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People | 27.10.2016

Eine Pressereise der etwas anderen Art

Maddie vom Blog DARIADARIA flog nach Gaza, um mit dem Vier-Pfoten-Team die letzten Tiere aus einem halb verlassenen Zoo zu retten. Uns erzählt die inspirierende Bloggerin, was sie dazu bewog und warum sie auf Extremes steht.

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Nicht wegsehen. Zum zweiten Mal war Maddie nun schon bei einer Tierrettung dabei. „Es ist eine Ehre für mich, dass die Vier Pfoten das möglich machen!“

"Ich wusste sofort da muss ich hin!"

Ein Kriegsgebiet muss man sich vorstellen wie ein leeres Niemandsland, keiner darf das Haus verlassen und du tust nichts außer warten“, erzählt mir Madeleine, die im August 2016 zuvor nach Gaza gereist war. „Der Krieg ist nun gut zwei Jahre vorbei und noch immer ist in Gaza viel zerstört und noch nicht aufgebaut, abgemagerte Esel laufen durch die Straßen und die Menschen haben fast nichts.“
Ein unkonventionelles Ziel für eine Blogger-Pressereise, würde man sagen. Passt gut zu Maddie von DARIADARIA, denn sie ist keine konventionelle Bloggerin.

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Fremde Welt. „Es gibt nichts Schlimmeres, als in einem Kriegsgebiet zu sitzen und nicht zu wissen, was morgen passiert. Man kann nur warten.“
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Vor sechs Jahren gründete sie den Blog dariadaria.com als Lifestyle-Blog. „Themen wie Mode, Beauty und Gourmet haben mich damals auf jeden Fall interessiert und man muss sagen, Blogs mit diesen Inhalten funktionierten damals auch einfach gut. Chiara Ferragni habe ich unter anderem sehr bewundert … muss ich gestehen!“, schmunzelt Maddie, während wir im Palmenhaus in der Sonne sitzen und Makava Bio-Eistee schlürfen. 2013 hat ihr dann die ZDF-Doku „Gift auf unserer Haut“ die Augen geöffnet – eine Doku über Leder und Gerberei in Bangladesch. „Ich habe von einem Tag auf den nächsten meinen Kleiderschrank umgedreht und Firmen, Herstellungsländer und Arbeitsbedingungen hinterfragt. Die Ergebnisse waren erschütternd. Wir kennen sie alle, wir schauen nur alle gerne weg.“

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Wir durften die wunderbare Maddie von DARIADARIA auf einen Drink im Palmenhaus treffen.

Die neue DARIADARIA. So hat sich Maddies Blog vom Style-Blog zum Conscious-Blog ent-wickelt. Sie schreibt über Menschenrechte, Umwelt, soziales Miteinander, -vegane Labels und Tierschutz. So kam es auch zur Reise nach Gaza, bei der Maddie mit den Vier Pfoten 15 Tiere aus dem ehemaligen Kriegsgebiet rettete, um ihnen ein neues Leben zu geben.

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look: Ein Zoo in einem ehemaligen Kriegsgebiet wie Gaza? Wie kann man sich das vorstellen?

Maddie: 2014 herrschte in diesem Gebiet 51 Tage Krieg. Es gab wenig Essen, nicht einmal für die Menschen gab es genug. Zusätzlich verließen die Menschen in dieser Zeit ihre Häuser nicht, es war also de facto keiner für die Tiere hinter Gittern da. Es gab noch mumifizierte Tiere aus dem Krieg in den Gehegen. Sie verhungerten im Krieg und bis heute wurden diese nicht bestattet. Das wurde aber vor unserer Ankunft noch schnell entsorgt, erzählte mir das Vier-Pfoten-Team.

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Zoo in Gaza. Als wir ankamen, erblickten wir mumifizierte Tiere, die seit dem Krieg da lagen.
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Wurden die überlebenden Tiere gut behandelt?

Das Problem ist, dass die Menschen in Gaza keine Ahnung haben, wie man ein wildes Tier gut hält, was es braucht. Sogar wenn sie Mittel gehabt hätten, wären die Tiere falsch gehalten worden. Laziz, der Tiger, wurde zum Beispiel mit einer Eisenstange hin und her getrieben und rund um die Uhr gelockt, damit er für die wenigen Gäste, die kamen, eine Show machte.

Der Zoo war also nach dem Krieg wieder gut besucht?

Naja, gut kann man nicht sagen. Es gibt seit dem Krieg im Gaza keinerlei Unterhaltungsprogramm. Keine -Kinos, keine Parks, Spielplätze oder Freizeit-areale. Was sollen die Leute in ihrer Freizeit tun? Der Zoo war die einzige Attraktion, daher kamen ca. 50 Menschen pro Tag, wurde mir erzählt. Das ist die Kehrseite bei der Rettungsaktion der Tiere. Der Zoo war eine der wenigen Unterhaltungsmöglichketienen der Menschen in Gaza.

Hat der Zoobesitzer den Zoo freiwillig aufgegeben?

Vier Pfoten hat lange darum gekämpft, bis der Zoobesitzer eingewilligt hat, dass die Tiere umgesiedelt werden. Sie hätten die Umstände in Gaza nicht mehr lange überlebt und ein Großteil der Tiere war bereits tot, als wir kamen.

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Und auch vor Ort hat alles reibungslos funktioniert?

Oh ja, man hat den Tieren richtig angemerkt, dass sie fühlten, dass etwas Besseres auf sie wartet. Als wir den Tiger für den Transport in die Holzbox gelockt hatten, war er ganz still und offen-sichtlich entspannt und beruhigt, dass er endlich seine Ruhe hat. Raus aus dem 5 m2 großen Betonkäfig, in dem er jahrelang gelebt hatte.

Wohin wurden die Tiere gebracht?


Für den Tiger ging die Reise zum Beispiel nach Südafrika, wo die Vier Pfoten ein Schutzareal für wilde Tiere haben, die aus Gefangenschaft wie Zoos, Zirkus oder Zuchtstellen kommen. Diese Tiere haben nie gelernt zu jagen, zu sprinten und wild zu leben. Dort werden sie gefüttert und haben ihr Land, in dem sie sich austoben können.

Warum war es dir wichtig, bei diesem Trip dabei zu sein?

Natürlich tut es oft weh, solche Dinge live zu sehen. Deswegen schauen wir ja gerne weg. Für mich sind solche Erlebnisse aber eine Bereicherung und ich sehe es als meine Aufgabe, darüber zu berichten. Außerdem ist die junge Generation keine Spender--Generation. Die meisten Menschen, die spenden, sind 50+. Daher können Blogger mit junger Leserschaft viel bewirken. Ohne Spenden wird es für die Vier Pfoten schwierig etwas auszurichten.

Wer einen Beitrag leisten möchte:
www.sicherspenden.at/vier-pfoten-at

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Angekommen in Südafrika
„Als ich heute Abend in Lionsrock in den Himmel starrte, sah ich die wunderschönen Sterne und mir wurde klar, dass die Menschen und Tiere in Gaza keine Sterne sehen.“
Zitat: Vier Pfoten

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Fotos Andrea Cislaghi

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