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People | 25.04.2017

Rektorin mit Vision

Ambitionierte Wissenschaftlerin und Managerin – Sabine Schindler, Rektorin der UMIT in Hall, im Interview mit der TIROLERIN.

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„Ich kann als Rektorin viel bewegen und das macht mir großen Spaß.“ (Sabine Schindler)

Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren steht Universitätsprofessorin Dr. Sabine Schindler, die auch das Amt der Vizerektorin für Forschung an der Universität Innsbruck bekleidet,  an der Spitze der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall. Im Jahr 2002 als Professorin nach Tirol berufen, hat sie eine beeindruckende Karriere im Universitätswesen absolviert. Im Herbst dieses Jahres folgt nun ein weiterer Schritt in ihrer Laufbahn: Schindler gibt ihre Stelle als Vizerektorin auf und konzentriert sich zu 100 Prozent auf die UMIT. Die TIROLERIN hat mit der studierten Physikerin über die Vorteile einer jungen Universität und über vermeintliche Männerdomänen gesprochen.

TIROLERIN: Was waren die bisherigen Highlights während Ihrer Zeit als Rektorin?
Sabine Schindler: Das Wichtigste und Erfreulichste war sicherlich die erneute Akkreditierung der UMIT. Dies ist ein Qualitätscheck, den wir als private Universität in regelmäßigen Abständen absolvieren müssen und wofür wir auch sehr hart gearbeitet haben. Neben einem aufwändigen Antrag waren internationale Gutachter vor Ort und prüften uns auf Herz und Nieren. Dass sie unseren Forschungsprojekten, den didaktischen Konzepten und unserer gesamten Arbeit das beste Zeugnis ausgestellt haben, macht mich sehr stolz auf die UMIT.

Die UMIT feiert heuer ihr 15-jähriges Bestehen und ist somit, verglichen mit der Universität Innsbruck, die es bald 350 Jahre gibt, eine sehr junge Universität. Fällt es deshalb leichter, Neuerungen einzuführen?
Ich denke, gerade der Einsatz der neuen Medien ist eine unserer Stärken. So entwickeln wir derzeit den Lehrgang „Health and Information Management“, der nur auf neuen Medien basiert. Hier können die Studenten übers Internet Lehrinhalte nicht nur konsumieren, sondern müssen auch aktiv mitarbeiten. Der Vorteil: Sie sind dabei zeitlich absolut flexibel. Es gibt viele schöne, neue Wege des Lernens und Lehrens und ich sehe die UMIT da klar als einen Vorreiter.

Wohin soll es in Zukunft gehen?
Unser Ziel ist eine stärkere Internationalisierung. Einige Kontakte haben wir bereits geknüpft, und es gibt  auch immer wieder Studenten, die ins Ausland gehen. Aber wir wünschen uns noch mehr Kooperationen mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen. Zusätzlich wollen wir die Mobilität unserer Studierenden fördern und sie in die Welt hinausschicken, das wird auch im Berufsleben immer mehr gefordert.
Stichwort Kooperationen: Es gibt immer wieder übergreifende Projekte der UMIT und Uni Innsbruck. Wie darf man sich das vorstellen?
Ein sehr erfolgreiches Projekt ist beispielsweise das gemeinsame Mechatronik-Studium. Dies wird seit letztem Herbst auch in Osttirol angeboten – selbstverständlich wieder als Kooperation der Leopold-Franzens-Universität und der UMIT.

Warum hat man sich für Osttirol als weiteren Standort entschieden?
Ein solches Angebot fehlte bisher in Osttirol, und wenn die Leute woanders ausgebildet wurden, kamen nur wenige zurück. Die dort ansässigen Firmen und die Industrie wünschten sich also explizit eine Universitätsausbildung, auch in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck. Ein weiteres  gemeinsames Studium, das sehr erfolgreich ist, ist das Bachelorstudium Wirtschaft, Gesundheits- und Sporttourismus in Landeck. Auch das ist auf Wunsch der ansässigen Tourismusbranche entstanden, da es im Bezirk vermehrten Bedarf an solchen Absolventen gibt. Das Studium findet  großen Anklang und zeigt: Wenn man es richtig macht, dann funktionieren Kooperationen hervorragend.

