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People | 08.01.2018

Think Fink

Wer seine Songs kennt, weiß: Finn Greenall aka Fink ist Vollblutmusiker. Wir haben den englischen Klangvirtuosen getroffen und mit ihm über Mainstream, Inspiration und die Liebe zu seiner Art von Kunst gesprochen.

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(© Tommy N. Lance)

DJ, Akustiker, Songwriter: Finn Greenall, besser bekannt als Fink, lebt Musik in all ihren Facetten. Das britische Klangtalent wurde nicht ohne Grund durch seine Tendenz zur musischen Vielfalt bekannt. Heute überzeugt der Künstler primär mit ruhigem Gitarrensound, soften Vocals und tiefgehenden Texten. Seiner Liebe zur Abwechslung will der Sänger trotzdem treu bleiben, wie er uns im Interview vor seinem Innsbruck-Auftritt im Oktober verraten hat.

Tirolerin: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Finn Greenall: Musik hat immer schon eine große Rolle in meinem Leben gespielt, vor allem wegen meinem Vater. Er war in einer Band und deswegen war unser Haus immer voll von Sängern und Songwritern. Ich war permanent von Musik umgeben  sie gehörte  zu meinem Alltag. Ähnlich wie Skifahren hier in Tirol. Wer in den Bergen aufwächst, steht schon sehr früh auf den Brettern. Das steht ja fast außer Frage, oder? Ich war immer schon vollkommen in Musik vernarrt. Wo sie war, habe ich mich wohlgefühlt. In den 1990ern habe ich schließlich damit begonnen, elektronische Songs zu produzieren, arbeitete als DJ und war besessen von Rave und Techno. Das war großartig!


Wie kam es dazu, dass Sie heute großteils akustische Songs schreiben?
Nun ja, als ich 30 wurde, erreichte ich einen Punkt in meinem Leben, an dem ich ein wenig zu alt für Elektromusik wurde. Die Arbeit als DJ fing an, mich zu langweilen, meine Nächte in Clubs zu verbringen fühlte sich plötzlich nicht mehr richtig an. Schließlich kam ich dann in Kontakt mit ein paar Alben, die meine Einstellung zur Musik komplett veränderten. Ich entdeckte Radiohead, José Gonzales veröffentlichte sein Album „Veneer“ und schließlich begann ich damit, Singers und Songwriters als cool zu empfinden. In dem Moment, als ich mich von Techno entfernte, verliebte ich mich Hals über Kopf in Livemusik. Ich hätte mir nie träumen lassen, später einmal in einer Band zu spielen. Wenn, dann sah ich mich immer eher als Mitarbeiter einer Plattenfirma. Selbst Konzerte zu geben war lange undenkbar ...


... was heute beinahe unvorstellbar ist, oder?
Ja, es klingt vollkommen verrückt, wenn ich das sage! Aber gerade das Unerwartete macht das Leben am Ende des Tages aus, denke ich. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich Veränderungen heute sehr offen gegenüberstehe. Umbrüche können wahnsinnig bereichernd sein, egal ob in privater oder beruflicher Hinsicht. Auch wenn der Prozess, den man dabei durchlaufen muss, hart und verwirrend sein kann, ist Veränderung, später betrachtet, doch fast immer etwas Gutes. Der Moment, in dem man aufhört, dazuzulernen, ist der Moment, in dem man seinen Job wechseln muss. Als DJ kam ich irgendwann an meine Grenzen. Ich wurde von einer neuen Generation abgelöst, von der Art von DJs, die mit USB-Sticks und Laptops arbeiten. Zu lernen, mit neueren Technologien umzugehen, kam für mich nie in Frage. Deswegen habe ich einen Schlussstrich gezogen. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, wie 2018 für mich aussehen wird, auch in Bezug auf meine Arbeit als Sänger. Ich bin mir aber sicher, dass es ein großartiges Jahr wird, egal was es bringt.

 

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Redakteurin Sarah Strigl im Gespräch mit Finn Greenall.

Denken Sie, dass Sie sich selbst und ihre Musik immer wieder neu erfinden?
Ich denke schon, ja. Der Titel unseres neuen Albums, „Resurgam“, der soviel bedeutet wie „Ich werde auferstehen“, greift diesen Gedanken in gewisser Hinsicht auf.  Kunst, egal welcher Art, spiegelt immer ihren Erschaffer wider. Meine Songs sagen sehr viel darüber aus, wer ich zum Zeitpunkt ihres Entstehens war. Mit mir veränderte sich auch meine Musik von Album zu Album. „Resurgam“ ist meiner Ansicht nach eine LP, die sich gegen die klassische Popszene stellt. Sie ist alles andere als Main-stream, was uns wichtig war, als wir die Tracks aufgenommen haben. Mit „Looking too closely“ brachten wir sehr viele Singles in die Charts. Dass jede Top-zehn-Platzierung ein gutes Gefühl ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Darum geht es uns aber nicht. Gute Musik ist viel wichtiger als kommerzieller Erfolg. Wir schreiben Lieder, weil wir Lust dazu haben, und nicht, weil wir Kassenschlager auf den Markt bringen möchten.


Ist das auch ein Grund, warum Sie nicht sagen können, was 2018 bringen wird?
Unter anderem! Ich meine, alles ändert sich so rapide. Vor fünf Jahren war Uber niemandem ein Begriff und heute kann man sich damit überall auf der Welt fortbewegen. Naja, außer hier in Tirol.  Aber ernsthaft, Spotify, Netflix, alle technischen Neuheiten – wer kann da schon sagen, was die Zukunft bringt? Das hat natürlich auch einen Einfluss auf Musik und Kunst. Generell bin ich auch davon überzeugt, dass man gerade in diesen Bereichen keine Angst vor Veränderung haben darf.


Weil sonst Stillstand folgt?
Genau! Ich glaube, wer sich nicht immer wieder neu erfindet, macht Musik nicht um den Willen der Kunst, sondern rein um auf der Welle des Erfolges mitzuschwimmen. Nicht dass ich solche Künstler jemals kritisieren möchte. Es ist nicht einfach, ein Bruno Mars oder eine Taylor Swift im Showbusiness zu sein. Im Gegenteil! Diese Jungs und Mädchen haben einen richtig harten Job und davor habe ich größten Respekt. Aber ich denke, dass die dauerhafte Jagd nach Nummer-eins-Hits nicht unbedingt förderlich für die Kunst an sich ist. Richtige Musiker schreiben Songs für sich selbst, nicht für andere.


Versuchen Sie, das auch auf der Bühne zu vermitteln?
Ja, aber in erster Linie geht es darum, sein Publikum mitzureißen. Egal ob wir vor zehntausenden Menschen auf einem großen Festival
spielen oder in einer kleinen Location wie hier in Innsbruck auftreten – das Ziel bleibt immer, die Zuschauer auf unsere Art und Weise zu begeistern.


Also auch heute Abend?
Besonders heute Abend! Wir lieben Tirol und die Leute hier.

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