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People | 02.05.2017

Der Weg zur Spitze!

Sie ist die wohl größte Überraschung der vergangenen Skiweltmeisterschaft: die Tirolerin Stephanie Venier. Wir haben mit der Zukunftshoffnung des ÖSV gesprochen.

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„Ich stand immer schon gerne auf den Skiern.“ (Stephanie Venier)

Stephanie Venier strahlt, als sie uns zum Interview trifft. Kein Wunder, denn die Skiathletin hat nach der vergangenen Saison einigen Grund dazu. Die junge Erfolgsjägerin aus Oberperfuss konnte im Winter nicht nur eine, sondern gleich zwei Weltmeisterschaftsmedaillen mit nach Hause nehmen. Siege, mit denen in dieser Form wohl nur die Wenigsten gerechnet hätten. Venier hat es geschafft – sie hat sich bewiesen, hat gezeigt, dass sie im Skizirkus der Großen mitspielen kann. Eine Leistung, die kaum jemandem mehr zu gönnen ist als dem Sonnenschein des ÖSV. Im Gespräch hat die Medaillengewinnerin mit uns über ihren Weg zum Erfolg, Ziele und ihren persönlichen Balanceakt zwischen Beruf und Privatem gesprochen. Klar ist: Mit Stephanie Venier dürfen wir auch in Zukunft rechnen.


TIROLERIN: Wie lange fahren Sie schon Ski?
Stephanie Venier: Seit ich zwei Jahre alt bin. Ich wohne direkt neben einem Skigebiet und bin  schon als Kind immer alleine gefahren. Sofort nach dem Mittagessen war ich auf der Piste.


Und ab wann war dann klar, dass das Skifahren mehr als nur ein Hobby für Sie ist?
Ich stand immer schon gerne auf den Skiern. Nach der Hauptschule hat sich dann für mich die Frage gestellt, ob ich die Skihandelsschule Stams oder ein normales Gymnasium besuchen soll. Damals habe lange darüber nachgedacht, wo mein Weg hinführen soll, aber letzten Endes fiel meine Entscheidung auf Stams.  


Was hat sich durch die Entscheidung für Sie geändert?
Ich war dort in einem Internat, was anfänglich sehr komisch war. Ich bin immer schon gerne bei meinen Eltern und meinen Geschwistern zuhause gewesen, deswegen war das erste Jahr weg von daheim richtig schwer für mich. Aber nach einiger Zeit hatte ich einen Freundeskreis gefunden und durch Schule und Training eine Routine entwickelt. Danach ging es immer weiter bergauf.


Sie sind hartes Training ja schon durch Ihre Schulzeit gewohnt. Wie sieht das heute aus?
Mittlerweile trainiere ich im Olympiazentrum in Innsbruck, wo wir großteils an meiner Ausdauer arbeiten. Im Sommer gibt es dann ein eigenes Training und natürlich das Skifahren an sich. Wir sind auch immer wieder an verschiedenen Orten, um uns auf die Saison vorzubereiten. Diesen Sommer fahren wir nach Chile, danach dann nach Amerika.


Wow! Haben Sie auch mal frei?
Ja, im Moment! Es ist zwar noch ungewohnt, einfach mal nichts zu tun, aber ich merke, wie gut es mir tut. Endlich habe ich wieder mal  Zeit, mich anderen Dingen zu widmen.


Wenn Sie auf die letzte Saison zurückschauen, was ist Ihr Gesamteindruck?
Ich hätte mir nie erträumt, dass sich ein Stockerlplatz wirklich ausgeht. Ich weiß, dass ich Skifahren kann und dass ich das Zeug habe, ganz vorne dabei zu sein. Allerdings habe ich mir das selbst erst wirklich eingestanden, als es tatsächlich für eine Medaille gereicht hat.


Also war der Medaillensieg recht unerwartet?
Ich weiß nicht, ob unerwartet das richtige Wort ist. Vielleicht trifft es überraschend besser. Ich habe lange auf einen Podestplatz hingearbeitet, immerhin ist das der Grund, warum man zu einer Weltmeisterschaft fährt.


