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People | 14.04.2016

"Für uns war sie nie eine Karrierefrau!"

„Eingeschlafen sind wir zum Klappern von Mamas Schreibmaschine“, erinnern sich Johannes und Rudolf, Söhne von Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss. Ein Talk über Familie, Patchwork, Karriere & Ziele!

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Dream-Trio. Mutter Irmgard Griss mit Söhnen Rudolf (l., 28) und Johannes (r., 31) auf ihrer Terrasse in Graz. © Mathias Assefi

Sie ist eine Karrieremutter durch und durch. Fünf -Kinder hat Irmgard Griss großgezogen, während sie -zwischen Wien und Graz pendelte und als Richterin arbeitete. „Kinder und Karriere zu vereinen, erfordert in erster Linie sehr viel Selbstdisziplin“, sagt sie heute über ihre Zeit als Mutter und Karrierefrau und sie möchte noch hoch hinaus. „Die Kandidatur ist einerseits eine sportliche Herausforderung, andererseits die Möglichkeit, etwas zu bewirken!“ Auf einer Parkbank in der Sonne zu sitzen und die Pension genießen, wäre für sie nichts.

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Packer Stausee. Familienurlaub mit ihrem Mann und Söhnen Rudolf & Johannes. © Mathias Assefi

look: War Ihnen schon immer klar, dass Sie eine Karrierefrau zur Mutter -haben, die ganz hoch hinaus will?

Rudolf Griss: Als wir klein waren, haben wir unsere Mutter überhaupt nicht als Karrierefrau wahrgenommen. Sie hat immer von zu Hause aus gearbeitet. Wir haben eigentlich gar nicht bemerkt, dass unsere Mutter berufstätig war. Nur abends, nach der Gute-Nacht-Geschichte, war das Arbeitszimmer von Mama hell erleuchtet und wir schliefen zum Klappern der Schreibmaschine ein.

Johannes Griss: Ich weiß es noch ganz genau: Einmal pro Woche, das war immer Montag auf Dienstag, fuhr sie nach Wien zum Gericht, aber die restliche Zeit war sie nur für uns da. Später haben wir schon gemerkt, dass sie große Herausforderungen mag. Besonders seit sie die Hypo-Kommission geleitet hat und sich für die Kandidatur entschieden hat, fordert sie sich selbst garantiert mehr, als das andere Menschen tun.

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Glückliche Kindertage. Irmgard Griss war schon als Kind immer fröhlich und trägt heute noch allzeit ein Lächeln im Gesicht (ganz rechts, stehend). © Mathias Assefi

look: Das klingt nach einem 80-Stunden-Job: Richterin, fünf Kinder zu Hause und auch noch pendeln?

Irmgard Griss: Ich hatte das Glück, als Richterin die meiste Zeit von zu Hause aus arbeiten zu können. Natürlich ist das oft hart, und abends, wenn die Kinder ins Bett gehen, sitzt man dann über den Akten, anstatt ein Glas Wein zu trinken. 

look: Haben Sie einen Geheimtipp für berufstätige Frauen?

Irmgard Griss: Man muss seine Zeit natürlich extrem gut nützen und ich musste meine Akten schaffen, auch wenn zu Hause etwas dazwischenkam. Das erfordert natürlich sehr viel Selbstdisziplin. Ich war aber glücklich, dass dies überhaupt möglich war und ist. In vielen Berufen haben Frauen keine Chance, von zu Hause aus zu arbeiten und bei den Kindern zu sein. Das ist heute wie damals sehr schwer für Frauen. Das Schlimmste ist, wenn Mütter, die nebenbei arbeiten möchten oder auch müssen, als Rabenmütter bezeichnet werden, weil sie nicht rund um die Uhr bei ihren Kindern sein können. Für Kinder ist es entscheidend, dass sie eine Mutter haben, die für sie da ist. Das muss nicht rund um die Uhr sein, darauf kommt es nicht an. Sie muss für die Kinder da sein, mit ihrem Leben im Gleichgewicht sein, darauf kommt es an.

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© Mathias Assefi

look: Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen sie sich gewünscht hätten, ganz zu Hause bei den Kindern sein zu können? Ohne mit den Gedanken im Büro sein zu müssen?

Irmgard Griss: Ich habe meinen Job nie infrage gestellt, ich wollte meinen -Beruf nie aufgeben. Wenn man als Mutter Karriere machen möchte, sollte man es versuchen. Man muss natürlich sagen, dass ein verständnisvoller Dienstgeber sehr wichtig ist und ein Mann, der unterstützt. Ohne Hilfe ist es sehr schwer.

look: Apropos Mann – Sie sind seit fast 40 Jahren glücklich verheiratet. Fehlt neben fünf Kindern und Karriere nicht oft die Zeit füreinander? Und jetzt auch noch die Kandidatur zur Bundespräsidentin?

Irmgard Griss: Das Geheimnis sind unsere gemeinsamen Interessen. In erster Linie ist das unser Beruf. Wir können das gemeinsam leben und erleben – wenn man beruflich die Interessen teilt, ist das viel einfacher. Mein Mann unterstützt mich bei meiner Kandidatur, und auch als Bundespräsidentin werde ich mir Zeit für meinen Mann und die Familie nehmen. Das darf man nie vergessen.

look: Verträge, Recht und Politik: Waren das die Themen am Mittagstisch der Familie Griss?