Arbeitet die UMIT auch mit anderen Hochschulen zusammen?
Ja, wir haben als Tiroler Hochschulen die Tiroler Hochschulkonferenz ins Leben gerufen, bei der wir uns regelmäßig treffen und gemeinsam den
Tiroler Hochschulball organisieren oder auch den Hochschulempfang. Zusätzlich gibt es Forschungsprojekte mit der Medizinischen Universität. Mit dem Masterstudiengang „Public Health“ ist ein Studium geplant, an dem sowohl die Medizinische Universität, die  Universität Innsbruck und die UMIT beteiligt sind. Auch mit der FH Gesundheit arbeiten wir unter dem Stichwort „Akademisierung der Pflege“ eng zusammen. Wir vernetzen uns immer besser und versuchen alle Synergien zu nutzen.

 

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„Frauen sollen sich nicht abhalten lassen.“ (Sabine Schindler)

Sie geben im Herbst Ihre Position als Vizerektorin für Forschung an der Universität Innsbruck auf und widmen sich zu 100 Prozent der UMIT. Was waren Ihre Beweggründe?
Es wurde von Senat und Universität  Innsbruck gewünscht, dass ich die Doppelfunktion aufgebe. Keine leichte Entscheidung für mich, aber hier an der UMIT haben wir so viele Projekte angestoßen und ich bin von so vielen motivierten Menschen umgeben. Ich kann hier viel bewegen, neue Ideen einbringen und das macht mir wirklich viel Spaß.

War es schon immer Ihr Wunsch, Rektorin zu sein?
Nein, das hat sich ergeben. Bereits während meiner Dissertation habe ich Studenten betreut. Als ich dann Post-Doc war, wurde daraus eine Gruppe von Studenten. Diese wuchs, und so mussten Projekte her, damit man diese Gruppe auch bezahlen kann. Schon ist man Projektmanagerin. Ich habe oft große internationale Projekte und Kommissionen geleitet und irgendwann ist man dann Manager und wird so dann auch zur Rektorin.  Heute sehe ich mich fast ausschließlich als Managerin.

Fehlt Ihnen die Forschung?
Ein bisschen. Ich glaube, das kann man nie ganz lassen. Ich halte auch immer noch öffentliche Vorträge und das möchte ich nicht missen.
Sie haben ja ursprünglich Physik studiert. Warum haben Sie sich für dieses Studium entschieden?
Zahlen und Zusammenhänge zu erforschen, aber auch Naturgesetze –  das machte mir immer schon sehr großen Spaß. Ich habe meine Entscheidung auch nie bereut, denn das Studium ist sehr vielseitig. Physiker findet man heutzutage in allen Bereichen. Sie lernen, wie man Projekte richtig angeht und durchführt.

Warum entscheiden sich so wenige Frauen für ein Physikstudium?
Ich war sehr lange in der Studienberatung in Innsbruck tätig und bekam dort viele Anrufe von jungen Frauen. Sie wären interessiert am Fach Physik, doch in der Schule wurde ihnen vom Lehrer abgeraten: Ein Physikstudium sei nichts für Frauen. Ich habe versucht, gegen genau diese Vorurteile anzukämpfen, aber wenn man sich die Zahlen ansieht, hat sich nicht wirklich etwas getan. Das finde ich sehr schade, gerade weil es ein interessantes und vielseitiges Studium ist.

Also trauen sich viele Frauen zu wenig zu?
Ja, beziehungsweise wird ihnen eingeredet, dass manches nichts für sie ist. Vielleicht liegt es auch an den Lehrern. Wir haben versucht, hier anzuknüpfen, aber es gibt schon viel  zu wenige Physiklehrer. Ich würde mir wünschen, dass sich in den gesamten MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) einfach mehr Frauen hineintrauen.

Haben Sie einen Rat an junge Frauen, die Karriere machen wollen?
Lassen Sie sich unter keinen Umständen abhalten –  nicht von Lehrern oder bestimmten  Konventionen. Gehen Sie Ihren Weg und wenn es Spaß macht, werden Sie auch erfolgreich sein.

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Fotos: Birgit Pichler

LAUFBAHN

Sabine Schindler (56) studierte Physik in Erlangen, ihre Dissertation legte sie am Max-Planck-Institut ab.  Anschließend arbeitete die Wissenschaftlerin unter anderem in Kalifornien und England, bevor sie im Jahr 2002 für ihre Professur nach Innsbruck kam. An der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck leitete sie bis zu ihrer Berufung zurVizerektorin für Forschung im Jahr 2012 das Institut für Astro- und Teilchenphysik. Zwei Jahre später wurde Schindler zusätzlich Rektorin der Privaten Universität für Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall.
Ab Herbst dieses Jahres wird sich die Physikerin zu 100 Prozent der UMIT widmen.

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