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People | 08.04.2016

Es ist gut, so wie es ist!

Franziska Weisz ist die neue „Tatort“-Ermittlerin, brilliert ab April im Kinodrama „Hannas schlafende Hunde“, dreht gerade in Berlin und ab Sommer in der Steiermark den dritten Teil einer ORF-Koproduktion. Wir haben sie interviewt!

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Man landet stets bei den Menschen, zu denen man letztendlich auch gehört. - Franziska Weisz

Da kommt sie! Erfrischend, strahlend, unkapriziös und pünktlich. Und trotz unzähliger Pressetermine keineswegs gestresst. Kurz noch ein Telefonat mit ihrem Mann Felix Herzogenrath, dann ist Franziska Weisz ganz auf der Summerstage angekommen. Fast. Ein Schluck Kaffee muss noch sein. „Schön, wieder einmal hier zu sein“, sagt die 35-Jährige.

Heiß begehrt. Dass sie derzeit von einem Dreh bzw. Presse- und PR-Termin zum nächsten düst, freut sie. Vor allem die vielen Covers, die ihr der Neueinstieg als „Tatort“-Ermittlerin an der Seite von Wotan Wilke Möhring bescherte. Mit üppigem Langhaar lacht sie vom Titelblatt großer Magazine. Das sei so üblich. Hochgeschnallte Brüste und wallende Mähne dank vieler Stunden in der Maske. Nein, das störe sie nicht. „Ich finde das herrlich“, gesteht sie lachend. Früher beneidete sie so manche Kollegin ob ihrer prächtigen Haare. „Jetzt weiß ich, da steckt harte Arbeit dahinter.“ 

Authentisch. Für die extrem wandelbare Schauspielerin läuft es besser denn je. Seit zwei Jahren. Allerdings kennt sie auch Durststrecken und ist sich bewusst, dass sich in der Branche alles schnell ändern kann. Aber jetzt und hier und im Moment ist es wunderbar.

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Kongeniales Duo. Neu im Team mit „Tatort“-Kommissar Wotan Wilke Möhring: Franziska Weisz.

FRANZISKA IM INTERVIEW MIT LOOK!

look: Anfang April startet „Hannas schlafende Hunde“ mit Hannelore Elsner, Nike Seitz und Ihnen …

Weisz: Wir sind drei Generationen von Frauen jüdischer Herkunft, die während des Krieges versteckt wurden. Der Film spielt in den 60er Jahren in Wels und meine Tochter – Nike Seitz –ist mit neun in einem Alter, in dem sie Fragen stellt, die aber niemand beantworten möchte. Das Spannende an diesem Film von Andreas Gruber („Hasenjagd“) ist, dass er sehr aktuell ist.

look: Inwiefern?

Weisz: Jüngste Wahlergebnisse, rechte Demos. Das taucht ja nicht von heute auf morgen auf. Vielmehr, und darauf geht der Film ein, wurde diese braune Suppe vielleicht nie so ganz beseitigt. In dem Moment, in dem es eng wird und man sich bedroht fühlt, ist Fremdenhass das erste unnötige Schwimmflügerl, das man sich umschnallt.

look: Der Großteil zum Glück nicht …

Weisz: Auch ich bin guter Dinge, dass es wesentlich mehr intelligente als manipulierbare Menschen gibt. Es ist nur erschreckend, wie hemmungslos und offen dieser Hass gezeigt wird, ganz ohne Wahlgeheimnis. Dieser Film regt in dieser Hinsicht hoffentlich zum Nachdenken an!  

look: Ihre Rolle im Film zeichnet eine andere Art von Frau?

Weisz: Ja, sie sieht sich in der Opferrolle. Diese Frau hat ein Trauma. Sie hat einst den Preis dafür bezahlt, dass die Familie versteckt werden konnte, und mit diesem Trauma kommt sie nicht zurecht und flüchtet sich in den katholischen Glauben.

look: Sie sind auf komplizierte und sehr komplexe Rollen spezialisiert. Wäre nicht mal eine Komödie wünschenswert?

Weisz: Wahnsinnig gern! Andererseits sind komplizierte Charaktere sehr interessant … Meine deutschen Kollegen sagen ja immer: „Ihr Österreicher habt den geilsten Humor!“ (lacht)

 

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Verliebt & Verheiratet. Regisseur Felix Herzogenrath und Franziska Weisz haben im Juni 2015 in Italien geheiratet.

look: Wie viel Franziska Weisz steckt in Ihren Rollen?

Weisz: Ich habe vor kurzem einen Satz gehört, den ich ganz toll finde, nämlich: Man ist immer auch sein 
Gegenteil. Wenn ich spiele, schaue ich zuerst, wo ich anknüpfen kann. Spiele ich eine verbitterte Frau, dann über-lege ich, was hat diese Frau dorthin gebracht. Was müsste mir passieren, um so zynisch, böse oder einzelgängerisch zu reagieren? Meine Figuren sind immer viel von mir – mit einer großen Portion Fantasie und Empathie. Ich muss meine Rollen mögen und begreifen, sonst kann ich sie nicht darstellen.

look: Nach „Die Fremde und das Dorf“ bzw. „Ein Geheimnis im Dorf“ folgt bald ein dritter Teil dieser ORF-Koproduktion …

Weisz: Ja, wir drehen im Sommer erneut im steirischen Tragöß. Als Konstanze Breitebner, die Drehbuchautorin, nach dem ersten Teil zu mir sagte: „Da ist noch was!“, fühlte ich mich sehr glücklich. Das größte Kompliment, das man als Schauspieler kriegen kann.

look: Nicht die Romy, für die Sie heuer erneut nominiert sind?

Weisz: Aber natürlich! Die Romy ist ein Publikumspreis und wir machen unsere Arbeit ja fürs Publikum. Schauspieler lieben und brauchen die Wertschätzung der Menschen, das ist ein starker Antrieb.

look: Glauben Sie daran, dass jedem Menschen ein Weg vorgegeben ist?

Weisz: Eher nicht, aber ich bin davon überzeugt dass man tief in sich, also in seinem Unterbewusstsein, ein Bild hat, wie man sein Leben und sich selbst sieht. Auf diese Weise zieht man Menschen an. Vieles gilt als ein magischer Zufall, aber ich will nicht wissen, wie viele Möglichkeiten ich nicht ergriffen habe, weil ich sie einfach nicht realisierte. Man kann sich selbst unheimlich im Weg stehen. Und manchmal trifft man unbewusst Entscheidungen, die einen sehr weiterbringen.

 

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Drama im Wels der 1960er Jahre. Packend! In Andreas Grubers Film „Hannas schlafende Hunde“ (Kinostart am 1. April) spielt Franziska Weisz (mit dunkler Perücke) die extrem strenge Mutter der kleinen Johanna (Nike Seitz). Der Krieg ist zwar längst vorbei, in manchen Köpfen tobt er aber noch immer

TEXT Andrea Buday

FOTOS Arman Rastegar, Getty Images, ORF

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