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People | 15.11.2016

look! into my life

Manchmal wird man gezwungen, über den eigenen Beruf zu reflektieren. Ich bin gerade in dieser Phase.

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"Wenn ich gefragt werde, was ich den ganzen Tag so mache, weiß ich oft nicht, was ich antworten soll." - Uschi Pöttler-Fellner

In einer Familie, die vom Schreiben lebt, ist viel vom Schreiben die Rede. Und von den Magazinen und Zeitungen und digitalen Plattformen, auf denen etwas geschrieben wird. Ich gestalte Magazine und habe, im weitesten Sinn, einen schreibenden Beruf. So wie ein Polizist, der im weitesten Sinn einen  Verbrecherfänger-Beruf hat. Oder ein Arzt, der einen lebensrettenden Beruf hat, oder ein Baumeister, der einen aufbauenden Beruf hat ... okay, das war jetzt nicht ganz schlüssig, aber Sie wissen, was ich meine.


Wäre ich Polizistin, wüssten Kinder genau, was ich mache. Verbrecher fangen, zum Beispiel. Wäre ich Architektin oder Baumeisterin, würden sie die Häuser sehen, die ich gebaut habe, und wäre ich Bäuerin, würden sie wissen, dass ich Kühe melke und den Stall ausmiste. Sie hätten eine Vorstellung davon, was ich den ganzen Tag so treibe.

Von einer Journalistin und Magazinmacherin haben Kinder keine Vorstellung. Die schreibt. Und macht. Warum, weiß kein Mensch so genau. Ich habe einen abstrakten Beruf, und meine Kinder konnten sich, als sie klein waren, unter mir, wenn ich im Büro war, überhaupt nichts vorstellen. Ich war halt nicht da.


Natürlich habe ich sie so oft wie möglich in die Redaktion mitgenommen, um ihnen den Alltag einer Journalistin zu zeigen. Gut, erwischt! Ich habe sie weniger aus Bildungs- und mehr aus „Weil keiner daheim war“-Gründen ins Büro mitgenommen, aber der Alltag einer Working Mom lässt sich gut mit Bildungsaufträgen jeder Art kombinieren. Finde ich.

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Neu. Uschi Fellners neues Buch „Chanel hat Tiffany heute ins Ohr gebissen“, echomedia buchverlag, www.amazon.de und im Buch- Fachhandel.

Immer, wenn ich nach einem Tag im Büro nach Hause komme, frage ich das gerade zu Hause befindliche Kind (in unserer Patchwork-Familie
ändert sich die Kinder-Zusammensetzung häufig): „Na, was hast du heute den ganzen Tag gemacht?“ Das Kind erzählt dann, mehr oder weniger lustvoll,
von seinem Tag (Pubertierende neigen zur Antwort: „Nix!“). Wenn ich gefragt werde, was ICH den ganzen Tag gemacht habe (kommt gelegentlich
vor), weiß ich nicht genau, was ich antworten soll.


Ich habe geschrieben. Und Termine gemacht. Und wieder geschrieben. Und Leute getroffen und über das Schreiben und über die Termine geredet. Und so halt. Mühsam versuche ich dann zu erklären, was ich im Büro so mache. Und denke: Schade, dass ich keine Polizistin oder Feuerwehrfrau bin. Dann könnte ich vom Verbrecherfangen oder Feuerlöschen erzählen, das macht mächtig was her! Aber Schreiben? Sogar „Kühe melken“ hört sich spannender an.


Letzte Woche war ich in einer Volksschule, um den Kindern zu erklären, was Journalisten machen. Eines der Kinder fragte: „Hast du Harry Potter geschrieben?“ „Leider nein“, sagte ich. „Warum nicht?“, fragte das Kind. „Weil mir die Geschichte nicht eingefallen ist“, antwortete ich. Dann plauderte ich darüber, dass ich manchmal nicht weiß, worüber ich schreiben soll. Und nachdenken muss. Die Kinder hörten andächtig zu, dann sagte der Harry-Potter-Fan: „Wenn dir nix einfallt, mach doch lieber einen Beruf, den du richtig gut kannst!“ Darüber muss ich jetzt echt nachdenken.

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