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People | 06.11.2017

Hoch Hinaus

Der Innsbrucker Flughafen erstrahlt schon bald in neuem Glanz. Direktor Marco Pernetta spricht im Interview mit der TIROLERIN über die umfassende Modernisierung, konkrete Hotelpläne und neue Destinationen.

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Fotos: Birgit Pichler

Seit dreieinhalb Jahren ist Marco Pernetta als Direktor am Flughafen Innsbruck tätig. Im Gespräch mit der TIROLERIN erzählt er, welche Destinationen in Zukunft reizvoll sind und warum eine Modernisierung des Terminals dringend nötig ist – Baustellenbesichtigung inklusive.

TIROLERIN: Erstmals sind Amsterdam und London ganzjährig mit Direktflügen von Innsbruck aus verbunden. Was erhoffen Sie sich davon?
Marco Pernetta: Eigentlich war das eine Lücke, die uns immer wieder geärgert hat. Im September wurden die Flüge eingestellt und im Dezember zu Weihnachten ging es dann wieder los. Mit unseren wichtigsten Partner-Airlines easyJet, Transavia und British Airways haben wir diese Lücke jetzt geschlossen. Natürlich gibt es Termine im Oktober oder auch Mitte November, an denen die Buchungslage bei einzelnen Flügen noch nicht so gut ist. Vor allem der Flug unter der Woche ist eher schwierig. Am Wochenende ist es aber besser. Und rund um den Nationalfeiertag und die Herbstferien sind die Flüge sehr gut ausgelastet.


Wie lange vorher müssen die Zieldestinationen  festgelegt werden? Und wie schnell muss man auf aktuelle Ereignisse reagieren?
Reagieren muss man gerade im Moment aufgrund der Entwicklungen bei airberlin und ganz aktuell auch bei Monarch sehr schnell. Im Grunde gibt es jeden Tag Neuigkeiten. Grundsätzlich werden die Flüge im Linienverkehr ein Jahr vorher ins System gestellt. Das heißt, wir müssen uns mit den Airlines lange vorher geeinigt haben, was wir im nächsten oder übernächsten Jahr anbieten. Der Sommer 2018 ist eigentlich schon fixiert. Wir sind in der Planung schon beim Winter 2018/2019. Wenn aber unvorhergesehene Dinge passieren, muss natürlich sehr schnell reagiert werden.

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Welche Destinationen sind für die Zukunft geplant?
Es gibt strategische Ideen, die sich aber auch sehr schnell ändern können. Wenn man an die Türkei denkt, hätte vor zwei Jahren noch jeder gesagt: ein toller Markt. Das Thema ist von 100 auf 0 gegangen. Wir hatten dieses Jahr im Sommer erstmals seit 20 Jahren keine Flüge mehr in die Türkei. In solchen Fällen muss man schnell reagieren. Grundsätzlich gehen wir aber ganz klassisch vor. Wir schauen uns an, wo die Tiroler gern hinwollen und wer ein Partner sein könnte. Und auch, wo unsere Gäste herkommen. Wo sich potenzielle Märkte befinden, wie etwa Belgien. Wir haben jetzt zwei Mal pro Woche Flüge von und nach Antwerpen. Ein weiterer aus strategischer Sicht sinnvoller Markt wäre zum Beispiel Polen. Die Nächtigungszahlen und die Besuche von polnischen Touristen sind seit Jahren positiv. Das ist das nächste langfristige Thema.  


Die Hotelpläne am Flughafen nehmen langsam Gestalt an. Wie ist der Stand der Dinge?
Der Grundsatzbeschluss, dass man dieses Terminal drastisch umbauen beziehungsweise fast komplett abreißen und neubauen muss, ist gefallen. Im Zuge dessen wollen wir das Thema Hotel entweder abhaken oder umsetzen. Wir bereiten Unterlagen für einen Architekturwettbewerb für das gesamte Terminal vor, der nächstes Jahr stattfinden soll. Parallel dazu laufen bisher sehr erfolgreiche Gespräche mit potenziellen Hotelbetreibern. Wir werden sehen, ob sich bis zum Jahresende ein Partner rauskristallisiert, der vom Konzept her passt und mit dem es sich auch wirtschaftlich rechnet. Vom regionalen Hotelier bis hin zum internationalen Konzern ist derzeit alles mit dabei.