Rudolf Griss: Wir haben immer gemeinsam zu Mittag gegessen und ja, die Eltern haben meist Rechtsfälle diskutiert. Sie sind ja beide Juristen, und da ging es natürlich oft um Fälle und die Arbeit … aber für uns war es ganz normal, dass Rechtsprobleme Tischthema Nummer eins waren.

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FAMILY-TALK. Söhne Rudolf und Johannes Griss erinnern sich gerne an die Kinder­tage und die juristischen Diskussionen am Mittagstisch. © Mathias Assefi

look: Also ihr konntet mit zehn Jahren besser Verträge aufsetzen als Modellautos zusammenbauen?

Johannes Griss: (lacht) Ja, das mag sein, aber wir waren mehr die LEGO-Familie … also es wurde auch viel gebaut, nicht nur diskutiert. Ich denke, wir haben auch andere Fragen gestellt als unsere Freunde. Bei uns Kindern gab es nach jeder Aussage ein „Warum?“. Wir wollten immer alles verstehen.

look: Familienurlaub in der Familie Griss … wie sieht das aus?

Rudolf Griss: In den Semesterferien waren wir alle Ski fahren, und im Sommer waren wir in unserem Ferienhaus auf der Pack.

Irmgard Griss: Da sind wir auch heute noch. Mein Mann und ich sind oft im Haus am Packer Stausee. Die Kinder mit den Enkelkindern kommen auch noch gerne vorbei. Dort trifft sich dann die ganze Familie. Neben Feiertagen wie Ostern und Weihnachten ist das Haus auf der Pack der familiäre Mittelpunkt.

look: Sie haben fünf Kinder, zehn Enkel-kinder und haben beruflich so viel erreicht. Würden Sie nicht lieber Oma spielen und Ihre Pension genießen, als Bundespräsidentin zu werden?

Irmgard Griss: Genießen heißt ja nicht nur, in der Sonne auf einer Parkbank zu sitzen. Genießen heißt für mich, etwas zu erreichen und verändern zu 

können. So kommt auch viel zurück. Das bedeutet für mich, ein erfülltes Leben zu führen. Wenn ich weiß, dass ich etwas anstoßen kann, etwas zum Guten entwickeln kann – das ist für mich Erfüllung.

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Familie Griss im look!-Talk! © Mathias Assefi

look: Mit 69 – nach solch einer Bilderbuch-Karriere und einem erfüllten Leben mit glücklicher Ehe und Kindern – in -einen Wahlkampf zu gehen … war das eine Herzensangelegenheit von Ihnen oder warum tun Sie das?

Irmgard Griss: In den Wahlkampf zu gehen ist eine große Herausforderung, das stimmt auf jeden Fall. Aber man bekommt so viel positives Feedback von Unterstützern, das macht natürlich Freude, und das größte Geschenk für mich ist, wenn ich etwas verändern kann. Es gibt so viel zu tun in unserem Land, und einen Beitrag zu leisten ist eine Herzensangelegenheit von mir, daher mache ich es. Es lohnt sich auf jeden Fall.

look: Wie hat die Familie reagiert, als die Idee zu einer Kandidatur für die Bundespräsidentin ausgesprochen wurde?

Rudolf Griss: Unsere Mutter ist auf keinen Fall der Typ, der zu Hause sitzt und die Pension genießt. Sie wollte schon immer etwas bewirken, und diese Chance sollte sie jetzt ergreifen. Das wissen wir, und wir wissen auch, dass sie etwas bewirken kann. Daher unterstützen wir sie.

look: Hat Ihre Mutter auch schlechte Eigenschaften?

Johannes Griss: Oh ja, sie vergisst oft zu essen. Unser Vater hat ihr, als sie Präsidentin des Obersten Gerichtshofs wurde, Essensgutscheine für Mittagessen für die gesamte Zeit ihrer Präsidentschaft geschenkt. Diesen Gutschein gab es, glaube ich, vor und nachher nie wieder in diesem Restaurant.

Irmgard Griss: Ach ja, das stimmt, für das Restaurant Lebenbauer in Wien war das. Ich habe dann aber irgendwann wieder gezahlt. Es war mir unangenehm, nach Jahren noch immer mit dem Gutschein zu zahlen (lacht).

look: Ihre beste Eigenschaft?

Rudolf Griss: In meiner Erinnerung von früher ist das eindeutig Problembewältigung. Wenn sich Probleme stellen, bleibt sie gelassen und fragt sich objektiv: Was ist in dieser Situation die beste Lösung? Sie bleibt sachlich und nimmt sich selbst heraus. Unsere Mutter dachte nie, wie eine Aussage beim anderen ankommen würde oder ob das jetzt jemand falsch verstehen könnte, sondern entscheidet objektiv, was richtig und was falsch ist. Sie handelt nach bestem Wissen und Gewissen, das hat sie schon immer gemacht, egal ob in der Familie oder im Beruf. Sie macht eben, was in ihren Augen richtig ist, da hört sie auch nicht auf Berater.

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