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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 22.03.2017

Zeit

Wie nutzt und wie genießt man sie?

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Foto: Shutterstock

Zeit ist schon etwas Tolles. Sie funktioniert wie ein Bankkonto. Jeden Tag werden da 86.400 Sekunden einbezahlt und wir dürfen das Konto jeden Tag leerräumen.

Wie wir sie verwenden ist dem/der ominösen EinzahlerIn egal. Wir können jede Einheit genießen oder wir können ein paar Einheiten damit verplempern indem wir darüber jammern, dass wir Zuwenig am Konto haben. Obwohl, das ist ein absolut gerechtes Konto. Jeder bekommt exakt gleich viel, jeden Tag.

Einen Haken hat das Ganze. Wir können nichts ansparen auf diesem Konto. Jeder der das einmal probiert hat weiß das. Es geht nicht, dass wir zum wiederholten Mal einem Urlaub planen und dann wegen eines unaufschiebbaren Termins doch abblasen. Diese Chance ist vertan. Man kann zu einem späteren Zeitpunkt fahren das stimmt, aber dieser eine, bestimmte Zeitpunkt ist vorbei. Noch einen Haken hat das Ganze. Wir haben keine Ahnung ob es diesen späteren Zeitpunkt überhaupt geben wird. Es kann sein, dass das Konto morgen aufgelöst wird.

Dann wird im wahrsten Sinne abgerechnet. Im Fernsehen war letzte Woche ein netter Beitrag in dem ein Kollege zum Reporter sagte, dass es schlau wäre statt einer „To Do Liste“ eine „Let ist be Liste“ zu kreieren und einmal wirklich ernsthaft darüber nachzudenken, ob immer Alles so wichtig ist, das wir gerade für so wichtig halten. Ist das Mail, dass wir noch im Büro schreiben „müssen“ wirklich wichtiger als ein kleiner Ausflug mit der Tochter? Ich garantiere ihnen an das Mail erinnern sie sich nach drei Tagen nicht mehr.

 

Dazu eine kleine Begebenheit aus der Praxis:

Ein Bekannter von mir erklärte mir, wie wichtig seine Arbeit für die Allgemeinheit sei. Er verpasste immer wieder Feierlichkeiten mit seiner Familie. Oder er war der Stimmungskiller bei den Feiern, bei denen er es doch einmal schaffte dabei zu sein, indem er dauernd auf die Uhr schaute und jedem erklärte, dass er noch viel zu tun hatte. Seine Frau und sein Sohn nahmen ihn dann noch meistens in Schutz. Was hätten sie denn sonst tun sollen. Wenn man ihn fragte warum er nie Zeit hatte, gab er zur Antwort: „Wenn ich einen so tollen Job wie du hätte, wo ich nur in der Praxis sitzen und Leuten zuhören müsste, hätte ich auch Zeit. Aber bei mir drängen sich die Termine und es muss sofort entschieden werden.“

So gingen die Jahre ins Land und sein Sohn wurde Vater einer entzückenden Tochter. Das Mädel hatte etwas an sich, dass ihren Opa veränderte. Der hatte plötzlich alle Zeit der Welt um mit der Kleinen, die im Nachbarhaus wohnte, zu spielen obwohl er schon längst im Büro sein hätte sollen. Diese Keine durfte, als sie größer war den Opa auch in der Firma besuchen und jeder wusste, dass der Chef dann ansprechbar war und plötzlich Zeit hatte. Er stolzierte wie ein Gockel mit ihr durch die Firma, blieb bei fast jedem der Bediensteten stehen und hörte ihren Geschichten zu. So kannte ihn Keiner.

Ich fragte meinen Freund, was ihn zum Umdenken brachte. Er erklärte mir, dass er fast die Geburt der Kleinen verpasst hätte, weil er halt wieder einmal ein Telefonat führen oder eine Mail beantworten musste. Dann fuhr er komplett gestresst und viel zu schnell zum Krankenhaus, weil die ganze Familie erwartete, dass er seine Enkelin sehen möchte. So wie er war, komplett gestresst und absolut übermüdet übersah er eine rote Ampel und wäre fast mit einem LKW zusammengestoßen. Beide Fahrer kamen mit dem Schrecken davon und mein Freund fuhr langsam weiter. Als er dann dort war und seine Enkelin ihn anlachte wurde ihm bewusst, dass er dieses Lächeln nie gesehen hätte, weil er ja so wichtige Arbeiten erledigen „musste“. Ab diesem Zeitpunkt schwor er sich, er müsse gar nichts mehr außer die Zeit zu nutzen, die er hatte. Natürlich gibt es für jeden Prioritäten aber man sollte so leben, dass man seine Zeit nutzt. Auch dafür sein Leben wirklich zu leben, im schönsten Sinn des Wortes.

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben. Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

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