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People | 07.06.2017

"Film ist für mich etwas Magisches"

Festivaldirektor Helmut Groschup im Interview mit der TIROLERIN über das Internationale Filmfestival Innsbruck und die Zukunft des Kinos.

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Fotos: Martin Vandory

Ursprünglich gegründet im Jahr 1992, anlässlich des 500-jährigen Gedenkens der Eroberung von Amerika, unter dem Namen „American Film Festival“, lief  in diesem Mai bereits die 26. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Innsbruck (IFFI) über die Leinwand. Wir haben Festivaldirektor Helmut Groschup, der das IFFI vor 26 Jahren aus der Taufe  hob, zum Interview getroffen.


TIROLERIN: Was macht das IFFI zu etwas Besonderem?
Helmut Groschup: Bei jedem zweiten Film, der gezeigt wurde, ist jemand vor Ort, der bei der Produktion dabei war. Das heißt, ich kann mich mit diesen Leuten entspannt unterhalten, über den Film sprechen, mit dem Regisseur oder dem Schauspieler ein Foto machen. Die Regisseure bekommen so persönliches Feedback, das ist viel mehr wert als eine anonyme Bewertung im Internet. Unser Publikum ist auch sehr selbstbewusst. Die Menschen sind sehr ehrlich und so kann man ganz locker und einfach diskutieren.


 Beim IFFI werden auch Filme aus dem Osten, Asien, Lateinamerika  oder aus Afrika gezeigt. Was ist der Unterschied zwischen solchen Produktionen und Blockbustern aus Hollywood?
Das kann man sehr gut mit Musik vergleichen. Es gibt Musik, die in Discos gespielt wird, zu der man tanzen kann und die unterhalten soll. Und dann gibt es Musik, die zum Nachdenken anregt, und so ist es auch mit unseren Filmen. Natürlich verfügen diese Produktionen auch über weniger Geld, aber sie bieten auch eine ganz andere Form der Unterhaltung.


Muss ein guter Film heutzutage zwingend bestimmte zeitkritische Themen aufgreifen?
Gewisse Entwicklungen werden sich immer wiederfinden. 2016 hatten wir sehr viele Filme rund um die Flüchtlingskrise und auch in diesem Jahr wurde das häufig wieder aufgegriffen. Aber das steuern nicht wir, sondern die Weltpolitik, und die Menschen kommen und sehen sich das an. Wer, wenn nicht die Künstler bringen diese Themen ans Tageslicht und das natürlich in ganz unterschiedlicher Art und Weise, manchmal auch nur im Hintergrund. Aber ja, das Zeitkritische spielt immer eine Rolle – gerade auch in den Filmen, die wir zeigen.

 

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Sind irgendwann alle Geschichten erzählt?
Ja, schon „hundertausend“ Mal. Das ist die Krux jeder Kunst. Die Maler haben immer schon nackte Frauen gemalt, die Filmer immer schon Liebesfilme gedreht. Es gibt ein paar Grundmotive in der Kulturgeschichte und diese wiederholen sich ständig und werden kombiniert. Da gibt es Eifersucht, Neid, Vatermord, das Ende der Welt, ...  all das wurde schon in der Bibel erwähnt und wird ständig mit neuen Methoden und  Mitteln hervorgeholt. Natürlich kommt auch Neues auf, aber das sind oft nur kleine Details eines größeren Themas.


Wie geht es weiter mit Kino? Welche Auswirkungen hat das veränderte Fernsehverhalten und Netflix & Co.?
Das ist ein spannendes Thema, das auch in Cannes eine Rolle gespielt hat. Dort wurden zum ersten Mal unter Protest der Kritiker Filme von Netflix gezeigt. Das ganze ähnelt einem Wildwuchs, und es gibt noch kein Regelwerk, das das einbremsen könnten. Schon seit 70 Jahren wird prophezeit, dass das Kino stirbt: durch die Erfindung des Farbfernsehens, das Aufkommen von Videokassetten oder die Flatscreens. Und jetzt durch Netflix ist die Debatte wieder aufgeflammt. Es ist sehr schwer, die junge Generation ins Kino zu bringen, und ich glaube, das Kino steckt in einer Krise. Die Filmwelt wird sich komplett verändern. Ich denke, in Zukunft wird es mehr um den Eventcharakter gehen, wie bei Filmmuseen, Freiluftkinos mit riesengroßen Leinwänden, wo die Menschen zusammensitzen und sich unterhalten können, oder eben auch beim Filmfestival.


Was fasziniert Sie persönlich am Medium Film?
Film hat für mich etwas Magisches. Er ist nicht Tanz, Theater, Zirkus oder Oper – er hat von allem etwas, und ich kann gar nicht genau sagen, wovon die Faszination für mich ausgeht, sie war einfach schon immer da. Ein Licht- und Schattenspiel mit unendlichen Möglichkeiten. Ich erinnere mich gern an die ersten Kinos, die wir führten. Wir haben  alles selbst gemacht: Bier ausgeschenkt, Karten verkauft, die Filme abgeholt  und auch vorgeführt, und wenn der 35-Millimeter-Film gerissen ist, mussten wir erst das Licht anmachen und den Film wieder kleben. Es war damals ganz anders, aber eine tolle und aufregende Zeit.


Internationales FilmFestival Innsbruck (IFFI)

Auch in diesem Jahr zeigte das IFFI von 23. bis 28. Mai wieder 75 Lang- und Kurzfilme aus Lateinamerika, Afrika, Zentralasien und Osteuropa. Der Ehrenpreis wurde an die Filmproduzentin Franziska Reck verliehen, die das Festival seit über zwölf Jahren mit ihren Filmen bereichert. Neben Viennale, Diagonale und Crossing Europe gehört das IFFI  zu den wichtigsten österreichischen Filmereignissen und ist ein internationales Filmevent in Westösterreich.
www.iffi.at

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