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Lifestyle | 08.11.2017

Wenn Essen krank macht

Studien beweisen: Die Zahl von Nahrungsmittelunverträglichkeiten nimmt stetig zu. Was genau unter dem Begriff zu verstehen ist und wie es zu einer Intoleranz kommt? Wir haben bei Dr. Roland Fuschelberger nachgefragt.

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(© Shutterstock)

Fruktose. Laktose. Histamin: Begriffe, die wir heute in erster Linie mit Nahrungsmittelintoleranzen in Verbindung bringen. Unverträglichkeiten gelten dabei als immer wichtiger werdendes Thema, denn die leidigen Beschwerden schlagen nicht nur auf unsere Gesundheit – sie bestimmen auch den Alltag der Betroffenen maßgeblich mit. Ständiger Verzicht von Lebensmitteln, genaues Lesen von Angaben zu Inhaltsstoffen und Einschränkungen beim Kochen und Essen im Restaurant: Wer unter einer Intoleranz leidet, muss sich laufend mit seiner Ernährung auseinandersetzen. Dr. Roland Fuschelberger, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, hat uns erzählt, was es mit den gängigen Beschwernissen auf sich hat und warum die Liste der Betroffenen stetigen Zuwachs erfährt.  


Tirolerin: Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit eigentlich?
Dr. Roland Fuschelberger: : Meist handelt es sich dabei um einen Enzymmangel, der die Aufspaltung und Aufnahme der Nahrungsmittel verschlechtert, wie zum Beispiel Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz. Ein schulmedizinisch nicht anerkannter Ansatz ist die Erklärung, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten auch durch eine gewisse Immunreaktion auf Eiweißbestandteile in Lebensmitteln entstehen können. Die Stärke dieser Immunreaktion kann über einen Bluttest bestimmt werden.
Heute scheint es ja fast schon zum Trend geworden zu sein, auf Gluten, Kuhmilch oder ähnliches zu verzichten. Ab wann kann man tatsächlich von einer Unverträglichkeit sprechen?
Da gibt es keine einheitlichen Werte oder Richtlinien in der klassischen Medizin. Fakt ist, dass Ernährung in den letzten Jahren zum Glück mehr thematisiert wurde. Laut Literatur sind zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung tatsächlich betroffen, also schon ein ordentlicher Anteil.

Woher kommen Intoleranzen dann letzten Endes?
Es gibt vermutlich mehrere Ursachen für die Zunahme der Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Einerseits spielen unsere Ernährungsgewohnheiten sowie der Einsatz von Zusatzstoffen und Konservierungsmitteln in der Lebensmittelproduktion eine Rolle. Einen nicht zu unterschätzenden Faktor spielen zum Beispiel aber auch Umweltgifte, Stressfaktoren oder Antibiotikagaben ohne klare Indikation.


Welche Unverträglichkeiten sind am gängigsten?
Fruktose, Laktose, Histamin und Weizen treten im globalen Vergleich am häufigsten auf. Zu den typischen Beschwerden zählen dabei in der Regel Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder unklare Befindlichkeitsstörungen.

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(© Shutterstock)

Wie kann man herausfinden, ob man eine Intoleranz hat?
Am Ende kann das immer nur ein Mediziner mit Sicherheit sagen. Der Gang zum Arzt sollte bei Beschwerden also keinesfalls vermieden werden, da nur ein Arzt die entsprechend nötigen Maßnahmen einleiten kann. Oft handelt es sich dabei um die einfache Variante einer Ernährungsumstellung. Angst vor dem Arztbesuch ist also völlig unnötig.


Unverträglichkeit und Allergie – was ist der Unterschied?
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem heftig und sofort, wenn Kontakt mit Allergen besteht. Dabei kann es im äußersten Fall sogar zu lebensbedrohlichen Notfällen kommen. Im Gegenzug dazu macht bei einer Unverträglichkeit die Dosis das Gift. Die Reaktion des Körpers setzt dabei oft erst später ein und äußert sich weniger heftig.  


Warum sind Unverträglichkeiten gerade in den letzten Jahren so ein großes Thema geworden?
Ich glaube, dass das Bewusstsein für Ernährung generell größer geworden ist. Das Thema hat mittlerweile eine gewisse Omnipräsenz in unserem Alltag erlangt: Medien berichten darüber, das Internet ist voll von Informationen, Influencer bloggen über Lebensmitteltrends. Natürlich beschäftigen sich dadurch auch immer mehr Patienten individuell mit der Sache und übernehmen im selben Zug mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit.


Können Intoleranzen eigentlich auch wieder verschwinden, beziehungsweise kann man von ihnen „geheilt“ werden?
Nach einer gewissen Karenzzeit können sich Unverträglichkeiten bessern, da die Darmschleimhaut dadurch die Möglichkeit bekommt sich zu erholen. Bei einigen Menschen bleibt die Unverträglichkeit aber aufgrund eines angeborenen Enzymmangels ein Leben lang bestehen.


Was ist Ihr persönliches Resümee zum Thema?
Generell sollten wir mit naturnaher, abwechslungsreicher Kost auf unsere Gesundheit achten. Im Bestfall verzichten wir dabei auf den Verzehr von vorgefertigten Lebensmitteln oder Süßigkeiten und halten den Konsum von Weißmehl so gering wie möglich. Außerdem sind Bewegung und emotionale Balance Faktoren, die man keinesfalls unterschätzen darf. Sind diese nicht gegeben, kann das im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell auf den Magen schlagen. 

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