Loading…
Du befindest dich hier: Home | Beauty

Beauty | 06.07.2017

Gefährlicher Sommer

42 Prozent aller Zecken können Krankheiten übertragen und ein Stich ist potenziell gefährlich für den Menschen. Die TIROLERIN sprach mit einer Expertin über Gefahren und Schutzmöglichkeiten.

Bild 1608_Gesundheit_InterviewZecken02.jpg
„Aufgrund des milderen Klimas hat sich die zecke inzwischen bis in die täler tirols vorgearbeitet.“ Dr. Maria Kitchen (Foto: Shutterstock)

Ein Spaziergang im Wald ist im Sommer ideal zum Abkühlen, doch wer durchs Gras streift, kommt oft auch mit unangenehmen Überraschungen nach Hause. Zecken sind nach Moskitos der gängigste Überträger von Krankheiten. In Österreich warnen Mediziner von FSME oder Borreliose. Die TIROLERIN hat bei Frau Dr. Maria Kitchen, Fachärztin im Department für Dermatologie, Venerologie, Allergologie nachgefragt.


TIROLERIN: Wie schätzen Sie diese Zeckensaison ein?
Dr. Maria Kitchen: Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Jahr, aufgrund des milden Winters, ein besonders intensives Zeckenjahr wird. Wir sind jetzt ja mittendrinn, von Frühling bis Herbst ist mit Zeckenbissen zu rechnen.


Wie sieht es mit der Verbreitung der Zecken aus, hat sie sich verändert?
Aufgrund des milderen Klimas hat sich die Zecke inzwischen bis in die Täler Tirols vorgearbeitet. Ich kann mich erinnern, dass vor 20 Jahren die Zeckenpopulation bis ins untere Inntal nachgewiesen war, inzwischen hat sie sich weiter nach Westen verlagert und auch in die Höhe. Das hat auch mit dem Klimawandel und den milderen Temperaturen zu tun.


Was kann bei einem Zeckenbiss nun passieren?
Allgemein warnt man vor FSME oder Borreliose, also entweder einer Virusinfektion, die Meningoenzephalitis hervorruft oder einer Bakterieninfektion mit Borrelien. Aber Zecken können noch weitere Krankheitsträger in sich tragen. Gerade im Frühjahr sind Zecken in einem Entwicklungsstadium zwischen Larve und Zecke, sogenannte Nymphen, also besonders klein. Diese können schon mal übersehen werden. Während bei der Virusinfektion mit FSME die Zeit keine Rolle spielt, weil die Erreger im Speichel der Zecke sitzen und man sofort angesteckt wird, wird Borreliose im Frühjahr häufiger diagnostiziert, in diesem Fall ist die Zeit ausschlaggebend. Saugt eine Zecke weniger als 36 Stunden, ist die Gefahr einer Infektion relativ gering.


Welche Symptome treten bei Borreliose auf?
Im Idealfall nimmt man als Erstes eine kreisförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle wahr, bevor sich grippeähnliche Symptome einstellen. In diesem Fall muss der Betroffene einen Arzt aufsuchen, denn er muss mit Antibiotika behandelt werden. Wird die Infektion nicht behandelt, können sich Erreger ausbreiten und Organe befallen. Die Neuroborreliose kann dann auch zu Lähmungen führen, auch Spätschäden sind bekannt, die sich über Jahre hinziehen können. Im Gegensatz zu FSME gibt es keine Impfung, die Krankheit tritt somit relativ häufig auf.

Bild 1608_Gesundheit_InterviewZecken03.jpg
„Einfach Ruhe bewahren und die Zecke herausziehen.“ Dr. Maria Kitchen (Foto: Shutterstock)

Pro oder contra FSME-Impfung?
Ich bin dafür, denn ist die Zecke infiziert, besteht im Gegensatz zu Borreliose – wo wie gesagt die Zeit, wie lange die Zecke saugt, eine Rolle spielt – ein großes Risiko der Ansteckung. Der Virus dringt durch den Stich in den Körper ein und löst nach ein bis zwei Wochen ebenfalls grippeähnliche Symptome aus. Obwohl die Sterberate bei wenigen Prozent liegt, ist die Infektion schwerwiegend und muss auf der Intensivstation behandelt werden. Wer eine Entzündung am Hirn übersteht, leidet meistens unter Restbeschwerden, wie Lähmungen oder Krampfanfällen, die aufgrund von Vernarbung in Gehirnteilen entstehen. Eine Impfung gegen FSME ist also auch für Tirol dringend zu empfehlen. Nach einer Grundimmunisierung, die im ersten Jahr dreimal erfolgt, braucht es eine Auffrischung nach drei Jahren und danach jeweils eine Impfung im Intervall von fünf Jahren. Der Impfstoff, der in Österreich entwickelt wurde, funktioniert sehr gut und schützt Geimpfte.


Wie sollen sich Personen, die von einer Zecke gestochen werden, verhalten?
Ruhe bewahren und die Zecke herausziehen. Diese spezielle Pinzette, die erhältlich ist, ist ideal. Grundsätzlich gilt: Langsam herausziehen, nicht drehen oder ähnliches, um den Kopf nicht abzureißen. Bleibt dieser unter der Haut, sollte der Hausarzt aufgesucht werden.


Welche Tipps haben Sie grundsätzlich für den Alltag?
Ist man viel im Freien unterwegs, sollte man sich immer untersuchen, ob eine Zecke angebissen hat. Oftmals kriechen sie in die Leistengegend, wo man die Zecke nicht sofort wahrnimmt. Wird man gestochen, sollte man die Stelle im Auge behalten und sehen wie sie sich entwickelt. Bei einem Biss braucht man nicht den Arzt aufsuchen, um sich die Zecke entfernen zu lassen, das kann man selber machen. Ich finde zusätzlich eine Impfung sehr sinnvoll, obwohl FSME-Fälle nicht steigen, kann man sagen, dass die Anzahl der infizierten Zecken – die grundsätzlich Krankheiten übertragen – steigend ist. Was auch interessant ist: Gleich wie bei Mückenstichen gibt es auch im Falle von Zecken Menschen, die gerne gestochen und andere, die selten gestochen werden. Wir werden sehen, wie sich die Saison entwickelt, ich glaube, es wird ein besonderes Zeckenjahr.

Bild 1608_Gesundheit_InterviewZecken04.jpg
Fachärztin Dr. Maria Kitchen (Foto: TIROLERIN / Unterthurner)
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus