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People | 25.10.2017

Traditionell modern

Seit etwa einem Jahr ist Ferdinand Grüner Direktor der Landwirtschaftskammer Tirol, ein Jahr voller Termine inner- und außerhalb Tirols. Am liebsten verbringt Grüner seine Zeit jedoch mit der Familie zuhause in Silz. Dort durften wir den engagierten Viehwirt besuchen, der neben alter Schule auch innovative Progression schätzt.

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© Martin Vandory

Bereits die Eltern von Ferdinand Grüner wohnten in diesem Haus, dessen Grundmauern wohl schon einige Jahrzehnte mehr an dieser Stelle inmitten von Silz stehen. Davon sieht man – zumindest von außen – nicht mehr viel, das Haus wurde vor einiger Zeit von der Familie grundsaniert. „Wir wohnen jetzt seit rund acht Jahren in diesem Haus, nach einem Umbau von etwa fünf Jahren sind wir jetzt auch froh, fertig zu sein und unsere Ruhe zu haben“, erzählt Grüner. Heute wohnt die kleine Familie mit Ehefrau Ursula und den beiden Kindern Niklas und Emily in der obersten Etage des Hofes, der im Innern vor allem mit modernen Elementen überzeugt.

Modern konservativ. Zuvor war der Hof ganz klassisch in Wohn- und Stallraum geteilt, letztgenannten entfernte die Familie vollständig und baute dafür einen neuen Aufgang für alle drei Etagen. Während unten noch die Gewölbe und Originalmauern von der Geschichte des Hofes zeugen, wird es, nach oben steigend, zunehmend modern. Klare Farben und Formen begleiten Besucher in die oberen Stockwerke. Abstrakte Kunst im großen Format gibt dem Aufgang den nötigen Farbklecks, die stammt übrigens vom Onkel der Ehefrau Ursula. Und schon befinden wir uns mitten im Wohnbereich der kleinen Familie, in dem man sich trifft und die – wenn auch in den letzten Jahren weniger gewordenen – gemeinsamen Mahlzeiten miteinander verbringt. Am großen Tisch findet man sich zusammen, im gemütlichen Wohnzimmer wird fleißig musiziert. Hier findet Harfe und Hackbrett seinen Platz, ein angehender Schlagzeuger verbirgt sich vielleicht bei Sohn Niklas, der neben dem Trommeln auch fleißig Fußball spielt. „Im Grunde hat sich hier in Silz nicht viel verändert, auch ich bin als Bauernsohn aufgewachsen und war stets im Dorfleben fest integriert. Ich nenne mich da einen modernen Konservativen“, erzählt Ferdinand Grüner. Und trotzdem hat sich einiges verändert, besonders in den letzten Monaten nach der Ernennung als Direktor der LK Tirol.

 

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© Martin Vandory

Offiziell und privat. Natürlich habe sich der Stundenaufwand gemehrt, besonders auch was die Abend- und Wochenendtermine beträfe, meint Grüner im Gespräch. Aber es seien alles wichtige Aufgaben und der Kontakt zu Mitgliedern und Hilfesuchenden sei dem Direktor der LK nach wie vor wichtig. „Mein Tag beginnt zwischen 5.30 und 
6 Uhr, als Erstes werden die Tiere gefüttert, dann frühstücke ich zuhause mit den Kindern, starte gegen 8 Uhr ins Büro und komme am Abend zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause. Wenn ich es schaffe, gehe ich nach einem stressigen Tag mit vielen Gesprächen im Büro aber gerne in den Stall, dort kann ich abschalten“, erzählt Grüner lachend. Die besondere Beziehung zum Tier, die tiefe Verwurzelung mit der Landwirtschaft und allen voran eine gute Organisation macht diesen stressigen Alltag überhaupt möglich. Und natürlich die Unterstützung seiner Frau Ursula, die halbtags arbeitet, die Kinder und manchmal eben auch die Tiere versorgt. Alles in allem bleibt da nur das Wochenende für die Familienzeit und auch das ist manchmal schon verplant. Gerade aufgrund der wenigen Zeit zusammen wird das Zuhause für Familie Grüner noch wichtiger. Umso schöner, dass viel auch aus eigener Hand kommt.

