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Lifestyle | 15.03.2017

A narrische Zeit

Noch etwa einen Monat Fastenzeit. Vor lauter Verzicht wünschen wir uns wieder den Fasching herbei.

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Foto: Shutterstock

Das haben wir jetzt davon. Gerade noch flöteten wir vom Aufblühen eines neuen, unschuldigen Jahres, von unseren Vorsätzen und dass dieses mal alles besser wird - und nun sind wir schon über die ersten fiesen Extreme mit den Namen Fasching und Fastenzeit gestolpert. Alles zutiefst lästige Angelegenheiten, die dem jungen Jahr schon die ersten Sorgenfalten verpassen. Zuerst Fasching (zum Glück bereits vorbei), bei unseren deutschen Nachbarn zur fünften Jahreszeit erhoben und das nur, weil in gefühlt zwei von 52 Wochen die bravbürgerliche Spießigkeit abgelegt werden muss. Gott sei Dank verbleiben da noch 50 Wochen voll politischer Korrektheit im peniblen Bürokratiesumpf. Ach, geben wirs einfach zu: Fasching ist doch auch nicht mehr als einer dieser Schenkelklopfer mit Trörö-Bläser-Schlussakkord und im Grunde einfach nur die logische Überleitung von Weihnachtsmarkt mit Après-Ski-Nachgeschmack zum ersten Volksfest im Frühling. Was Fasching gänzlich von anderen gesellschaftlichen Höhepunkten mit vermeintlich traditionellem Hintergrund unterscheidet, ist höchstens die Verkleidung.

Dresscode: sexy Krapfen. Was mich an Fasching auch heuer wieder verwirrte: Alter wird plötzlich relativ. Der Erwachsene wird an Fasching zum Kind - das Kind zum Erwachsenen. Wir Großen können es kaum erwarten, in ein flauschiges Bärchenkostüm zu schlüpfen, und die Jüngsten greifen nach Netzstrumpfhose und tief Dekolletiertem. Wieso? Weil Fasching ist. Weil man an Fasching mal das tun darf, was man sonst nicht darf. Die Männer dürfen einen Tag eine Frau sein, um sich auf High Heels Knöchel zu brechen und endlich den ganzen Tag die eigenen mit Taschentüchern gefütterten Brüste zu begrapschen. Und die Frauen? Ja, die Frauen stapeln noch tiefer und erklären einfach mal jede Berufsgruppe und/oder Tierart zum sexy Objekt. Ihr sexy Kätzchen, sexy Bunnies, sexy Polizistinnen und sexy Krankenschwestern da draußen, ihr wart es, die Fasching auch heuer wieder unerträglich machten. Ich persönlich habe wohl die Emanzipation der Kätzchen oder mitunter auch Marienkäferchen (Hallo? Insekten mit Fühlern und sechs Beinchen, die sich von Blattläusen ernähern!) verpasst, die jetzt unter dem Prädikat „sexy“ geführt werden. Und muss die Krankenschwester, die Wunden verbindet, intubiert und Katheter setzt, jetzt auch noch sexy sein? Sie muss nicht - sie darf. Ebenso dürfen sollte man bei der nächsten Faschingsfeier in puncto Verkleidung übrigens: sexy Walfisch, sexy Nacktmull oder sexy Faschingskrapfen - der wirklich einzige Grund, der Fasching sündig machen sollte.

Verzicht macht sexy. Weil Faschingskrapfen gehen immer. So lange, bis die Fastenzeit an die Tür klopft. Dieser ungebetene Gast, der uns armen Sündern jetzt gerade wieder unsere eigene Durchsetzungsschwäche vorsetzt. Na, Mahlzeit! Immerhin hat derjenige, der seinen Neujahrsvorsatz am 2. Jänner um 10.30 Uhr gebrochen hat, mit der Fastenzeit nochmal die Möglichkeit, jetzt wirklich ernsthaft ranzugehen. Ich persönlich unterbreche meine Fastenzeit bewusst mit den übriggebliebenen Krapfen nach Aschermittwoch, mit viel Kuchen rund um meinen Geburtstag (yay, im März!) und vorgezogenen Ostereinkäufen. Wieso? Weil ich an Fasching gefastet habe. Bei Kostümen, Alkohol und anderen Peinlichkeiten. Ich habe immerhin das ganze Jahr Fasching. Auf a narrisches 2017!

 

Fastenbrecher schreiben bitte an: [email protected]

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