Kommt die geplante Vielfliegerlounge noch heuer? Wann ist der neue Bürotrakt fertig?
Die Inbetriebnahme vor allem der Vielfliegerlounge, auf die viele Stammkunden schon warten, sowie des VIP-Raums ist für 1. Dezember geplant. Der neue Bürotrakt für die Verwaltung wird ebenfalls um diese Zeit herum fertig.


Wie wichtig ist es für den Eindruck der Gäste, dass der Innsbrucker Flughafen modernisiert wird?
Sehr wichtig. Es ist essentiell. Hier haben wir sicher derzeit noch eine Schwäche. Wenn man sich das Niveau anschaut, auf dem sich die Tiroler Hotellerie und Betriebe bewegen – auch im internationalen Vergleich – und dann zu diesem Flughafen kommt, der noch den Charme der 60er-Jahre hat, sieht man, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Das ist allen Verantwortlichen auch vollkommen klar.

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Foto: Shutterstock

Die Menschen scheinen zunehmend nahegelegene Destinationen zu bevorzugen. Auch der Abflug direkt von Innsbruck ist für immer mehr  Menschen reizvoll. Entwicklungen, die Ihnen sicher entgegenkommen?
Im Incoming spielt uns wie dem ganzen Land in die Karten, dass viele nicht mehr auf Fernreisen gehen und auch bestimmte Mittelmeerdestinationen für viele nicht in Frage kommen, weil sie entweder überfüllt sind oder man aus anderen Gründen nicht mehr hinfliegen will. Wir profitieren also sicher davon, dass mehr Gäste herkommen. Dazu kommt, dass viele Leute bereits mit Low-Cost-Airlines geflogen sind. Viele waren zum Beispiel auch schon in den Arabischen Emiraten. Eigentlich haben viele gemerkt, dass sie sich, wenn sie mit einem heimischen Veranstalter in Urlaub fliegen, um viel weniger kümmern müssen und mehr Erholung haben. Und es preislich unterm Strich – wenn man fair rechnet – auch nicht viel teurer ist.


Der Sicherheitsaspekt wird immer wichtiger. Wie reagiert man darauf?
Von den Vorschriften sind wir genauso streng reguliert wie jeder Großflughafen. Wir müssen sehr viel investieren, es gibt mehrere Millionen Euro Budget allein für die Sicherheit. Ich glaube, dass sich die Fluggäste über die Jahre daran gewöhnt haben. Und leider aufgrund der traurigen Vorfälle, die es gegeben hat, Kontrollen heutzutage viel weniger in Frage stellen als vielleicht vor fünf Jahren.


Welche Pläne haben Sie langfristig für den Flughafen Innsbruck?
In erster Linie die Modernisierung. Darauf liegt der Fokus. Das Flughafenareal soll belebt und ausgebaut werden. Die Leute sollen stolz zum Flughafen kommen. Und sich gerne hier aufhalten. Und natürlich wollen wir eine bestmögliche Anbindung für Einheimische und Gäste gewährleisten.


Was ist ein Reise-Muss für 2018?
Was für viele Reisende sicher interessant ist: Wir werden im kommenden Sommer Flüge mit Idealtours auch unter der Woche zu Feriendestinationen in Süditalien und Griechenland anbieten, die am Wochenende dann nochmal angeflogen werden. Auf diese Weise ist es möglich, auch für Kurztrips oder 10 Tage in den Urlaub zu fliegen. Die kurze Form des Urlaubs ist stark nachgefragt. Ich denke, dass dieses Angebot rege Nachfrage finden wird.

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