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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 03.05.2017

Und ich soll jetzt entscheiden?

Warum wir uns nicht gerne entscheiden und wie wir es wieder lernen.

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Foto: Shutterstock

Wie oft höre ich das in meiner Praxis und auch zu Hause. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene haben damit echt ein Problem. Liegt es an der Vielfalt der Möglichkeiten oder an der mangelnden Verantwortlichkeit?

Waren wir „Alten“ wirklich anders? Na ja ich glaub nicht unbedingt. Meine Berufsentscheidung war klar: „Du machst Matura, damit du es besser hast als ich.“ Somit war das mit dem entscheiden gleich geklärt. Dabei war mein Vater wirklich nicht beherrschend, das war einfach üblich. Man hat uns die Entscheidung abgenommen. Ob zu Recht oder nicht sei einmal dahingestellt. Dann kam die Zeit der offenen Kindererziehung, jedes Kleinkind durfte entscheiden ob es nun dies oder jenes machen möchte und den lieben Kleinen wurde erklärt Alles sei möglich, man muss nur wollen. Man hat vergessen zu sagen, dass man dafür meist hart arbeiten muss mit tausenden Rückschlägen und Zeiten in denen man am liebsten Alles an die Wand fahren möchte. Wir haben eine Welt eröffnet in der Alles sein darf und nichts sein muss und wir haben vergessen, dass man das entscheiden ebenso lernen muss wie alle anderen Dinge im Leben. Kinder und Jugendliche werden in aller Liebe sehr oft überfordert und in eine Situation gebracht mit der sie einfach nicht umgehen können. Leider hängt uns das dann als Erwachsener oft nach. Wir haben das nie gelernt und wir können es auch nicht.

Wie kann man das lernen? Leider geht das nicht ganz einfach. Am besten funktioniert es bei Entscheidungen, die man gleich wieder revidieren kann wie z.B. Getränkebestellung. Da kann ich gleich etwas Anderes bestellen, wenn es nicht passt. Entscheiden hat meist etwas mit verantworten zu tun. Das ist etwas, mit dem unsere Gesellschaft nicht so gut umgehen kann. Es wird uns ja von den Großen vorgemacht, kaum jemand stellt sich hin und sagt, dass er falsch entschieden hat und dafür die Verantwortung trägt. Leider stellt sich auch keiner hin und sagt, dass er zu feig war zu entscheiden und dafür die Verantwortung trägt. Denn gerade „nicht entscheiden“ hat oft größere, meist negative, Auswirkungen als falsch entscheiden.

Kleines Beispiel: Eine Mutter kam mit ihrem 16-jährigen Sohn in die Praxis. Sohnemann war sichtlich sauer. Auch die Mutter war etwas „stinkig“. Es ging darum, dass in Innsbruck in den Ferien tauchen für Jugendliche angeboten wurde. Man musste sich aber melden, damit die Verantwortlichen genug Equipment vorrätig hatten. Mumm stellte es dem Junior frei, ob er dabei mitmachen möchte oder nicht. Der Gute überlegte immer wieder hin und her und verließ sich einfach darauf, dass Mumm schon entscheiden werde. Am Vorabend wollte er dann doch selbst anrufen um mitmachen zu können, bekam aber von den Veranstaltern die Auskunft, dass er viel zu spät dran sei, das Gerät sei schon verliefert worden. Nun gab er seiner Mumm die Schuld, denn sie hätte das schließlich wissen müssen, dass man sich dann nicht kurzfristig entscheiden konnte. Der junge Mann wird sich schon daran gewöhnen, dass nicht die ganze Welt auf seine Entscheidungen warten wird und dass es gewisse Deadlines für Entscheidungen gibt. Es gibt nur eine falsche Entscheidung und zwar die, die ein anderer für einen trifft. (Natürlich gilt das nur für Entscheidungen, für die man auch die Verantwortung tragen kann.)

 

 

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben.

Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

 

 

 

 

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