Wie ging es nach dem Stockerlplatz weiter?
Nach meinem Sieg kam plötzlich viel Neues auf mich zu. Auf einmal musste ich zu Pressekonferenzen, Interviews geben, Fotoshootings machen! Meine Kolleginnen haben sich immer darüber amüsiert, wie unbekannt das alles für mich als Newbie war.


Und wie haben Sie sich dabei dann gefühlt?
Das Gefühl, bei den großen mitfahren zu können, ist unbeschreiblich. Ich habe ein Foto mit Lindsey Vonn bei mir zuhause, auf dem sie schon bekannt und ich noch ein kleiner Fisch war. Sie war damals schon eines meiner größten Vorbilder und heute liefern wir uns Kopf-an-Kopf-Rennen. Das sind Eindrücke, die sich kaum beschreiben lassen.

 

 

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„Das Gefühl, bei den Großen mitzufahren, ist unbeschreiblich.“ (Stephanie Venier)

Wussten Sie schon während Ihres Silberrennens, dass Sie dabei sind, eine Wahnsinns-Leistung abzulegen?
Ich dachte mir schon, dass es nicht schlecht sein würde. Dass sich tatsächlich eine Medaille ausgeht, stellte sich aber ohnehin erst im Ziel heraus.Ich war unten nervöser als am Start. Vor allem habe ich mir nach einem siebten Platz im Super-G nicht mehr viel erwartet und ging mit einer dementsprechend lockeren Einstellung an die Sache. Vielleicht war gerade das der Schlüssel zum Erfolg an diesem Tag.

War das der schönste Moment der Weltmeisterschaft für Sie?
Eigentlich war es der Augenblick, als ich meine Familie und meinen Freund nach dem Rennen gesehen habe. Ich bin ihnen einfach nur in die Arme gefallen, wir haben geweint, gelacht. Es war unglaublich emotional!


Sind Ihre Eltern und Ihr Freund bei jedem Ihrer Rennen dabei?
Bei fast jedem, ja. Es hat sich mittlerweile eine richtige kleine Gruppe aus Familie und Freunden gebildet, die mich regelmäßig anfeuert. Das ist mir persönlich auch sehr wichtig. Ich bin immer froh, wenn jemand da ist, um mich aufzubauen, wenn ein Rennen mal nicht wie erwartet verlaufen ist. Und natürlich auch, um zu feiern, wenn ich erfolgreich war.


Was hat sich für Sie nach der WM zuhause verändert?
Ich habe plötzlich irrsinnig viel Post von Fans bekommen.  Am Anfang konnte ich die ganzen Briefe gar nicht alleine beantworten. Mittlerweile brauche ich auch wirklich viele Autogrammkarten. Trotzdem habe ich mir fest vorgenommen, so zu bleiben, wie ich bin, egal was die Zukunft vielleicht noch bringt. Ich gehe immer noch normal einkaufen und auch ungeschminkt aus dem Haus.


Hinsichtlich Zukunft, was sind die nächsten großen Ziele?
Natürlich dort weitermachen, wo ich aufgehört habe, wenn nicht besser! Ich glaube, wenn man einmal Blut geleckt hat, möchte man Erfolge immer wieder erleben. Aber wer weiß, vielleicht dauert es auch noch eine Weile, bis mir solche Ergebnisse wieder gelingen. Es ist nun mal so, ab und zu kommen schöne Dinge einfach zu einem und man hat nicht das Gefühl, man hätte viel dazu beigetragen. Auf der anderen Seite gibt es dann auch Zeiten, in denen Erfolge ausbleiben, und man versteht nicht, woran das liegen könnte. Was die Zukunft bringt, bleibt offen, aber ich freue mich jetzt schon darauf, zu sehen, was noch kommt!

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Stephanie Venier, die 23-jährige Skirennläuferin aus Oberperfuss, tritt vor allem in den Disziplinen Abfahrt und Super-G an. Nach Siegen in Juniorenweltmeisterschaften und Österreichischen Meisterschaften feierte sie ihre größten Erfolge in dieser Saison, als sie Vizeweltmeisterin in der Abfahrt, und Silbermedaillengewinnerin im Super-G in Garmisch wurde. (Fotos: Martin Vandory)
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