stößt man auf die schönsten Abenteuer.

TIROLERIN: Was haben Sie als Kind am liebsten gelesen?

Thomas Brezina: Zwei Sachen: erstens die Geschichten von Astrid Lindgren mit Die Kinder von Bullerbü“ und Krimis.

Woher kommt das Interesse, nicht mehr nur zu lesen, sondern auch selbst zu schreiben?

Seit ich ein Kind bin, habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht. Mit acht Jahren habe ich zum ersten Mal versucht, ein Buch zu schreiben. Das war einfach immer so in mir, ich habe mir einfach gerne etwas ausgedacht. Mit 15 habe ich dann zum ersten Mal ein Fernsehdrehbuch geschrieben und habe damit auch einen Wettbewerb gewonnen, der der Anfang für vieles war.

Was ist die besondere Herausforderung beim Schreiben eines Kinderbuchs?

Es macht mir nach wie vor Freude. Es ist mir einfach so wichtig, Familien und Kinder überraschen und begeistern zu können für all die wunderbaren Sachen, die es rund um uns gibt. Kinder sollen alles machen können, was in ihnen steckt. Das sind Dinge, die mir sehr viel bedeuten. Jetzt schreibe ich auf der anderen Seite aber ein neues Buch, das heißt „Knickerbocker-Bande für immer“ und ist ein Knickerbocker-Abenteuer für Erwachsene.

Zu dieser Entscheidung haben Sie auch Ihre Facebook-Freunde befragt, hat Sie das beeinflusst?

Ich wusste ja schon immer, dass ich das machen möchte. Dann bekommt man aber auch Zweifel beim Schreiben und dann habe ich einfach gefragt. Dieses überwältigende Echo, diese Begeisterung im Netz hat mich natürlich irrsinnig gefreut und es spornt mich auch an.

Gerade Kinder verbringen aber inzwischen auch viel Zeit im Internet, das simple Kinderbuch hat viel Konkurrenz bekommen. Wie sehen Sie diesen Trend?

Wir leben im Jahr 2017. So ist es einfach. Das Wichtige ist, dass man Kindern zeigt, die Dinge in die richtige Proportion zu bringen. Das halte ich für wichtig. Dieses ganze Verteufeln, davon halte ich nichts. Meine 90-jährige Tante hat damals, als ich begonnen habe, Bücher zu schreiben, zu mir gesagt: Weißt du was, zu mir haben sie als Kind immer gesagt, lies keine Bücher, davon verdirbt man sich nur die Augen!“

Ist es heute aber schwieriger, ein Buch zu schreiben?

Nein, das ist einfach eine neue Herausforderung. Man muss auf Kinder eingehen, mit der Geschichte, aber auch damit, wie man erzählt und illustriert. Aber man muss auch heute noch so erzählen, dass man die Kinder berührt und erreicht.

 

Bild Thomas Brezina inszeniert neue Abenteuerberge in SerfausFissLadis - 6.jpg
© Serfaus-Fiss-Ladis

Muss ein Kinderbuch auch lehrreich sein?

Mein Anspruch war es immer, mit meinen Büchern Kinder zu berühren, zu begeistern und ihnen eine wunderbare Zeit zu geben. Dieses Belehren, da muss ich ehrlich sagen: Machen wir Erwachsene denn alles so viel besser? Unsere Aufgabe ist es, Kinder zu fördern, dass sie das, was in ihnen steckt, entfalten können, ihnen Mut zu machen. Und ich begeistere sie gerne für die Dinge, die mir auf dieser Welt so gut gefallen. Das sind: Menschen, Freundschaft, Natur, Wissenschaft, da gibt es so viele Dinge.

Wie entstehen bei Ihnen Figuren, die Kinder begeistern? Etwa Tom Turbo?

Die Idee zu Tom Turbo ist bei einer Autogrammstunde für die Knickerbocker-Bande entstanden, als mir ein Sechsjähriger vorgeworfen hatte, ich wäre so gemein, dass ich keine Krimis für Jüngere als für seine Altersgruppe schreiben würde. Meine erste Idee war dann ein sprechendes Pferd, zu dem mir aber nichts Gutes eingefallen ist. Ich habe dann Kinder auf ihren Fahrrädern gesehen und mich an mein eigenes Fahrrad aus meiner Kindheit erinnert, auf das ich viele Sachen daraufgebaut habe. Warum also nicht einen Detektiv erfinden, der eigentlich ein sprechendes Fahrrad ist?

Wie weiß man dann, dass eine solche Figur oder eine Geschichte funktioniert?

Man kann es nur ausprobieren.

Welche Geschichte ist eine gute Vorlage, hat Sie inspiriert?

Mich inspirieren hauptsächlich englische Autoren, besonders Charles Dickens, der mich bis heute fasziniert. Er hat nicht nur besonders gut geschrieben, sondern schafft es auch immer noch, Menschen zu erreichen und zu berühren.

Wie erreichen Sie die Menschen hier in den Bergen, in Serfaus?

Schon vor mehr als zehn Jahren sprach mich der Tourismusdirektor an und fragte mich, wie man das Wandern für Familien attraktiver gestalten könnte. So ist die Idee zu den Abenteuerbergen entstanden. Jetzt war es an der Zeit, neue Attraktionen zu bieten. Ein komplett neuer Weg, der Piratenweg, ist entstanden und die beiden bestehenden Wege, der Hexenweg und der Forscherweg, sind ebenso völlig erneuert worden. Die Kinder können auf diesen Wegen die Natur und das Wandern neu erleben.

Eine Frage, die auch Ihrer Vorstellungskraft bedarf: Wo wäre Thomas Brezina heute, wenn er nicht Geschichten geschrieben und veröffentlicht hätte?

Keine Ahnung. Ich bin so froh, dass alles so passiert ist, wie es eben passiert ist. Ich bin nie den Sachen hinterhergelaufen, sondern die sind auf mich zugekommen und ich habe einfach Ja gesagt  Ω mit klopfendem Herzen, mit größten Zweifeln und Unsicherheiten Ω und habe einfach immer versucht, mein Bestes zu geben.

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