Kraftakt. Der Umbau des Hofes dauerte etwa fünf Jahre, Vater Johann war am Umbau maßgeblich beteiligt. Da das Haus nicht unterkellert war, mussten die beiden im Erdgeschoss zuerst einmal einen Sommer lang graben, damit mit Beton aufgegossen werden konnte. Wo früher der Hühnerstall platziert war und heute eine moderne Wohnung unterkam, standen zur Zeit des Umbaus die Bagger. Schon vorher wurde das gesamte Stallgebäude entfernt und der Aufgang für die drei Stockwerke gestaltet. Ganze zwei Fotoalben füllen die Fotos vom umfangreichen Umbau. Dafür konnte die Familie mitsamt den Eltern, die das zweite Stockwerk bewohnen, wieder einziehen. Der Stall hingegen wurde 2008 an anderer Stelle neu aufgebaut.

Landwirtschaft der Zukunft. Und dorthin führt uns der engagierte Landwirt an einem freudigen Tag: Die Tiere, insgesamt etwa 20 Muttertiere, kommen mit ihren Kälbern von der Alm im Kühtai zurück. „Die Almsaison war heuer keine gute, da es im Sommer lange kalt blieb und im Spätsommer gab es bereits Schnee. Aber unsere Kollegen in Südtirol hatten noch einen viel schwierigeren Sommer, besonders was die Wölfe betrifft“, meint Ferdinand Grüner. Auch die LK Tirol beschäftigt sich mit diesem Thema, die Probleme mit wild gewordenen Kühen oder die Probleme um den Milchpreis sind nur zwei weitere prominente Beispiele. Wer heutzutage Landwirt ist, habe es nicht immer leicht, das gibt auch Grüner zu. Trotzdem gebe es in der Jugend nach wie vor das Interesse und auch den Willen weiterzumachen. Im Idealfall findet der junge Landwirt einen innovativen Weg. „Es gibt so viele Beispiele von wirklich innovativen Bauern in Tirol. Man muss hier als Kleinbauer natürlich den Weg über Kombinationsmöglichkeiten gehen, entweder mit Urlaub am Bauernhof oder einen anderen Zuerwerb, trotzdem glaube ich, dass die jungen Leute hier ihren Weg finden werden  sofern man sie lässt“, erklärt der engagierte Landwirt. Grüner, übrigens selbst ausgebildeter Jurist, würde seinen Kindern die Wahl offen lassen, und wenn Interesse besteht, den Jungen einfach mal ein Stück Land überlassen und sie selbst experimentieren lassen. „So wird die Jugend zur Landwirtschaft hingebracht, lass sie selbst probieren und auch Innovationen einbringen, die sie in der Ausbildung oder im Studium gelernt haben. So geht Landwirtschaft heute.“
Dass Landwirtschaft in Tirol übrigens auch nichts mehr mit dem urigen Hof zu tun hat, das zeigt sich ganz klar im Wohnraum der Familie Grüner. Bewusst neu, progressiv sein und trotzdem tief verwurzelt mit der Tradition, das schätzt der moderne Konservative aus Silz. Auf die bekannte Frage des Bauernbundes „Was wäre Tirol ohne Bauern?“ antwortet Grüner übrigens: „Wahrscheinlich nicht halb so schön. Tirol ist zwar ein Freizeitland, aber trotzdem sind die Grundlage für eine gepflegte Landschaft immer noch die Bauern.“

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© Martin Vandory

Hier einige Impressionen aus Silz:
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© Martin Vandory
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© Martin Vandory
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© Martin Vandory
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© Martin Vandory
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© Martin Vandory
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© Martin Vandory
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